Immer wenn es in der Vergangenheit um Superheldencomics ging, wurde ich nicht müde zu betonen, dass ich die Geschichten und Figuren aus dem Hause #Marvel jenen des Mitbewerbers #DC ein wenig vorzöge – mit der einzigen Ausnahme #Batman, der ja generell der coolste sei. #Superman hingegen erklärte ich in seiner klassischen Version stets für langweilig und bevorzugte ihn in einer „umgedrehten“ Variante wie beispielsweise in der Injustice-Reihe1 – oder wenn er aus welchen Gründen auch immer von Batman auf die Mütze bekam.
Das hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt.
Die sind beide gut
Inzwischen will ich Marvel und DC gar nicht mehr gegeneinander aufwiegen.2 In beiden Universen gibt es spannende Figuren und in beiden können wunderbare Geschichten erzählt werden – manchmal sogar in beiden zusammen.
Insgesamt habe ich halt deutlich mehr aus dem Haus der Ideen gelesen und kenne mich dort ein wenig besser aus. Bei DC habe ich mich aber auch schon immer wohlgefühlt und das ausdrücklich nicht nur beim dunklen Ritter und seiner Bat-Familie. Und in letzter Zeit reizen mich eben zunehmend die ganz klassischen Geschichten des Kryptoniers und seiner Anverwandten.
Der Martha-Zwischenfall
Irgendwann hatte ich von all der Düsternis schlicht die Nase voll. Spätestens 2016, als das Batman-verkloppt-Superman-Motiv in der unsäglichen „Martha-Szene“ aus Batman v Superman seinen Tiefpunkt erreichte, war das Thema für mich ausgelutscht.
Ich konnte dem DCEU und dem Snyderverse durchaus hier und da was abgewinnen – aber ab da stand mir wieder mehr der Sinn nach Optimismus, Zuversicht und Hoffnung. Also legte ich Injustice und Co. beiseite und wandte mich dem guten alten Big Blue Boyscout in seiner ursprünglichen Form zu.
Mehr Hoffnung wagen
Daher kam mir die filmische Neuauflage von James Gunn im letzten Jahr auch sehr gelegen. Diese durchweg positive und idealistische – und von mir aus auch ein wenig naive – Interpretation des idealtypischen Helden hat mir ausnehmend gut gefallen. Und natürlich rettet er das Eichhörnchen!
Nennt mich altersmilde, aber das sind genau die Geschichten, die ich gerade lesen will. Von jemandem, der mit Güte, Hoffnung und Zuversicht den Übeln dieser Welt begegnet und dabei all seine absurd große Macht so behutsam und dosiert wie möglich einsetzt, weil der Zweck eben nicht die Mittel rechtfertigt. Womöglich habe ich die Figur des Superman in den Jahrzehnten zuvor auch einfach nicht richtig verstanden – wobei ich mich erinnere, dass ich ihn als ganz kleiner Junge auch immer cool fand.
So oder so, ich erinnere mich in diesen Tagen wieder gern an jene #Comics, die diesen guten alten Superman in Szene setzen und führe mir all jene zu Gemüte, die mir noch fehlen könnten.
Gelesen und für gut befunden
Schon vor vielen Jahren habe ich mit großem Genuss den Klassiker aus dem Jahr 2003 Superman: Red Son beziehungsweise Genosse Superman von Mark Millar verschlungen, in dem die Geschichte einer Parallelwelt erzählt wird, in der die Raumkapsel mit dem kleinen Kal-El nicht in Kansas, sondern in der frühen Sowjetunion landet. Ein bisschen geht das natürlich auch in Richtung „böser Superman“ – aber eben nicht ganz. Denn auch in dieser Variante ist er im Grunde seines Herzens rechtschaffen, was sich spätestens am Ende der Geschichte offenbart.
Ähnlich lange her ist meine Lektüre von Kingdom Come aus dem Jahr 1996 mit den beeindruckenden fotorealistischen Zeichnungen von Alex Ross. Inzwischen mag ich den sehr textlastigen Stil nicht mehr allzu gern, aber der Epos über die gealterten DC-Heldinnen und Helden, die sich einer neuen Generation gnadenloser Superhelden stellen muss, zählt natürlich ebenso zu den Klassikern.
Als 2011 das komplette DC-Universum unter dem Titel #New52 – mal wieder – resettet wurde, habe ich eine ganze Menge der damals gestarteten Serien an- oder sogar durchgelesen. Darunter auch die diversen Superman-Reihen. Besonders interessant fand ich den Anfang von Action Comics, in dem die ersten Gehversuche des jungen Clark Kent in Metropolis beschrieben wurden.
In den letzten Monaten habe ich dann einen ganzen Schwung älterer und neuerer Supes-Stories durchgeschmökert und zwar: Superman for All Seasons beziehungsweise Superman: Ein Held fürs ganze Jahr von Jeph Loeb aus dem Jahr 1998, All-Star Superman von Grant Morrison aus den 2000er Jahren, Superman Up in the Sky beziehungsweise Superman: Jenseits der Erde von Tom King aus dem Jahr 2020, Superman: The World von 2025 mit Geschichten von Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt, darunter auch unser Flix und schließlich Supergirl: Woman of Tomorrow beziehungsweise Supergirl: Die Frau von morgen von Tom King, was ja die Vorlage des gleichnamigen Films werden soll.
Haben mir allesamt viel Spaß gemacht und sind unbedingt zu empfehlen.
Weiterlesen – mit Bitte um Empfehlungen
Aber dabei will ich es nicht belassen. Ich brauche mehr. Die einschlägigen Listen der „besten Superman Comics“ führen neben den oben genannten noch folgende auf:
Superman Unchained aus der New52-Ära, Trinity mit Batsie und Wonder Woman von Matt Wagner, Was wurde aus dem Mann von Morgen? beziehungsweise Whatever Happened to the Man of Tomorrow? und/oder For the Man Who Has Everything von Allan Moore, Superman: Erde Eins von JMS oder What’s so Funny about Truth, Justice & the American Way?
Was meint ihr? Können die was? Was fehlt noch auf der Liste? Von Allan Moore mal abgesehen, will ich eigentlich auch nicht über die 90er hinaus gehen. Und was ist mit ganz neuen Ansätzen wie Absolute Superman? Oder geht das nicht wieder in die olle Grimmig-und-Düster-Richtung?
Bin gespannt auf eure Tipps.
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