Kategorie: Lesetagebuch

„Die Stahlhöhlen“ von Isaac Asimov

Für einen selbsternannten -Nerd wie mich ist es eigentlich eine Schande, das zugeben zu müssen: ich befasse mich erst jetzt im fortgeschrittenen Alter angemessen intensiv mit dem Werk des SF-Großmeisters Isaac Asimov. Doch besser spät als nie und so dient mir die im Nachhinein zusammengestellte Roboter-Foundation-Buchreihe als Einstieg in den Klassiker. Nach drei Kurzgeschichtensammlungen – zuletzt der 200-Jahre-Mann – ist Band vier der erste komplette Roman in der Reihe.

Krimi unter Tage

Der Roman ist ein klassischer Krimi mit zwei ungleichen Partnern, die einen komplizierten Mordfall lösen müssen. Schon in den ersten Kapiteln habe ich sofort an Alien Nation1 oder ähnliche Kriminalfilme des letzten Jahrhunderts gedacht. In diesem Fall ist die Hauptfigur ein menschlicher Cop auf der Erde, der mit einem verhassten Roboter aus der Spacer-Kolonie zusammenarbeiten muss.

Aber eines nach dem anderen – und wenigstens wegen der Auflösung des zentralen Mordfalls platziere ich hier besser eine

WARNUNG VOR DEM SPOILER

Die Krimihandlung ist erwartungsgemäß in ein komplexes SF-Setting eingebettet, dessen Details und Besonderheiten unaufdringlich nebenher beschrieben werden – und spätestens ganz zum Schluss selbst handlungsrelevant sind.

Gespaltene Menschheit in ferner Zukunft

Wir befinden uns etliche Jahrhunderte – es ist sogar von über tausend Jahren die Rede – in der Zukunft. Die Menschheit auf der Erde lebt, acht Milliarden an der Zahl, nur noch in sogenannten Cities. Das sind gewaltige komplett von Kuppeln überdachte, teils unterirdische Megastädte, die jeweils zigmillionen Einwohner beherbergen und versorgen. Aus heutiger Sicht eine waschechte Dystopie, aber es zeugt von Asimovs Können, dass er diese seit Jahrhunderten gelebten Zustände aus Sicht der Protagonisten als völlig normal und teilweise sogar als erstrebenswert beschreibt. Selbst die Rebellen, die „zurück zur Scholle“ wollen, haben eigentlich gar keine echte Vorstellung davon, was das bedeutet.

Dann wären da die Spacer. Vor etlichen Jahrhunderten haben die Menschen eine Handvoll ferner Planeten besiedelt und dort eine prosperierende Kultur entwickelt. Im Gegensatz zur stagnierenden Menschheit auf der Erde ging auf den Kolonien der wissenschaftliche und medizinische Fortschritt ungebremst voran. Die Spacer, wie man sie auf der Erde inzwischen nennt, haben eine deutlich längere Lebenserwartung und ihre Technologie ist der auf der Erde weit überlegen.

Daher müssen die Erdenmenschen auch akzeptieren, dass die Spacer seit einiger Zeit eine Kolonie auf der Erde unterhalten und von dort aus Einfluss auf die Gesellschaft der Cities nehmen.

Dabei helfen ihnen – und das sind die dritten im Bunde – die Roboter. Die Asimov’schen Maschinenmenschen sind bereits seit tausend Jahren Bestandteil der menschlichen Gesellschaft. Dies gilt zur Handlungszeit aber vor allem für die Gesellschaft der Spacer. Die Menschen auf der Erde leben zwar auch in einer hochgradig automatisierten Gesellschaft, allerdings weitgehend ohne Einsatz der humanoiden autonomen Roboter. Dieser wird ihnen seit einiger Zeit von den Spacern regelrecht aufgezwungen, die sich davon offenbar einen Fortschritts-Impuls für die Erde versprechen. Wie zu erwarten verstärkt dies aber nur die Vorbehalte der Erdenmenschen gegenüber Robotern und Spacern gleichermaßen.

Mord in der Spacerkolonie

In dieser heiklen Gemengelage kommt es zu einem Mord. Ein Spacer wird in der Kolonie nahe New York erschossen aufgefunden. Interne Ermittlungen deuten schnell darauf hin, dass der Täter ein Erdenmensch gewesen sein muss – allerdings nicht der einzige, der offiziell anwesend war: ausgerechnet der Polizeichef von New York.2

Dieser konnte erwirken, dass einer seiner Leute diskret in dem Fall ermittelt, um größere diplomatische Verwicklungen zu vermeiden – oder zumindest hinauszuzögern. Elija Baley ist der Polizist, der als Hauptfigur die Ermittlungen leitet, ihm zur Seite steht der Spacer-Roboter Daneel. Die Mitarbeit des Maschinenmenschen war Bedingung der Spacer, um der disktreten Handhabung zuzustimmen.

Im Laufe der Handlung muss Baley seine fest verankerten Vorbehalte gegen Spacer und Roboter überwinden, die ihn oft auf die falsche Fährte locken.3 Erwartungsgemäß entwickelt er sogar eine Art Freundschaft zu Daneel. Nebenher werden die Details des interessanten Zukunftsszenarios beschrieben und einige geheime Hintergründe offenbart – darunter die Tatsache, dass auch bei den Spacern nicht alles im Reinen ist. Auch ihre Gesellschaft stagniert auf eine Weise und bräuchte neue Impulse, um auch in fernerer Zukunft weiterbestehen zu können.

Als sie den Fall schließlich lösen – der Mord war im Grunde ein Versehen, jemand wollte eigentlich einen Roboter zerstören4 – offenbart sich der eigentliche Plan einiger Spacer, die irdische Menschheit auf lange Sicht erneut zu den Sternen zu führen. Da dies aber nur aus eigenen Antrieb nachhaltig geschehen kann, soll einigen Menschen, darunter Baley selbst, die Idee eingepflanzt werden, dass die Menschheit nur durch neue interstellare Kolonien zu retten ist. Wie es aussieht, ist dieser Plan am Ende aufgegangen, die Saat ist gesät, der Gedanke, dereinst von der Erde aus wieder neue Planeten zu besiedeln, beginnt sich festzusetzen.

Spannender Schritt in Richtung Foundation

Ich muss gestehen, dass ich eher verhalten optimistisch an den Roman herangegangen bin – obwohl mir die Kurzgeschichten der vorangegangenen Bände ausnehmend gut gefallen haben. Aber ich dachte dann doch, dass man dem Schreibstil und den überkommenen Zukunftsvisionen ihr Alter anmerken würde. Auch saß in mir noch immer das Vorurteil fest – keine Ahnung, woher ich das hatte – dass Asimov seitenweise SF-Technik beschreibt und die gesellschaftlichen Implikationen sowie Handlung und Charaktere eher hintenanstehen.

Weit gefehlt! Auch wenn der Plot eine klassische Detektivgeschichte ist, ist er sehr spannend aufgezogen. Alle Figuren sind interessant und mehrschichtig gestaltet und es geht Asimov ganz offensichtlich hauptsächlich darum, welche Auswirkungen seine im großen und ganzen gar nicht mal so abwegigen technologischen Entwicklungen auf Mensch und Gesellschaft haben. Klasse!

Und es taucht schon ein Konzept auf, das später in der eigentlichen Foundation-Geschichte zum Tragen kommen wird und dann den Namen Psychohistorie tragen wird. Nämlich die Vorstellung, dass große gesellschaftliche Entwicklungen vorhergesagt und gezielt durch kleine Impulse und Änderungen angestoßen werden können.

Ich bin dann mal sehr gespannt, ob dieser kleine Mordfall tatsächlich dazu führen wird, dass die Menschheit in ein, zwei Generationen wieder zu den Sternen aufbricht. Womöglich erfahre ich es schon im Folgeband „Die nackte Sonne“.5

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  1. Na, wer erinnert sich noch? Auf deutsch hieß er „Space-Cop LA“, gab sogar eine Serie.[]
  2. Wenn hier von „New York“ die Rede ist, ist weder der US-Bundesstaat noch die heutige Stadt gemeint, sondern die „City“ im Sinne der zukünftigen Bedeutung des Romans. Diese erstreckt sich weit über die Fläche der heutigen Stadt hinaus und ist wie alle „Cities“ komplett unterirdisch beziehungsweise überdacht angelegt.[]
  3. also, die Vorbehalte, nicht die Spacer und Roboter[]
  4. den kompletten Spoiler lass ich hier dann doch mal weg und empfehle dringend, das Buch selbst zu lesen, falls noch nicht geschehen[]
  5. und bekomme dabei auch gleich erklärt, was das überhaupt sein soll[]

„The Bicentennial Man“ von Isaac Asimov

Langsam komme ich dahinter, warum Isaac Asimov als Großmeister der gilt.1 Nach Geliebter Roboter ist der dritte Band seiner Roboter- und Foundation-Reihe2 erneut eine Sammlung kurzer bis längerer Erzählungen mit dem titelgebenden Bicentennial Man3 als Kernstück.

Dieser Band hat mich mehr noch als die beiden Vorgänger begeistert – auch weil er an vielen Stellen die Weiterentwicklung Asimovs und seines Schaffens aufzeigt. Wieder drehen sich die meisten – jedoch nicht alle – Geschichten um Roboter, künstliche Intelligenz und die Auslotung ihrer Grenzen und Möglichkeiten.

Mehr Frauen

An den beiden vorangegangenen Büchern musste ich das allzu zeitgemäße Frauenbild kritisieren, das Asimov in einigen seiner Geschichten transportiert. Hier zeigt sich nun, dass der Knabe offenbar lernfähig war. Im Vorwort schreibt er sogar selbst, dass er durch Gespräche mit einer Bekannten auf die Idee kam, in einer Geschichte einen dezidiert weiblichen Roboter auftreten zu lassen. Doch auch in den anderen Erzählungen tauchen mit einem Mal deutlich mehr weibliche Protagonistinnen mit wesentlich dominanteren Rollen auf. Gefällt mir sehr gut.

Mehr Spannung und mehr Menschlichkeit

Ganz allgemein hatte ich den Eindruck, dass die Geschichten noch mal einen ganzen Zacken spannender und einfallsreicher geworden sind. Noch viel mehr als in den vorangegangenen Bänden bricht Asimov mit den Regeln seiner Welt und überrascht den Lesenden mit radikalen Wendungen und kolossalem Scheitern. So lässt er den wohlmeinend diktatorischen Großrechner Multivac sterben und verwischt mit der titelgebenden Geschichte endgültig die Grenze zwischen Mensch und Maschine.

Woran Data Jahrzehnte später letztendlich gescheitert ist, gelingt Andrew Martin in dieser genreprägenden Geschichte: als Roboter gebaut und in die Welt gesetzt darf er 200 Jahre später als von der Gesellschaft voll anerkannter Mensch in Frieden sterben.4

Mäßige Verfilmung

Wie es der Zufall so will, ist vor einigen Wochen die olle Verfilmung des 200-Jahre-Manns von 1999 bei Netflix aufgetaucht. Die Gelegenheit habe ich genutzt und mir das gute Stück noch einmal reingedreht. Naja.

Ein paar Szenen aus der Vorlage gibt der Film durchaus gut wieder – aber dass Andrews Wunsch ein Mensch zu sein darauf reduziert wird, dass er legal heiraten möchte, finde ich arg dämlich. Zumal es ganz schön creepy ist, dass der zu dem Zeitpunkt schon über 60-jährige Roboter-Mensch mit der nicht einmal halb so alten Enkelin von Little Miss5 anbandelt.

Meine Empfehlung daher: Lest unbedingt die Original-Story – aber den Film könnt ihr auslassen.

Als nächstes: SF-Krimi unter Tage

Weiter geht’s mit Die Stahlhöhlen, dem ersten kompletten Roman in dieser Reihe.

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  1. Ja, das wusste ich natürlich auch vorher schon. Aber es jetzt noch mal richtig bei der Originallektüre zu erleben, ist schon was anderes.[]
  2. die erst nachträglich so zusammengestellt wurde – ursprünglich sind das meiste nur lose zusammenhängende Einzelgeschichten[]
  3. In meiner Version wird der Titel mit „Der Zweihundertjährige“ übersetzt – manchmal steht aber auch „Der Zweihundert-Jahre-Mann“ auf dem Cover. Ich hätte ja die Formulierung „Der Zweihundert-Jahre-Mensch“ am besten gefunden, da es ja – ACHTUNG SPOILER – darum geht, dass der Roboter am Schluss als Mensch stirbt.[]
  4. Habe ich auch jetzt erst richtig erkannt, dass die unsägliche Sterbeszene von Data in der ersten Picard-Staffel ihr Vorbild bei Asimov hat. Leider nur sehr mäßig kopiert.[]
  5. Die für Andrew im Film selbst schon als Love-Interest dargestellt wird, was noch creepier ist, da er sie als kleines Kind kennengelernt hat. Im Buch hat er auch eine enge Bindung zu ihr – aber nicht so.[]

Perry Rhodan Band 3371 „Das Duell“ von Kai Hirdt

Auch wenn Erscheinungsdatum und meine Lektüre schon deutlich zurückliegen, ziehe ich die Verbloggung der konsumierten -Hefte unverdrossen fort. Nach Guckys Rückkehr im vorangegangenen Roman wird es ernst in der Milchstraße des Rhodan-Universums. Kai Hirdt lässt es in Band 3371 ordentlich krachen und stellt entscheidende Weichen für die Metahandlung. Daher schnell die

WARNUNG VOR DEM SPOILER

Zusammenfassung: Schurkendämmerung

Nachdem ihm seine Beeinflussung bewusst geworden ist – und er durch seine Gefangennahme ohnehin kaum eine Wahl hat – beschließt der bisherige Schurke Wylon, den Heldinnen und Helden um Perry Rhodan, Gucky & Co. dabei zu helfen, seiner einstigen Verbündeten Cassandra eine Falle zu stellen. Als Köder für diese Falle fungiert das aktuelle McGuffin, nämlich die Triade aus drei Mausbiber-Mumien, machtvolle psionische Artefakte, mit denen man einigen Schaden anrichten könnte. Tatsächlich existieren nur noch zwei der Mumien – mit dem lebenden Mausbiber Gucky lässt sich aber die dritte im Bunde simulieren.

Cassandra scheint den Köder zunächst zu schlucken und erscheint bei dem Treffpunkt – aber selbstverständlich verläuft von da ab kaum mehr etwas nach Plan. Wylons Beeinflussung durch Cassandra besteht nämlich noch immer, sodass er ihr den Plan auf halber Strecke verrät und etliche Machtmittel widerstandslos übergibt. Erst ganz zum Schluss wird sein Bann gelöst – woraufhin er Cassandra unvermittelt tötet und kurz danach selbst sein Leben verliert. Im Eifer des Gefechts geschieht noch ein weiteres Unglück, denn die Triade wird dergestalt aktiviert, dass sie zum einen Gucky ins Koma fallen lässt und zum anderen die Yodor-Sphäre perforiert, wodurch die Bewusstseinsinhalte der darin heilenden Superintelligenz ES zu entweichen drohen.

Somit sind die Schurken Cassandra und Wylon zwar ausgeschaltet – die Lage scheint aber dramatischer als je zuvor.

Fazit: Zu viele SOLs

Der Roman hat mir sehr gut gefallen, dennoch habe ich zwei Kleinigkeiten kritisch anzumerken.

Ihr solltet euch doch merken, dass der vorangegangene Roman festgelegt hat, dass Gucky die Gedanken von Wylon lesen kann. Das kam mir in diesem Heft nicht mehr so deutlich rüber. Ich hatte beim Lesen hier und da den Eindruck, dass der Mausbiber doch etwas hätte merken müssen.1 Ist natürlich auch nicht leicht, spannende Handlungen zu stricken, wenn ein nahezu omnipotentes Wesen dabei ist.

Der andere Punkt ist die Beliebigkeit, mit der Raumschiffe vom Typ der SOL eingesetzt werden. Wir erinnern uns: dieses legendäre Raumschiff ist seit Heft 700 relativ einzigartig2 in der Perry-Rhodan-Serie unterwegs. Dass jetzt mit einem Mal drei oder vier3 Schwesterschiffe wie beliebige Standardraumschiffe umherschwirren, entwertet diese Einzigartigkeit doch sehr.

Aber damit genug Gemecker! Der Roman ist unabhängig davon packend geschrieben und setzt mit seinen Konsequenzen für die Metahandlung einen mächtigen Paukenschlag. Dafür gibt es von mir satte vier von fünf Sternen. ****°

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  1. EDIT: Ich habe diesen Punkt etwas umformuliert. So passt die Formulierung besser dazu, welchen Eindruck ich als Leser hatte.[]
  2. Ja, es gab immer mal Dubletten und die JULES VERNE wollen wir auch nicht vergessen.[]
  3. Wie viele waren es am Ende genau?[]

Perry Rhodan Band 3370 „Eine Handvoll Tramp“ von Oliver Fröhlich

Und weiter geht’s mit der etwas verzögerten Verbloggung meiner -Erstauflagenlektüre. Nach Der Status quo ist nun Heft 3370 von Oliver Fröhlich an der Reihe. Richtig gutes Heft! Doch zunächst die erforderliche

WARNUNG VOR DEM SPOILER

Zusammenfassung: Gucky Homecoming

Der schurkische Terra-Topsider John Wylon hat große Teile seiner Machtmittel eingebüßt. Mit einem seiner letzten Raumschiffe und wenigen verbliebenen Getreuen versucht er, das Schicksal noch einmal zu seinen Gunsten zu wenden. Dafür hat er Plofres Stern aufgesucht, um den nur noch das Trümmerfeld des einstigen Planeten Tramp kreist, die zerstörte Heimatwelt der Ilts und des prominentesten Vertreters dieser Spezies Gucky. Dort hofft er eine der drei Mausbiber-Mumien zu finden, ein machtvolles psionisches Artefakt.

Wie es der Zufall so will, kehrt just in diesem Augenblick besagter Gucky mit seinem geklauten Raumschiff und seiner angenommenen Familie in die Milchstraße zurück – und schaut aus sentimentalen Gründen erst einmal bei dem Stern vorbei, unter dessen Licht er geboren und aufgewachsen ist.

Ach ja: Gleichzeitig ist eine Flotte der galaktischen Ordnungsmacht vor Ort, da man hier mit Aktivitäten der Schurken rechnet.

In zunächst getrennten Handlungssträngen werden Wylons und Guckys Erlebnisse beschrieben.

Ersterer kreist mit seinem Schiff im Verborgenen um den Stern und lässt so behutsam wie möglich die Trümmerbrocken des Asteroidengürtels untersuchen, der einst Tramp war. In seiner Rumpfbesatzung rumort es, da die Wahrscheinlichkeit auf Erfolg offensichtlich nahe Null liegt. Doch das Glück scheint ihnen hold, ein größerer Gesteinsbrocken sendet vielversprechende Strahlung aus, man landet, um ihn genauer zu untersuchen. Dort findet man interessante Artefakte – jedoch zunächst nicht jenes, das man sucht.

Gucky nimmt derweil mit den Ordnungskräften Kontakt auf und informiert sich über die aktuelle Lage. Da sein Schiff über die bessere Ortungstechnik verfügt, bietet er an, bei der Suche nach den Schurken zu helfen – und tatsächlich gelingt es ihm, Wylons Schiff aufzuspüren.

Dieser gerät derweil in diverse unerwartete Bedrohungslagen. Zum einen stellt sich einer seiner Helfer als erbitterter Feind heraus, der ein Attentat auf ihn ausübt, das nur aus Zufall misslingt. Und dann offenbart sich die eigentliche Strahlungsquelle, der man auf der Spur war, als geschickte Falle – hinter der niemand geringeres als die Dunkelfrau der aktuellen Schurkereien steckt: Cassandra.

Man erfährt, dass sie den armen Topsider jahrzehntelang mit einem Psychostrahler bearbeitet, konditioniert und womöglich zu all den Schurkereien getrieben hat. Wir erinnern uns, dass das schon einmal ihre Masche war. Und nun will sie – aus sicherer Entfernung – testen, ob diese Konditionierung noch hält. Da dies nicht der Fall zu sein scheint, sendet sie der Falle, in der Wylon steckt, den Tötungsbefehl.

Zu seinem Glück ist aber Gucky zur Stelle, kann ihn im letzten Moment retten und den Behörden übergeben.

Fazit: endlich echte Raumfahrt

Ich meckere bekanntermaßen ausgiebig und gern, wenn Raumfahrt in einer -Geschichte nicht akkurat dargestellt wird. Sei es ein Film, eine TV-Serie oder ein Roman: Wenn sich Raumschiffe wie Seeschiffe oder Flugzeuge verhalten, wenn Planeten in geraden Linien angeflogen werden und anstelle realer Gefahren des Kosmos von Subraumstrudeln und Hyperraumbeben fabuliert wird, möchte ich dem jeweiligen Medium stets das SF-Label entziehen. Denn spätestens seit The Expanse haben Schreibende hier keine Ausrede mehr.

Was für eine Labsal und Freude ist es daher, dass Oliver Fröhlich die Raumschiffbewegungen um Plofres Stern in Umlaufzeiten und ballistischen Kurven beschreibt. Geht doch!

Und damit nicht genug. Fröhlich spielt die ganze Zeit damit, wie unwahrscheinlich es eigentlich ist, unter diesen Bedingungen das begehrte MacGuffin zu finden. Am Ende ist dieses Problem sogar Handlungselement, denn in Wahrheit wird Wylon eine geschickte Falle gestellt.

Auch sonst haben mir alle Romanelemente sehr gut gefallen: Die Handlung ist spannend, alle Figuren haben Charakter – bis hin zu dem Offizier der Obrigkeitsflotte. Allen voran hat mir aber Gucky gefallen. Die Mischung aus Albernheit und jahrtausendelanger Lebenserfahrung ist perfekt austariert.

Schließlich hat Fröhlich alles angemessen in das Perry-RhodanLore eingebettet und überall Hinweise auf die bewegte Historie des einstigen Planeten Tramp platziert.

All dies macht den Band für mich zu einem nahezu perfekten PR-Roman, der die höchste Punktzahl voll und ganz verdient hat. Fünf von fünf Sterne sollen es sein: *****

Ach ja – an dieser Stelle sei festgehalten: Der Roman legt zweifelsfrei fest, dass Gucky die Gedanken von Wylon lesen kann. Anders hätte er ihn ja gar nicht retten können. Bitte merken! Das wird für die Beurteilung des Folgebands noch wichtig.

Exkurs: Der perfekte Perry-Rhodan-Roman

Nach dem Genuss dieses formidablen Heftes habe ich mir zum wiederholten Male überlegt, was eigentlich ein perfekter Perry-Rhodan-Roman wäre. Welche Elemente müsste ein Heft enthalten – egal ob Jubiläumsband, Zyklusfinale oder Lückenfüller –, um in diese Kategorie zu fallen? Ich würde sagen, grob gesagt sind es deren drei.

Zunächst einmal – und das ist fast zu banal, um es auszusprechen – muss es ein guter Roman sein. Interessante Charaktere müssen in einem einfallsreichen Setting mit herausfordernden Konflikten konfrontiert werden und eine spannende und überraschende Dramaturgie durchlaufen. Vor längerer Zeit hatte ich meine diesbezüglichen Kriterien in einem anderen Zusammenhang etwas genauer aufgelistet.1 Sie gelten für mich unverändert.

Als zweites sollte es auch ein guter Science-Fiction-Roman sein. Für mich heißt das, dass SF-Elemente nicht nur Teil des Settings und somit kaum mehr als schmückendes Beiwerk sein dürfen. Raumfahrt, künstliche Intelligenz, außerirdisches Leben, Zeitreise und was das Portfolio noch so hergibt, müssen ausführlich thematisiert und untrennbar mit der Handlung verwoben sein. Wenn die Geschichte, sei sie auch noch so gut, ohne große Änderungen in ein anderes Setting versetzt werden kann, ist sie streng genommen keine SF – oder zumindest keine gute. Nun will ich hier keine unerbittliche Hard-SF-Position einnehmen, aber ich persönlich habe es schon ganz gern, wenn sich die Raumfahrt auch wie Raumfahrt anfühlt und eben nicht wie Luft- oder Seefahrt. Aliens dürfen gern etwas fremdartiger daherkommen als Menschen mit spitzen Ohren und kulturellen Spleens. Und eine Zeitreise sollte schon Paradoxa thematisieren und nicht nur ein Ausflug in eine exotische Welt sein.

Und schließlich bräuchte unser hypothetisches perfektes Perry-Rhodan-Heft noch das gewisse Etwas. Naturgemäß ist dieser Punkt am schwersten in Worte zu fassen. Aber ich will mal versuchen zu beschreiben, was das für mich bedeutet.

Da wäre zum einen die Sprache. PR lebt von seinen ganz eigenen Fachbegriffen, die nie fehlen dürfen. Doch damit nicht genug. Raumschiffe heißen hier natürlich „Raumer“ und in einem echten PR-Heft werden die Dinge nicht einfach abgeschaltet, sondern desaktiviert – und auf gar keinen Fall deaktiviert.

Einen zentralen Reiz der Serie macht für mich ihre epische Breite und Tiefe aus. Die Handlung erstreckt sich mittlerweile über tausende Jahre – ihre Vorgeschichte über Jahrmillionen.2 Inzwischen hat sich dermaßen viel Lore angesammelt, dass die Seriengeschichte selbst ein Thema ist, das ein perfekter PR-Roman behandeln kann und sollte.

Und das aller letzte i-Tüpfelchen sollte sein, dass der Titelheld auch seine Titelrolle übernimmt. Wirklich perfekt kann ein Perry-Rhodan-Heft nur sein, wenn Perry Rhodan auch als Hauptfigur auftritt.

Dazu vielleicht noch zwei abschließende Anmerkungen: Zum einen will ich Heften, die die oben genannten Bedingungen nicht voll und ganz erfüllen, mich aber trotzdem begeistern, nie die ihnen zustehende Höchstwertung verwehren. Das oben behandelte Heft sei hierfür Beleg genug. Ich bin sogar sicher, dass viele meiner erklärten Lieblings-PR-Hefte nicht in dem beschriebenen Sinne perfekt sind. Zum anderen fiele mir in diesem Moment auch kein konkretes Heft spontan als Beispiel dafür ein. Womöglich kommen einige der Eschbach-Gastromane dem recht nahe.3

Aber was meint ihr? Was macht für euch den perfekten PR-Roman aus – und welche Hefte würdet ihr da einordnen?

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  1. bei Interesse in dem Artikel ein wenig runterscrollen[]
  2. wenn das mal reicht[]
  3. Sein großartiges Buch „Perry Rhodan – Das größte Abenteuer“ gildet nicht, da es kein klassisches Romanheft ist. Und ein Heft muss es schon sein.[]

Perry Rhodan Band 3369 „Der Status quo“ von Ben Calvin Hary

Nach meinem Wiedereinstieg in die -Erstauflagenlektüre mit dem Leo-Lukas-Band Zwischen fremden Sternen habe ich mir vorgenommen, eine Weile dabeizubleiben – und fleißig jedes Heft zu bebloggen. Bei letzterem hänge ich zwar etwas hinterher, aber das soll meinen Eifer nicht bremsen.

Da Chefautor Ben Calvin Hary in seinem Band 3369 die Metahandlung erwartungsgemäß voranbringt, zunächst eine

WARNUNG VOR DEM SPOILER

Zusammenfassung: NATHAN forever!

Erinnert ihr euch noch, wie ich am Anfang des PHOENIX-Zyklus darüber gemeckert habe, dass mir der Hauptrechner der Menschheit NATHAN in der Handlung zu kurz kommt? Tja. Nun isser eines der zentralen Hauptthemen.

Doch zunächst wohnen wir in diesem Roman dem tragischen Ableben von Akasha Pal bei, der aktuellen Regierungschefin des Sternenstaats der Menschheit. Gemeinsam mit Verteidigungsminister Temmister ist sie auf dem Weg zu einem Verhandlungstermin mit abtrünnigen Topsidern.1 Auf dem Weg dorthin wird ihr Kleinstraumschiff beschossen und schwer beschädigt. Bis sie geborgen werden, erliegt sie ihren Verletzungen.

In einer anderen Handlungsebene entdeckt ein Minenarbeiter in einem Asteroiden zufällig das letzte Nest der zerstörerischen Von-Neumann-Maschinen, die seit Band 3350 das Sonnensystem bedrohen. Damit entfällt die Begründung für NATHANS aktuelle wohlmeinende Absolutherrschaft. Die allgegenwärtige KI hatte quasi diktatorische Vollmachten erhalten, um des fiesen Fressmetalls ohne bürokratische Hürden und ineffiziente Koordinierungszwänge Herr zu werden.

Inzwischen hat sich aber ein nennenswerter Teil der Bevölkerung des Sonnensystems an die damit verbundene Sicherheit und Bequemlichkeit gewöhnt. Tatsächlich gibt’s eine ausgewachsene politische Bewegung, die den Erhalt der KI-Herrschaft fordert – allen voran die neue Regierungschefin.

Zu aller Überraschung ist es am Ende aber Verteidigungsminister Temmister, dessen Enthaltung bei der Abstimmung dafür sorgt, dass NATHAN bis auf weiteres am Ruder bleibt.

Fazit: Der Kanzler in der Cessna

Nein, keine Sorge, ich fange nicht schon wieder mit der Darstellung von Politik und Gesellschaft in der Perry-Rhodan-Serie an. Ich muss es mir hier nun mal so vorstellen, als würden Kanzler und Verteidigungsminister zu zweit in einer Cessna zu Verhandlungen ins umkämpfte Kiew fliegen. Das ist bei PR halt ganz normal.

Tatsächlich finde ich die Herleitung, wie der eigentlich vernünftige Politiker Temmister zu seiner Entscheidung kommt, ziemlich gelungen. In Opposition zu Rhodan zu stehen, geschieht nämlich nicht immer aus kriminellen oder pathologischen Gründen. Hier wird erfrischender Weise mit einer PR-Tradition gebrochen.

Ein bisschen schade finde ich, dass die Szenen in dem Bergbau-Asteroiden über lange Strecken so geschildert werden, als würden sie in ganz normalen Stollen untertage spielen. Da erwarte ich von einer -Geschichte anderes. An einer Stelle wird sogar betont, dass die künstliche Schwerkraft trotz schwerer Schäden noch funktioniert – als hätten wir es mit einer TV-Serie mit beschränkten FX-Budget zu tun. Die Herausforderungen der Schwerelosigkeit bei einer solchen Flucht zu schildern wären doch viel SF-iger gewesen.

Dennoch ein solider Roman, der mir drei von fünf Sternen wert sein soll. ***°°

Weiter geht’s mit Band 3370 „Eine Handvoll Tramp“ von Oliver Fröhlich.

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  1. oder mit der vertriebenen Exilregierung – durch meine Leselücke fehlt mir da etwas der Kontext[]

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