Als großer Fan der „Sterntagebücher“ von Stanisław Lem war es höchste Zeit, dass ich endlich die preisgekrönte ZDF-Verfilmung von 2007 und 2011 anschaue.
Low Budget – High Performance
Eines gleich zu Beginn: Man muss sich bei Ijon Tichy: Raumpilot auf eine Low-Budget-Verfilmung einlassen. Lowest Budget gar. Ijon Tichys Rakete ist von außen eine Bodum-artige Kaffeekanne und von innen die Berliner Wohnung des Hauptdarstellers. Diese Optik zieht sich aber ganz selbstbewusst als Stil-Aussage durch die beiden Staffeln der Serie und trägt damit nicht unwesentlich zum (selbst-) ironischen Grundton bei. Die Reminiszenz an ein gewisses Bügeleisen ist sicher auch nicht ganz unbeabsichtigt.1
Kurzweilige kosmische Komik
Lässt man sich von dieser Prämisse nicht abschrecken – was bei mir all die Jahre durchaus der Fall war –, weiß die schräge und spaßige #ScienceFiction-Satire durchaus zu gefallen. Die Kürze der Folgen und der beiden Staffeln trägt sicherlich dazu bei, dass man sich durchweg gut unterhalten fühlt. Die erste Staffel von 2007 besteht nur aus sechs Folgen mit jeweils 14 Minuten Länge, Staffel zwei von 2011 kommt auf acht Folgen, die je 23 Minuten lang sind. Aktuell findet man die komplette Serie in der ZDF-Mediathek,2 Amazon bietet sie in seinem Streaming-Dienst auch an.3 Folgender Trailer gibt einen ersten Eindruck, worauf man sich da einlässt:
Einschub 1: ZDF-Mediathek-App
An dieser Stelle ein kleines Lob der ZDF Mediathek sowie ihrer Android-App. Ich schaue dergleichen ja oft gern beim Pendeln und nutze dabei in den meisten Fällen die entsprechenden Apps der geläufigen kommerziellen Streaming-Anbieter. Inzwischen muss sich das Angebot des ZDF nicht mehr dahinter verstecken – sogar eine Downloadfunktion fürs Offline-Gucken wurde mittlerweile eingebaut.
Frei nach Stanisław Lem
Inhaltlich orientiert sich die Serie vor allem in der ersten Staffel überraschend dicht an der literarischen Vorlage. Ja, die Halluzinelle ist dazuerfunden – aber zum Beispiel hält sich die dritte Folge über große Strecken fast Wort für Wort an den Text der „Siebenten Reise“ beziehungsweise des ersten Kapitels der Sterntagebücher. Außer diesem Zeitschleifen-Abenteuer sehen wir den Helden unter anderem auf Koluppenjagd oder wie er in einem interplanetaren Gremium die Mitgliedschaft der Menschheit begründen soll. Ein Großteil der Geschichten ist jedoch selbst ausgedacht oder verfremdet die Vorlage mehr oder weniger stark. Den freien Umgang mit dem Originalwerk macht die Serie sogar selbst zum Thema, wenn Ijon Tichy in der letzten Folge der ersten Staffel einer fiktiven Autorin seiner Erlebnisse begegnet, die sich unter anderem über die Halluzinelle beschwert, die in ihren Aufzeichnungen gar nicht auftauche. Mit Selbstironie und Meta-Spaß dieser Art kriegt man mich ja immer.
Einschub 2: Das Originalwerk
Meine erste Lektüre der Sterntagebücher liegt lockere 30 Jahre zurück, wie oft ich sie in der Zwischenzeit gelesen habe, vermag ich nicht mehr zu sagen. In jedem Fall hat dieses Buch – wie auch weitere Teile des Lem’schen Werks – großen Eindruck bei mir hinterlassen. Das ging soweit, dass die Wahl meines Pseudonyms4 auf Ijon Tichy fiel. Die Mischung aus tiefgründig-philosophischer SF und teils albernem Humor hat mir außerordentlich gefallen – und gefällt mir noch heute. Nicht umsonst animiert mich der Konsum dieser TV-Serie hiermit zu einem erneuten Reread der literarischen Vorlage.
Fazit
Die Serie ist unterhaltsam. Auch wenn sie an einigen Stellen im Vergleich zur Vorlage etwas zu albern gerät und an Tiefgründigkeit vermissen lässt, macht sie dennoch Spaß. Durch die konsequente Low-Budget-Optik und die skurrilen Figuren kann sie legitim als eigenständige Variation des Quellenmaterials bestehen. Ob der pseudo-polnische Akzent wirklich not getan hat,5 will ich gar nicht beurteilen. Ernsthaft stören tut er nicht – außer dass man Gefahr läuft, nach ein paar Folgen am Stück selbst so zu quatschen. Viel länger als die insgesamt 14 Folgen hätte das ganze aber auch nicht gehen müssen. Insofern: Runde Sache. Macht Laune. Schaut’s euch an!
Dennoch: Freuen würde ich mich schon, wenn es irgendwann einmal eine aufwändigere Verfilmung eines oder mehrerer Ijon-Tichy-Abenteuer geben sollte.
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