Kategorie: Bingetagebuch

TopVier Dinge, die mir an Star Trek Discovery gefallen haben

Das war’s. Vergangene Woche habe ich die letzte Folge der letzten Staffel Discovery gesehen. Damit geht ein geradezu absurd umstrittenes Stück zu Ende.

Nicht perfekt aber auch nicht hassenswert

Ja, die Serie war nicht perfekt und nimmt in meiner ewigen Rangliste aller Star-Trek-Erzeugnisse keinen der obersten Ränge ein. Den grotesken Hass, den Disco erfahren musste – bis hin zu der schwachsinnigen Behauptung, dass dies kein „echtes Star Trek“ sei1 –, habe ich aber nie nachvollziehen können. Ich habe Discovery immer gerne geschaut und konnte mich in allen Staffeln an den vielen guten Geschichten und Einfällen erfreuen.

Die letzte Folge war in ihrer Uneinheitlichkeit durchaus symptomatisch für die ganze Serie, James Whitbrook hat das bei io9/gizmodo2 gut in Worte gefasst.

Gelungene Charaktere und Science-Fiction

Wenn ich auf alle fünf Disco-Staffeln zurückblicke, fallen mir viele Dinge ein, an die ich gern zurückdenke. Da sind einmal die vielen wunderbaren Figuren, deren Schicksal ich mit großer Anteilnahme verfolgt habe: Tilly, Stamets, Lorca, Reno, Rayner, um nur ein paar zu nennen.3 Es gab auch immer wieder schöne -Einfälle, wie zum Beispiel den „realistischen“ First Contact am Ende der vierten Staffel.

Die vier besten Disco-Dinge

Meine in Sachen Star Trek Discovery sind:

1. Saru und die Kelpianer – Der Alien-Sidekick ist oft das Highlight einer Science-Fiction-Geschichte. Im Falle des XO – und kurzzeitigen Captains – der Discovery gilt das ganz besonders. Mit den Kelpianern stellt Disco ein hochinteressantes neues Sternenvolk vor, das sich hinter Vulkaniern, Klingonen und Co. ganz und gar nicht verstecken muss. Im Gegenteil. Repräsentiert durch die großartige Figur des Saru stellt dieses Volk eine enorme Bereicherung für das gesamte Star-Trek-Universum dar.

2. Pike und Spock – Ähnlich wie TNG die Ehre gebührt, mit dem Spin-off DS9 die beste Star-Trek-Serie aller Zeiten ermöglicht zu haben, ist es Discos Verdienst, Quell der zweitbesten Star-Trek-Serie aller Zeiten zu sein: Strange New Worlds.4 Der Auftritt und der Handlungsstrang von Pike und Spock und einer erneuten Inkarnation der Original-Enterprise in der zweiten Disco-Staffel zählt zu den Highlights aller Trek-Epochen überhaupt. Einen besseren Pike hat es nie gegeben. Ist fast die nullte SNW-Staffel, wenn man so will.

3. Neues aus dem Spiegeluniversum – Sagt, was ihr wollt, ich mag das Spiegeluniversum. Natürlich ergibt es überhaupt keinen Sinn, dass in einer Parallelwelt, die sich quasi in der Antike vom Prime-Universum abgezweigt hat, exakt dieselben Leute rumlaufen und nahezu exakt dieselben Positionen einnehmen. Trotzdem sind mir die Mirror-Episoden aus allen Star-Trek-Serien mit die liebsten – so auch bei Discovery. Endlich haben wir die Spitze des Terranischen Imperiums kennengelernt.5 Und wie großartig ist bitte das Flaggschiff der Imperatorin? Für mich definitiv einer der Höhepunkte der Show und ein Glanzlicht für das Trek-Universum.

4. Die Wiederbelebung von Star Trek – Auch hier drängt sich der Vergleich mit TNG6 auf: Disco hat Star Trek zurück auf den heimischen Bildschirm gebracht – wo es ursprünglich hingehört. Als der Pilot 2017 Premiere hatte, war es zwölf Jahre her, dass mit dem unsäglichen ENT-Finale7 zuletzt Trek über die Mattscheibe geflimmert ist.8 Ohne Disco also kein SNW, kein Lower Decks, kein Prodigy und auch kein Picard. Jene, die einen solchen ersten Schritt wagen, müssen stets besonderen Mut aufbringen. Und Mut hat Disco definitiv bewiesen, es wurden Dinge gewagt und ausprobiert, um das Universum wiederzubeleben und voranzubringen. Genau das macht Star Trek aus: To boldly go!

––––––––––––
  1. was immer das heißen mag[]
  2. oder wie das jetzt bei denen heißt[]
  3. die wichtigsten kommen gleich im Ranking[]
  4. Oder der drittbesten? Lower Decks ist auch ein heißer Kandidat für Rang zwo. Egal.[]
  5. BTW: War die Imperatorin jetzt eigentlich die unmittelbare Vorgängerin von Spock? Nee, da müsste mindestens noch eine Person zwischen gewesen sein, oder?[]
  6. ob ihr wollt oder nicht[]
  7. Das ist nie passiert und war nur Rikers Fanfiction![]
  8. Wenn man TAS mitrechnet, waren es bei TNG 13 Jahre[]

Star Trek: Discovery S05E01

Sieh an! Es sind schon drei Folgen der fünften und finalen -DISCO-Staffel veröffentlicht. Wieso sagt mir das denn keiner? Egal! Nun weiß ich’s ja.

Heute habe ich mir gleich die erste Folge reingedreht und bin erneut sehr angetan. Wurde angenehm daran erinnert, wie gern ich die Crew der Discovery mag. Sollen die Hater alle mal haten, ich fand die Serie von Anfang an klasse. Fred und der wunderbare Cliffhanger – ich will nicht spoilern – sind im übrigen die exakt richtige Dosis Nostalgie für eine aktuelle Trek-Serie. So mag ich das!

Eine Frage hätte ich aber noch zu Fred, beziehungsweise zu einer Anmerkung von Culber und Stamets. Und zwar sprachen sie über die Jahrhunderte alte Bauweise des Androiden im Vergleich zu … und dann haben sie einen Namen genannt, den ich nicht verstanden habe – und ich war zu faul zurückzuspulen. Ich kann mich an gar keine künstliche Lebensform in der After-Burn-Gegenwart erinnern. Wen meinten die?

Zum Abschluss zur allgemeinen Erbauung der Staffel-Fünf-Trailer:

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube (öffnet in neuem Tab).

3 Body Problem

Heute habe ich endlich die erste und bislang einzige Staffel der neuen Science-Fiction-Serie 3 Body Problem fertiggeguckt. Als großer Freund der Buchvorlage Die drei Sonnen von Liu Cixin war ich – wie in solchen Fällen üblich – zuvor gespannt und skeptisch gleichermaßen. Die Skepsis war allerdings unbegründet.

Gute und nicht so gute Änderungen

Ja, die Gegenwartshandlung wird unnötigerweise nach London versetzt und auch darüber hinaus werden sich einige Freiheiten bei der Adaption erlaubt. Von der – vorsichtig formuliert – Europäisierung abgesehen, waren die meisten Änderungen aber nicht zum Schaden. Der Fairness halber muss man bei ersterem zudem zugestehen, dass die Vorgeschichte während der chinesischen Kulturrevolution komplett erhalten bleibt und der Cast recht divers mit leichtem Schwerpunkt auf asiatischen Darsteller:innen ist.

Die aus meiner Sicht positiven Änderungen betreffen vor allem die Charaktere und ihre Interaktionen, die mir im Buch manchmal etwas zu eindimensional geraten waren. Etwas schwächer auf der Brust ist die Netflix-Version, wenn es um wissenschaftliche Akkuratesse geht. Da bleibt einiges zu oberflächlich auf der Strecke, was ich aber dem Erzählformat zugestehen will.

Schlüsselszenen und Cliffhanger

Für mich ist bei einer Buchverfilmung stets die angemessene Umsetzung der Schlüsselszenen entscheidend und das gelingt der Serie hervorragend. Um nur einige zu nennen: der Armee-Computer, die Passage durch den Panamakanal und die Auffaltung der Sophonen – alles ganz wunderbar dargestellt.

Die erste Staffel ragt ein wenig in das zweite Buch Der dunkle Wald hinein und lässt uns mit fiesen Cliffhangern zurück. Ich hoffe inständig, dass wir den Rest der Trisolaris-Trilogie bald zu sehen bekommen.

Noch ne Serie

Just heute habe ich erfahren – danke, Kaisu! – dass es seit 2023 zudem eine chinesische Serienverfilmung gibt, die den Kommentaren zufolge extrem werkgetreu sein soll. Die 30 Folgen kann man sich drüben bei viki.com reindrehen.

Die fünf besten Serien und Filme 2023

Alljährlich ruft Volker aka für seine erste Podcast-Aufnahme des Jahres als Selbstgesprächler im Zwiegespräch dazu auf, ihm die Top-Fünf Filme und Serien zu nennen. Dem komme ich auch in diesem Jahr ohne große Vorrede nach. Biddeschön:

Meine fünf liebsten und besten Serien 2023

Unter der immer größer werdenden Zahl immer besser werdender Serien eines Jahres nur fünf auszuwählen, ist nicht leicht – zumal diese Kunstform aktuell den größten Anteil unseres Medienkonsums ausmacht. Will sagen: Wir haben letztes Jahr ganz schön was weggeguckt. Die Top 5:

1. The Last of Us: Bereits Anfang 2023 konnte man die erste Staffel dieser Videospielverfilmung streamen. Und schon da wusste ich: egal, was noch kommt – das wird mit Abstand die beste Serie des Jahres sein. Und das, obwohl ich mit Zombiegeschichten gar nicht so viel anfangen kann. Das – durchaus gut durchdachte – Setting ist hier aber fast eine Nebensache. Der Fokus liegt auf den Charakteren und der großartigen Geschichte. Pedro Pascal brilliert erneut als wunderbarer TV-Dad – und wie unfassbar großartig sind bitte Bill und Frank! Allein diese Folge hebt die gesamte Serie auf ewig in den TV-Olymp.

2. Succession: Die drei ersten Staffeln dieses Milliardärsdramas sind zwar schon etwas älter,1 die abschließende vierte Staffel erschien jedoch 2023. Daher darf ich dieses Serienkleinod, das wir in seiner Gänze erst im vergangenen Jahr entdeckt hatten, hier aufführen. Ich schätze ja sehr, wenn es einer Serie gelingt, im tiefsten Kern unsympathische Figuren so darzustellen, dass man mit ihnen mitfiebert und sie ins Herz schließen kann. Nennen wir es das Sopranos-Syndrom. Oder so. Dieses lose auf Rupert Murdock und seinem Medienimperium – und ein bisschen auch auf Scrooge McDuck,2 wie ich finde – basierende epische amerikanische Familiengeschichte ist jedenfalls der Knaller.

3. One Piece: Wie es der Zufall will habe ich Anfang 2023 damit begonnen, erstmals den Manga-Klassiker zu lesen. Somit war ich ziemlich genau auf Stand, als die großartige Realverfilmung dieses Fantasy-Piratenabenteuers erschien. Ich teile die einhellige Meinung, dass die Adaption hervorragend gelungen ist. Auch hier macht sich Ruffy/Luffy3 herrlich unbekümmert auf den Weg, der Piratenkönig seiner ozeanbedeckten Welt zu werden, sammelt dabei seine Crew aus spannenden Einzelgängern zusammen, ergattert mit der Flying Lamb das coolste Piratenschiff seit der Black Pearl4 und steuert schließlich die Grandline an, jenen Meeresbereich, in dem der titelgebende Piratenschatz zu finden sein soll.

4. Ted Lasso: Auch diesen Serienklassiker haben wir ein paar Jahre liegenlassen, um ihn erst 2023 zu schauen. Da in jenem Jahr die abschließende dritte Staffel erschien, darf auch sie in dieser Liste auftauchen. Unser Zögern hatte damit zu tun, dass wir mit Fußball so gut wie gar nichts am Hut haben. Es stellte sich zu unserer großen Freude heraus, dass es – wie es sich für eine gute Serie gehört – primär um hochinteressante Figuren und ihr Beziehungsgeflecht geht – und nur am Rande um den allseits beliebten Rasensport. Und das auf eine einmalig gute Art und Weise. Besonders gefallen hat mir, dass Ted Lasso in dieser Ära des Meckerns, Schlechtredens und Alles-Scheiße-Findens ganz bewusst Zuversicht und Begeisterung vermittelt. Auch das kann die Aufgabe von Popkultur sein, wenigstens den Versuch zu unternehmen, sich gegen die vorherrschende  zerstörerische Miesepeterstimmung zu stemmen und eine positive Perspektive darzustellen.

5. Rick & Morty: Soso, und hinterher dann gleich diesen Ausbund an Zynismus und Amoral? Wie soll das denn zusammenpassen? Ja, ihr habt da einen Punkt. Aber einerseits schätze ich an Rick & Morty halt andere Dinge – vor allem die konsequente und gut durchdachte Umsetzung von Science-Fiction-Ideen. Und zum anderen finde ich den Zynismusvorwurf auch nur bedingt gerechtfertigt. Die Serie stellt das Universum aus einer streng rationalistischen Sichtweise in all seiner Komplexität und Indifferenz dar – und dennoch spielen moralische Fragen immer eine große Rolle. Nur eben nie mit „einfacher“ Antwort. Für die aktuelle siebte Staffel gilt dies besonders. Aber ich gebe es zu: Vor allem hat mich begeistert, dass endlich Evil Morty und Rick Prime aufeinandergetroffen sind. Was für ein Showdown!

Meine fünf liebsten und besten Filme 2023

In dieser Kategorie ist hingegen mein Problem, dass ich leider längst nicht alle Filme des Beobachtungszeitraums schon gesehen habe. Viele Streifen5 des Jahres 2023, die ich erst in den kommenden Monaten nachholen werde, würden vermutlich in dieser Liste auftauchen – aber was will man machen. Aus dem, was ich bereits gesehen habe, hat sich diese Rangfolge ergeben:

1. Oppenheimer: Beeindruckender Historienfilm, der dem komplexen Thema – wie ich finde – sehr gerecht wird. Allein die Idee, die Überlegungen der Hauptfigur zu Elementarteilchen und ihren Bahnen optisch darzustellen, fand ich sehr gelungen. Viel mehr kann ich gar nicht sagen, ohne einen längeren Essay über meine Einschätzung der Atomwaffen-Debatte der letzten Jahrzehnte loszutreten. Mir hat der Film jedenfalls sehr gefallen.

2. Guardians of the Galaxy Vol. 3: Die Weltraumabteilung des Marvel-Universums zählt erwartungsgemäß zu meinen Lieblingsreihen, auch und vor allem in ihrer filmischen Umsetzung im Rahmen des MCU. Die Guardians-Filme zählen zu den absoluten Höhepunkten des Superheldenfilmkosmos und finden mit diesem dritten und letzten Teil ihren würdigen vorläufigen Abschluss. Mich freut vor allem, dass  dies Rocket Raccoons Film und seine Geschichte ist. – Moment. Ich hab da was im Auge. So, geht wieder. – Auch wenn es im Abspann nur heißt, dass Star Lord irgendwann einmal zurückkehren werde, hoffe ich doch stark, dass dies auch auf die restlichen Guardians zutrifft – oder wenigstens die meisten von ihnen.

3. The Super Mario Bros. Movie: Das klassische Jump-and-run-Videospieluniversum hätte man kaum besser auf die Leinwand heben können. Und dann noch der Knaller-Song von Bowser. Was will man mehr?

4. Shazam! Fury of the Gods: Ich glaube, wir haben jetzt genug am DCEU rumgemeckert. Nach dem zweiten Aquaman-Film – den ich noch nicht gesehen habe – ist es nun auch endgültig Geschichte. In dieser Inkarnation der DC-Superhelden um Superman, Batman und Wonder Woman wurden uns etliche sehr gelungene Filme präsentiert. Tatsächlich muss ich gestehen, dass mir bis auf zwei, drei Ausnahmen sogar jeder wenigstens ein bisschen gefallen hat. Ganz weit vorn waren auf jeden Fall die Filme um Shazam,6 denen stets ein guter Mix aus Humor und Spannung gelungen ist. Der zweite und letzte Teil soll daher seinen würdigen Platz unter den besten Filmen des Jahres haben.

5. Barbie: Von diesem Film hatte ich mir eine ganze Menge erwartet – ganz unabhängig vom Hype und den Vorschusslorbeeren, die er erfahren hatte. Schon vor Jahren habe ich mit großer Begeisterung die Barbie-Dreamhouse-Serie verfolgt und mir im Film einen ähnlichen selbstironischen Ansatz erhofft. Den bietet der Film natürlich auch, ergänzt durch eine notwendige Prise Feminismus und etliche gute Gags. Ich fand es im Ganzen aber nicht sonderlich rund. Die Darstellung der Barbie-Welt hätte ich mir etwas aufwändiger gewünscht. Die Verknüpfung der Spielwelt mit der realen Welt ist dem Lego-Film irgendwie besser gelungen. All dies ist aber Jammern auf hohem Niveau. Auch wenn er meine Erwartungen nicht ganz erfüllt hat, war der Film klasse und zählt zurecht zu den besten des Jahres 2023.

––––––––––––
  1. 2018 ging es wohl los[]
  2. Weil der Patriarch auch aus Schottland stammt. Mir zumindest kam der Gedanke, aus den Entengeschichten von Barks und Rosa eine ernste Version mit Menschen zu machen. Aber ich schweife ab.[]
  3. je nach Transkribierung[]
  4. Beziehungsweise andersrum, die Flying Lamb gibt’s glaube ich schon länger, oder?[]
  5. Sagt man das überhaupt noch?[]
  6. Eigentlich ja Captain Marvel, aber den Hintergrund dieser Namensverwirrung googelt ihr euch diesmal selber, nä?[]

Die zehn besten Serien der 90er Jahre

In steter Regelmäßigkeit sammelt der gute Volker Daten für seinen wunderbaren Podcast, um dann als Selbstgesprächler im Zwiegespräch auf verlässlicher Grundlage die besten popkulturellen Erzeugnisse einer bestimmten Kategorie zu erörtern. Zuletzt rief er im November dazu auf, ihm die zehn besten und/oder liebsten TV-Serien der 90er Jahre zu nennen. Wie es die Tradition will, erfolgt meine Antwort in Form eines ausführlichen Listicles.

Ein halbes TV-Jahrzehnt

Mitte der 70er geboren, erstreckt sich meine TV-Kindheit und -Jugend über die beiden Folgejahrzehnte, somit liege ich in exakt der richtigen Zielgruppe für Volkers Umfrage. Will man meinen.

Tatsächlich habe ich in der zweiten Hälfte der 90er Jahre einige Lücken aufzuweisen, was schlicht mit dem Ende der Schulzeit zu tun hatte, als ich auf einmal keine festen nachmittäglichen Fernsehzeitfenster mehr erübrigen konnte.1 Viele Serien aus dieser Zeit habe ich daher erst Jahre später schauen können – etliche Klassiker kenne ich sogar gar nicht.2 Da ich Volkers Frage so auslege, dass nur die Serien in die Wertung kommen, die ich auch in den 90ern gesehen habe, tauchen einige meiner Lieblingsshows aus jener Zeit in meiner Liste nicht auf.

Nostalgie-Disclaimer

Ein paar Sätze möchte ich zuvor noch zum Thema Nostalgie loswerden. Ja, auch ich habe eine Retro-Ader und blicke ab und an wohlig und verklärend in meine Kindheit und Jugend zurück. Ich finde es allerdings sehr traurig, dass diese wohlige Retro-Nostalgie bei vielen oft schnell in eine toxische Früher-war-alles-besser-Nostalgie umschlägt. Gegen letztere möchte ich mich hiermit ausdrücklich verwahren und sie von mir weisen. Nichts war früher besser, außer, dass man selbst jünger war. Somit sind die Serien meiner Jugend um keinen Deut besser, als jene, die heute produziert und ausgestrahlt werden. Meist ist das Gegenteil der Fall. Einige davon sind zeitlos gut und funktionieren auch heute noch – andere aber sind sehr ihrer Zeit verhaftet und werden zu Recht heute so nicht mehr gemacht. Dies eingedenk kommen wir nun endlich zu meinen zehn liebsten und besten TV-Serien der 90er Jahre.

1. The Simpsons

Die gelbe Cartoon-Familie von Matt Groening ist für mich mit Abstand die bedeutendste und prägendste Serie dieses Jahrzehnts – womit ich in meiner Generation sicher nicht allein stehe. Während der Oberstufe konnten wir buchstäblich ganze Unterhaltungen ausschließlich in Simpsons-Zitaten führen.

Auch wenn die Serie seit 19893 unverdrossen läuft, hat ihre Bedeutung für mich nach und nach abgenommen, inzwischen gibt es deutlich mehr Folgen und Staffeln, die ich nie gesehen habe. Ich denke mal, ich habe ungefähr die ersten zwölf/dreizehn Staffeln verfolgt. Den Kinofilm fand ich noch sehr gelungen – aber der markiert so ungefähr den Endpunkt meiner persönlichen Simpsons-Ära.

Die Serie hat das ganze Themenspektrum vom Alltag über Popkultur bis hin zur Weltpolitik in unvergleichlicher Art und Weise behandelt: humorvoll, anarchisch, fortschrittlich, aber auch immer moralisch und oft sehr emotional. Prägender und relevanter ist das in den 90er Jahren keiner anderen gelungen.

So wenig, wie ich das Bedürfnis empfinde, die aktuellen Folgen zu schauen, drängt es mich, nochmals in die alten reinzugucken. Auch wenn viele Geschichten zeitlos sein mögen, dürfte das meiste sehr seiner Ära verhaftet sein.

2. Star Trek: The Next Generation

Das Jahr 1987 war für eingeschworene Raumschiff Enterprise „Altfans“ eine mittelschwere Katastrophe – für einen fantastikbegeisterten Schuljungen wie mich hingegen eine Offenbarung. Gut, strenggenommen war es das Jahr 1990, denn erst dann erschien Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert erstmals hierzulande im ZDF. Und während die alten Zöppe weiter jammerten, dass Kirk ja viel besser als Picard und überhaupt früher alles besser gewesen sei, hat unsereins allwöchentlich begeistert die Abenteuer des neuen Raumschiffs Enterprise verfolgt. Kommt einem irgendwie bekannt vor, oder?

Nun ja, für meine Generation war jedenfalls die D die Enterprise und Picard der Captain. Die Teppichboden-Brücke war unser Weltraumwohnzimmer, in dem wir bis 1994 Woche für Woche das All bereisen konnten. Viel mehr noch als bei TOS kann man den gesellschaftlichen Einfluss dieser Serie wohl kaum überschätzen. Tablets, Computersprachsteuerung, jederzeit verfügbare Mediendatenbanken – all dies hat TNG vorweggenommen oder sogar inspiriert. Und auch wenn es die alten Zöppe von heute nicht wahrhaben wollen – auch gesellschaftspolitische Visionen wurden behandelt: Vegetarismus, Genderfragen, Aufnahme von Flüchtlingen. Kam alles drin vor.

Rückblickend muss auch ich gestehen, dass bei TNG nicht alles perfekt war. Die Serie musste sich über ihre sieben Staffeln erst finden und entwickeln. Vieles wird man sich heute nicht mehr anschauen können – etliche Folgen sind und bleiben jedoch zeitlose Klassiker. Zudem gebührt TNG die Ehre, das Star-Trek-Universum belebt und weiterentwickelt zu haben. Und es wurde der Weg für die beste Trek-Serie aller Zeiten bereitet: Deep Space Nine.

Aber auch diese Epoche ist vorüber. Die Trek-Raumschiffe der fantastikbegeisterten Schulkinder heißen heute Discovery, Cerritos und Protostar – und das ist auch gut so.

3. Seinfeld

Dafür, dass ich die Show about nothing nie komplett gesehen habe, taucht sie recht hoch in meinem Ranking auf. Ich stehe allerdings dazu, da sie in der zweiten Hälfte der 90er ziemlich prägend für mich war. Unter Freunden und in der Familie waren Jerry, Elaine, George, Kramer, Newman & Co. regelmäßig Thema. Im Übrigen fand ich Jerry Stiller in der Rolle des Vaters von George Costanza immer besser, als in jener des Stiefvaters von Douglas Hefferman.4

Ob sich da mal ein kompletter Rewatch lohnen würde? Vermutlich eher nicht, da es doch eine recht klassische Sitcom war. Oder?

4. Animaniacs

Die Warnerbrothers und die Warnerschwester Dot haben recht erfolgreich den Looney-Tunes-Wahnsinn in die damals aktuelle Neuzeit geholt. Und in dieser Serie haben Pinky und Brain das Licht der Welt erblickt. Viel mehr ist eigentlich nicht zu sagen. Müsste heute auch noch ganz gut funktionieren.

5. Batman the Animated Series

Meinen Anmerkungen zu dieser Serie in der – ebenfalls von Volker initiierten – Auflistung der besten DC-Serien kann ich kaum etwas hinzufügen. Also zitiere ich mich einfach mal selbst:

„Diese Serie […] kann man gar nicht hoch genug einschätzen, hat sie doch der Legende des Dunklen Ritters etliche Figuren und Handlungselemente hinzugefügt. Mir hat sie damals vom Stil und von den Geschichten her sehr gut gefallen – und ich glaube, das meiste davon würde auch heute noch gut funktionieren.“

6. Liebling Kreuzberg

Unterschlagen wir mal nicht, dass wir in den 90ern auch einige deutsche Serien geguckt haben. Einige davon waren sogar richtig gut. Diese in Berlin angesiedelte Anwaltsserie mit Manfred Krug in der Titelrolle ist zu einem wesentlichen Teil ein Produkt der 80er Jahre – 1986 gestartet. Die letzten drei der insgesamt fünf Staffeln stammen allerdings aus den 90ern und thematisieren nebenbei sehr gekonnt Berlins Sonderrolle vor, in und nach der Wendezeit.

Allein als Zeitdokument und um den guten alten Manne Krug und sein Spiel zu erleben, kann man da sicher auch heute noch gut reingucken.

7. Babylon 5

Auch zu diesem Science-Fiction-Klassiker der 90er Jahre hatte ich mich bereits an anderer Stelle geäußert. Nämlich bei den zehn besten SF-Serien, die Volker letztes Jahr abgefragt hatte. Erneut zitiere ich mich selbst:

„Das Setting dieser Serie gefällt mir außerordentlich – vor allem die Darstellung der Raumfahrttechnologie der Menschen. Die Starfurys zählen bis heute zu meinen absoluten Lieblingsraumschiffen. Das Thema künstliche Gravitation durch Rotation wird oft und gern in Szene gesetzt. Ich mag das.

Dass auch hier die Aliens im Grunde allesamt Menschen mit leichten gesellschaftlichen Spleens sind, ist geschenkt. Auch der starke esoterische Anteil mit Psikräften etc. hat mich nie ernsthaft gestört. Dafür sind das Psi-Corps und die epische Gut-gegen-Böse-Metahandlung mit den Schatten und den Vorlonen einfach zu cool.“

Meinen immer wieder angekündigten Rewatch habe ich noch immer nicht in Angriff genommen. Aber irgendwann wird er kommen.

8. Adelheid und ihre Mörder

Auch diese – diesmal in Hamburg angesiedelte – komödiantische Krimiserie aus deutschen Landen habe ich immer gern geschaut. Die großartige Evelin Hamann löste als Sekretärin der „Mord Zwo“ über 60 Folgen lang die Fälle ihres etwas schusseligen Chefs. Das Schema der Handlung mochte sich oft wiederholen, die Figuren waren jedoch alle witzig und gelungen – und mein Hamburg wurde immer schön in Szene gesetzt.

9. Parker Lewis

Jetzt wird es womöglich etwas abseitiger. Der „Coole von der Schule“, wie er im deutschen Untertitel hieß, hat in seinen beiden ersten Staffeln herrlich albern und selbstironisch das Thema Highschool-Komödie neu interpretiert. In der letzten Staffel drei verkommt die Serie jedoch zu einem Abklatsch dessen, was man selbst zuvor persifliert hatte.

Auf unserem Schulhof war Parker Lewis ein, zwei Jahre lang intensives Thema, viele Sprüche sind in unseren Sprachgebrauch übergegangen. Nach der schwachen dritten Staffel war der Hype aber auch schnell wieder vorbei.

Uhrenvergleich!

10. Beavis & Butthead

Kaum etwas repräsentiert die 90er Jahre wohl besser, als diese beiden Knalltüten. Als Pausenclowns von MTV sind sie der Inbegriff dieses Fernsehjahrzehnts. Die dämliche Lache und die bescheuerten Sprüche der beiden nachzumachen durfte auf dem Schulhof bei keiner Unterhaltung fehlen.

„I am the Great Cornholio! I need TP for my bunghole!“

Nee, das geht heute nicht mehr. Aber damals fanden wir’s großartig.

Honorable Mention

Wie gesagt: einige der besten Serien aus jenem Jahrzehnt habe ich erst viel später geguckt, völlig unerwähnt lassen möchte ich sie dennoch nicht. In willkürlicher Reihenfolge sei also zudem erinnert an: Star Trek: Deep Space Nine (1993 bis 1999) | The Sopranos (1999 bis 2007) | Twin Peaks (1990 bis 1991 und 2017) | Futurama (seit 1999) | Cowboy Bebop (1998 bis 2000) | South Park (seit 1997)

––––––––––––
  1. Ja, natürlich hatte ich einen Videorecorder – und ich war auch recht versiert darin, ihn mittels ShowView zu programmieren. Trotzdem war schlicht nicht mehr soviel Zeit zum Glotzen.[]
  2. Friends zum Beispiel[]
  3. ja, davor gab es 1987 die die Tracey-Ullman-Clips und hierzulande ging es erst 1991 los[]
  4. Ja, da isser auch gut, ich geb’s ja zu.[]

< | UberBlogr Webring | >

© 2007-2026 by nerdlicht.net | Kontakt | Impressum | Datenschutz | Ich woanders: Eskapedia; World of Cosmos; Zusammengebaut; Instagram; Mastodon; Bluesky; Schreibmonat; Goodreads | Jetzt bestellen: "Mette vom Mond" von Finn Mühlenkamp | Theme von Anders Norén