Schlagwort: ScienceFiction

„The Bicentennial Man“ von Isaac Asimov

Langsam komme ich dahinter, warum Isaac Asimov als Großmeister der gilt.1 Nach Geliebter Roboter ist der dritte Band seiner Roboter- und Foundation-Reihe2 erneut eine Sammlung kurzer bis längerer Erzählungen mit dem titelgebenden Bicentennial Man3 als Kernstück.

Dieser Band hat mich mehr noch als die beiden Vorgänger begeistert – auch weil er an vielen Stellen die Weiterentwicklung Asimovs und seines Schaffens aufzeigt. Wieder drehen sich die meisten – jedoch nicht alle – Geschichten um Roboter, künstliche Intelligenz und die Auslotung ihrer Grenzen und Möglichkeiten.

Mehr Frauen

An den beiden vorangegangenen Büchern musste ich das allzu zeitgemäße Frauenbild kritisieren, das Asimov in einigen seiner Geschichten transportiert. Hier zeigt sich nun, dass der Knabe offenbar lernfähig war. Im Vorwort schreibt er sogar selbst, dass er durch Gespräche mit einer Bekannten auf die Idee kam, in einer Geschichte einen dezidiert weiblichen Roboter auftreten zu lassen. Doch auch in den anderen Erzählungen tauchen mit einem Mal deutlich mehr weibliche Protagonistinnen mit wesentlich dominanteren Rollen auf. Gefällt mir sehr gut.

Mehr Spannung und mehr Menschlichkeit

Ganz allgemein hatte ich den Eindruck, dass die Geschichten noch mal einen ganzen Zacken spannender und einfallsreicher geworden sind. Noch viel mehr als in den vorangegangenen Bänden bricht Asimov mit den Regeln seiner Welt und überrascht den Lesenden mit radikalen Wendungen und kolossalem Scheitern. So lässt er den wohlmeinend diktatorischen Großrechner Multivac sterben und verwischt mit der titelgebenden Geschichte endgültig die Grenze zwischen Mensch und Maschine.

Woran Data Jahrzehnte später letztendlich gescheitert ist, gelingt Andrew Martin in dieser genreprägenden Geschichte: als Roboter gebaut und in die Welt gesetzt darf er 200 Jahre später als von der Gesellschaft voll anerkannter Mensch in Frieden sterben.4

Mäßige Verfilmung

Wie es der Zufall so will, ist vor einigen Wochen die olle Verfilmung des 200-Jahre-Manns von 1999 bei Netflix aufgetaucht. Die Gelegenheit habe ich genutzt und mir das gute Stück noch einmal reingedreht. Naja.

Ein paar Szenen aus der Vorlage gibt der Film durchaus gut wieder – aber dass Andrews Wunsch ein Mensch zu sein darauf reduziert wird, dass er legal heiraten möchte, finde ich arg dämlich. Zumal es ganz schön creepy ist, dass der zu dem Zeitpunkt schon über 60-jährige Roboter-Mensch mit der nicht einmal halb so alten Enkelin von Little Miss5 anbandelt.

Meine Empfehlung daher: Lest unbedingt die Original-Story – aber den Film könnt ihr auslassen.

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  1. Ja, das wusste ich natürlich auch vorher schon. Aber es jetzt noch mal richtig bei der Originallektüre zu erleben, ist schon was anderes.[]
  2. die erst nachträglich so zusammengestellt wurde – ursprünglich sind das meiste nur lose zusammenhängende Einzelgeschichten[]
  3. In meiner Version wird der Titel mit „Der Zweihundertjährige“ übersetzt – manchmal steht aber auch „Der Zweihundert-Jahre-Mann“ auf dem Cover. Ich hätte ja die Formulierung „Der Zweihundert-Jahre-Mensch“ am besten gefunden, da es ja – ACHTUNG SPOILER – darum geht, dass der Roboter am Schluss als Mensch stirbt.[]
  4. Habe ich auch jetzt erst richtig erkannt, dass die unsägliche Sterbeszene von Data in der ersten Picard-Staffel ihr Vorbild bei Asimov hat. Leider nur sehr mäßig kopiert.[]
  5. Die für Andrew im Film selbst schon als Love-Interest dargestellt wird, was noch creepier ist, da er sie als kleines Kind kennengelernt hat. Im Buch hat er auch eine enge Bindung zu ihr – aber nicht so.[]

Leseprobe: Ein gelungener Abend

Seid gnädig mit mir. Ich habe diese Per-Anhalter-durch-die-Galaxis-Perry-Rhodan-Space-Odyssey-Dune-Star-Trek-Sterntagebücher-Star-Wars-Story vor 25 Jahren anlässlich des viel zu frühen Ablebens des wunderbaren Douglas Adams in die Tasten gekloppt.

Heute zum 25. Handtuchtag hole ich mein -Frühwerk aus dem Jahr 2001 zu eurer Erbauung wieder hervor.

Aber lest selbst!

Tisch 1961

Der junge Mann erschien von einem Moment auf den anderen an dem runden Tisch, der sich malerisch in eine kleine exotisch bepflanzte Nische schmiegte. Dadurch war der Platz ausreichend gegen den Lärm und die Weite des gewaltigen Kuppelsaals abgeschirmt.

Der Mann warf einen kurzen Rundblick in die riesige Halle. Trotz ihrer unglaublichen Weite barst sie geradezu vor Leben. Überall standen Tische wie dieser, meist größer als der, an dem er saß. An jedem hockten, standen oder lagen die unterschiedlichsten Lebewesen, teils so fremdartig und bizarr, dass selbst er ein wenig erstaunt war. Dazwischen waren Pflanzen, Statuetten und Skulpturen platziert, wobei es nicht immer leicht war, Lebewesen und Einrichtungsgegenstände auseinanderzuhalten. All das gruppierte sich um eine große Bühne im Zentrum, direkt unter der gewaltigen, goldschimmernden Kuppel, die alles überwölbte.

Der Mann lächelte zufrieden und lehnte sich in seinen Sitz zurück. Nur kurz blickte er auf, als ein merkwürdiges Wesen an den Tisch trat, zwei Gläser mit einer grünen Flüssigkeit abstellte und schweigend wieder verschwand.

Der Blick des Mannes richtete sich nun auf den zweiten Sitz an dem Tisch, der leer war. Geduldig saß er einfach nur da und lauschte mit halbem Ohr der leichten Musik, die von der Bühne kam. Es gelang ihr nur mit Mühe, das allumfassende Gemurmel, Gedröhne, Gezirpe und Geschmatze der zahllosen teils lautstarken Unterhaltungen zu übertönen.

Der Mann wartete.

Er erschrak nicht im Mindesten, als mit einem mal ein weiterer Mann auf dem zweiten Platz erschien. Er schob dem blaugekleideten Neuankömmling einfach eines der Gläser zu.

Der andere fasste sich instinktiv in den Nacken und verzog kurz das Gesicht, als durchfahre ihn ein stechender Schmerz. Doch dieser Eindruck der Hilflosigkeit verflog sofort wieder.

Mit stahlgrauen Augen sah er sich um und nahm die Umgebung in sich auf. Allein seine Haltung drückte Selbstbewusstsein und Souveränität aus. Dieser Mann schien die Lage voll im Griff zu haben. Zumindest hatte er den unbedingten Willen, die Lage so bald als möglich in den Griff zu bekommen.

Fest sah er seinem Gegenüber in die Augen.

„Hallo Ernst“, sagte er mit einer Stimme, die sowohl freundlich als auch bestimmt klang. „Es ist schön, dich zu sehen.“

Nach nur kurzer Pause fügte er hinzu: „Was will ES von mir an diesem Ort?“

Der andere ergriff lächelnd sein Glas. Sofortumschalter, schoss es ihm durch den Kopf. Er trägt diesen Namen nicht umsonst.

„Ich freue mich auch, dich zu sehen, Perry. Nimm erst mal einen Schluck. Sie servieren hier einen hervorragenden Vurguzz. Ich werde dir alles erklären.“

Während die beiden Männer sich zuprosteten und tranken, wurden die Lichter im ganzen Saal langsam dunkler, und die Band auf der Mittelbühne schlug ein flotteres Tempo an.

Tisch 1964

Die Unterhaltungen in der riesigen Halle erstarben langsam. Als auch das letzte Gemurmel verstummt war, setzte die Musik mit einem kleinen Tusch aus.

Für einen winzigen Moment, den Bruchteil einer Sekunde herrschte absolute Stille und Dunkelheit unter der gewaltigen Kuppel. Fast so, als halte das ganze Universum noch einmal den Atem an.

In eben diesem Moment erschien über einem anderen bis dahin unbesetzten Tisch ohne jede Begleiterscheinung ein eiförmiges Gebilde. Seine Hülle war durchscheinend und schimmerte leicht. Darin schwebte der Fötus eines Menschen, der sich neugierig mit wachen Augen umsah.

Als einen Lidschlag später ein kräftiger Lichtstrahl die Mittelbühne erfasste, war das Ei verschwunden. Stattdessen saß an dem Tisch nun ein Mann in einem roten Raumanzug ohne Helm. Auch er sah sich neugierig um und blickte schließlich gespannt auf die Bühne.

Tisch 1965

Er ließ den Schmerz hinter sich und sah vor sich das Licht. Das Licht, das nur er durchschreiten konnte. Für jeden, der es bisher versucht hatte, bedeutete es den Tod.

Er ging ohne zu zögern hindurch … und trat an einen kleinen runden Tisch, an dem sich nur ein leerer Sitzplatz befand. Er blickte sich kurz in der im Halbdunkel liegenden Halle um und setzte sich kurzerhand.

Vor ihm auf dem Tisch stand ein schlichtes Glas mit gelblich schimmernder Flüssigkeit, die einen intensiven Spicegeruch verströmte. Er trank und nahm nur am Rande wahr, wie ein ellenlanges spindeldürres Wesen über die Bühne hüpfte, sich der Menge im Saal vorstellte und den langanhaltenden Applaus genoss.

Auch der Leuchterscheinung am Nachbartisch schenkte er kaum Beachtung.

Tisch 1966

In einem kurzen Blitz erschienen zwei Männer an dem eben noch leeren Tisch. Ihr Hauptunterscheidungsmerkmal war, dass einer von ihnen volles Haar hatte und der andere einen kahlen Kopf. Letzterer blickte sich kurz verwirrt um, fixierte dann den anderen erbost.

Er brachte nur einen Laut hervor, in dem aber so viel Verachtung, Resignation, Wut und sogar ein Hauch Neugier lagen, dass er mehr sprach als ein ganzer Satz: „Q!“

Der so angesprochene grinste unverschämt zurück. Er trug am Leib dieselbe Kleidung wie sein Gegenüber: eine schwarze Hose, einen blauen Pullover mit schwarzem Kragen und darüber eine rote Jacke mit ebenfalls schwarzem Kragen und Schulterstücken, worauf vier goldene Knöpfe prangten.

„Schsch, mon Capitain“, flüsterte er. „Sie stören die Vorstellung.“

Das Wesen auf der Bühne hatte indes irgendeine Ankündigung gemacht, worauf die Lichter noch dunkler wurden. Auf jedem Tisch entzündeten sich wie von Geisterhand Kerzen.

Q quittierte dies mit gespielter Überraschung und einer unschuldigen Geste, die wohl so viel wie ich war‘s nicht bedeuten sollte.

Sein Gegenüber verdrehte nur die Augen und wollte gerade zu einer Erwiderung ansetzen, als die gigantische Kuppel über ihnen ihren Goldschimmer verlor und langsam transparent wurde.

Über dem weiten vollbesetzen Saal enthüllte sich ein Himmel der im Begriff schien zu zerbersten. Ein scheußliches, schauerliches Licht ergoss sich auf die unzähligen vor Entsetzen starren Wesen – ein entsetzliches Licht, ein brodelndes widerliches Licht.

„Was …“, konnte der kahlköpfige Mann nur sagen.

„Das, Jean Luc“, hauchte Q dem anderen ins Ohr, „ist das Ende von allem.“

Und damit übersetzte er nahezu exakt die Worte des Entertainers, der nun die Bühne verließ, um von Tisch zu Tisch zu gehen, während die Musik wieder einsetzte.

Picard riss sich von dem erschütternden Anblick los und wand sich dem anderen zu.

„Hören Sie, Q …“

„Un moment, s’il vous plaît“, wurde er gleich wieder unterbrochen.

Langsam setzten in der ganzen Halle die Unterhaltungen wieder ein.

„Garcon!“, rief Q und schnippte mit den Fingern, worauf in einer Leuchterscheinung ein grünhäutiges Wesen an dem Tisch erschien.

Das Wesen wirkte nur kurz verwirrt, setzte dann eine steinerne Miene der Würde auf und richtete eine Frage an die beiden Männer.

Die Kommunikatoren der beiden Gäste übersetzte die fremdartigen Worte:

„Was darf ich Ihnen bringen, Messieurs?“

„Nun“, antwortete Q, „ich denke nicht, dass Earl Grey angemessen wäre. Führen Sie auch romulanisches Ale?“

Das Wesen konnte einen Seufzer nur fast unterdrücken. In einem leicht entnervten Tonfall antwortete es routiniert:

„Wir führen alle Speisen und Getränke, M’sieur.“

„Dann zweimal“, rief Q fröhlich. „Aber pronto, schließlich ist nicht mehr viel Zeit.“

Das Wesen hüstelte ein offensichtlich gequältes Höflichkeitslachen und entfernte sich, ehe Q es ‚wegschnippen‘ konnte.

„Sie hassen diesen Witz“, wurde Jean Luc ungefragt aufgeklärt. „Nahezu jeder reißt ihn hier und hält sich dabei für ungeheuer innovativ.“

Q grinste wieder unverschämt.

„Ich konnte es mir einfach nicht verkneifen.“

Tisch 1971

Unter lautem Getöse raste ein Mann auf einem merkwürdigen Gefährt gegen einen zum Glück unbesetzten Tisch. Er (der Mann) schien wie aus dem Nichts aufgetaucht zu sein und beendete seinen kurzen Flug in einem Haufen aus gesplittertem Holz.

Fluchend und schimpfend richtete er sich auf, befreite sich von den Trümmern des Tisches und griff nach seinem Gefährt, das kaum mehr als eine Stange mit Griff und Sattel war. Wegen des kegelförmigen Auspuffs am Ende hätte man es von Ferne für einen altertümlichen Reisigbesen halten können.

Der Mann war etwas verdutzt, als ein paar wieselflinke Wesen herbeieilten, die Trümmer wegräumten, durch einen neuen Tisch ersetzten, zwei Gläser darauf abstellten und wieder verschwanden. Und das alles ohne einen Ton von sich zu geben.

Nachdem er sich nur kurz über seine Umgebung orientiert hatte, setzte er sich stöhnend auf den einzigen Stuhl und rieb sich dabei seine Hüfte. Seine Aufmerksamkeit galt nun den beiden Gläsern. Das eine war klein und enthielt etwa zwei bis drei Zentiliter einer wasserklaren Flüssigkeit, die nach starkem Alkohol roch. Der Mann beschloss, dass dies nun genau das richtige für ihn sei, und stürzte die Flüssigkeit hinunter.

Als sich wohlige Wärme in ihm ausbreitete, stellte er fest, dass es sich um einen vorzüglichen Wodka gehandelt hatte.

Das zweite Glas beziehungsweise sein Inhalt war ihm jedoch suspekt. Es war größer, fasste vielleicht einen Liter und enthielt ebenfalls eine wasserklare Flüssigkeit. Aller Wahrscheinlichkeit nach war es sogar Wasser, denn in dem Glas schwamm ein winzig kleiner Fisch.

Er beschloss, dieses Glas zunächst stehenzulassen.

Das grandiose Schauspiel über seinem Kopf ignorierend kramte er umständlich einen Briefumschlag aus einer unzugänglichen Tasche seines Overalls, riss ihn auf und las:

Lieber Herr Tichy,

Ihnen an dieser Stelle alle Einzelheiten auseinandersetzen zu wollen, würde wahrlich den Rahmen und die Möglichkeiten dieser knappen Mitteilung sprengen. Ich verweise daher auf einen gemütlichen Abend bei einer Flasche Wein, an dem wir all diese Dinge bis aufs Kleinste besprechen werden, bzw. besprochen haben werden … Aber ich will die Sache nicht durch temporalgrammatikalische Genauigkeit verkomplizieren.

Sie, Herr Tichy, befinden sich nun am Ende des Universums oder besser gesagt: am Ende eines Universums. Dieser Raum- und Zeitpunkt soll der Ausgangspunkt für Ihre eigentliche Expedition sein.

Wie Sie sich erinnern werden, haben wir im Vorfeld bereits darüber gesprochen, dass ich mit meinem neuen transtemporalen und transdimensionalen Radioempfänger Zugang zu Informationen habe, die unsere künftigen Möglichkeiten ins geradezu Phantastische erweitern.

Einer dieser Informationen gilt es nachzugehen.

In dem Universum, in dem sie sich nun befinden, soll eine Person, eine Entität oder eine Instanz eingetroffen sein, die über unglaubliches Wissen und unfassbare Machtmittel verfügen soll.

Es ist mir gelungen, mittels eines transdimensionalen Senders einige Vorbereitungen zu arrangieren. Dadurch wird Ihnen Ihre Arbeit um einiges leichter fallen.

Den Fisch, den Sie vor sich sehen, bugsieren Sie bitte in Ihr Ohr. Es handelt sich um einen so genannten Babelfisch, der sich von Schallwellen ernährt, sie verarbeitet und in Form von Hirnwellen wieder ausscheidet. Der Nutzen dabei ist, dass er dadurch als Universalübersetzer einsetzbar ist.

Als nächstes gilt es, einen Kontaktmann aufzusuchen, der Ihnen die Reise zu Ihrem endgültigen Ziel ermöglichen wird. Sie finden ihn in den Gewölben unter dem Saal, in dem Sie sich jetzt gerade befinden.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und freue mich auf Ihren ausführlichen Bericht, den Sie mir von Ihrer zeitlichen Position aus natürlich längst gegeben haben werden.

Hochachtungsvoll,

Prof. Tarantoga

Der Mann faltete nachdenklich den Brief zusammen und blickte dann äußerst skeptisch auf das große Glas vor sich, in dem das Fischlein munter umherschwamm. Er nahm nur am Rande zur Kenntnis, dass der Entertainer die Bühne betrat und in einem für ihn – noch – unverständlichen Idiom zu seinem Publikum sprach.

Tisch 1977

Zwei sehr unterschiedliche Wesen erschienen an diesem Tisch. Sie waren zunächst durchscheinend und kaum zu erkennen. Erst nach und nach nahmen sie Gestalt an, bis sie sich endlich voll manifestiert hatten.

Sie hatten beide ihre Augen geschlossen. Das kleinere Wesen öffnete sie zuerst. Zögerlich hob es die faltigen Lider, ließ die großen klugen Augen kurz kreisen und nickte dann zufrieden.

„Da wir sind“, radebrechte es mit krächzender Stimme.

Sein haarloser runzliger Kopf ragte gerade über die Tischplatte.

Das andere Wesen war mehr als doppelt so groß. Der augenscheinlich junge Mann öffnete nun ebenfalls die Augen. Was er sah, ließ ihn auf seinem Stuhl zusammenzucken. Die weite Halle und vor allem das rasende Chaos über ihm verschlug ihm die Sprache.

„Du konzentrieren dich musst“, sagte das kleine Wesen und lenkte so die Aufmerksamkeit des anderen auf sich. „Konzentrieren auf die Macht.“

Wieder schloss der junge Mann die Augen und beruhigte sich. Nur einen Augenblick später riss er sie wieder auf.

„Meister!“, hauchte er entsetzt.

„Dies das Ende ist“, erklärte der Kleine lapidar. „Auch die Macht hier endet. Doch für dich es der Anfang ist, Luke, der Anfang einer neuen Prüfung. Den Meister, finden und befragen du ihn musst. Wenn seine Worte du verstehst, der Weisheit näher sein du wirst.“

„Aber du bist doch mein Meister“, begehrte der Junge auf. „Niemand übertrifft deine Weisheit.“

Der Kleine fuchtelte streng mit seinem Gehstock in des Jungen Richtung.

„Verschiedene Arten von Weisheit es gibt. Vor allem aber du Weisheit beweisen musst. Finde den Meister, befrage und verstehe ihn.“

Der junge Mann nickte ergeben, blickte sich erneut in der weiten Halle um, ließ das schaurige Schauspiel am Himmel auf sich einwirken und lauschte schließlich dem langen dürren Wesen auf der Mittelbühne. Er musste sich nur ein wenig konzentrieren, um die fremden Worte zu verstehen. Die Macht verlieh ihm diese Gabe.

„Das hier“, sagte der Entertainer und deutete elegant nach oben, „ist wirklich das absolute Ende, die letzte eisige Trostlosigkeit, in der der ganze majestätische Schwung der Schöpfung versinkt. Dieses, meine Damen und Herren, ist das sprichwörtliche ‚Allerletzte‘.“

„Meister“, wandte sich der Junge wieder an das kleine Wesen. „Was ist das für ein Ort?“

Anstelle einer Antwort knurrte der Kleine mürrisch und sagte schließlich:

„Du jetzt gehen musst, Luke. Bei den Schiffen unter dieser Halle du suchen musst. Dort einen Droiden du finden wirst, der den Weg zum Meister dir weisen wird. Marvin sein Name lautet.“

Aufbruch

Unabhängig voneinander verließen die sechs Männer das Restaurant kurz vor dem Höhepunkt der Show. Sie wussten oder ahnten nun zumindest, warum sie hier waren. Dieser merkwürdige Ort sollte nur der Ausgangspunkt einer Reise sein, deren Ziel große Erkenntnis versprach. Einigen hatte man es wenigstens andeutungsweise gesagt, die anderen ahnten es einfach.

Alle sechs eilten sie ins Parkhaus und suchten nach dem geheimnisvollen Kontaktmann, der ihnen weiterhelfen sollte.

Ihre zurückgelassenen Begleiter aber schlenderten zu einer Bar in einem Seitenarm des Restaurants, begrüßten sich dezent und schütteten sich ebenso dezent für den Rest des Universums einen Pangalaktischen Donnergurgler nach dem anderen hinter die Binde.

Eins und eins …

„Wer bist du“, fragte der Mann in dem blauen Raumanzug.

„Ich … war Dave“, antwortete der Mann in dem roten Raumanzug.

Die beiden waren sich in dem gewaltigen Labyrinth des sogenannten Parkhauses begegnet. Außer ihnen schien kein lebendes Wesen hier zu sein.

Auf mehreren ineinander verschachtelten Ebenen lagen unzählige Raumschiffe in verschiedensten Größen und Formen dicht an dicht beieinander.

„Ich bin Perry“, sagte der Mann in dem blauen Raumanzug und streckte dem Mann in dem roten Raumanzug die Hand entgegen.

Einen Lidschlag später hatte sich dieser in einen älteren Mann in einem schwarzen Freizeitanzug verwandelt. Dennoch ergriff er die dargereichte Hand und drückte sie fest.

Perry zögerte nur die Winzigkeit eines Augenblicks. Dann hatte er seine Überraschung überwunden.

„Ich suche einen Roboter“, sagte er ruhig.

„Ja“, lautete die schlichte Antwort.

… plus zwei …

Das stählerne Labyrinth war dem jungen Mann unheimlich. Es weckte unangenehme Erinnerungen in ihm. Hinter jeder Ecke erwartete er Ben zu sehen, wie er vom dunklen Lord niedergestreckt wird.

Dieser Anspannung war es wohl zu verdanken, dass er instinktiv seine Waffe zog und aktivierte, als er unvermittelt einen Mann in einem grauen Kapuzenumhang vor sich stehen sah.

„Lass die Waffe fallen!“, sagte dieser mit der Stimme.

Der junge Mann war irritiert. Nur mit Mühe konnte er sich dagegen wehren, dem Befehl Folge zu leisten.

„Du bist stark“, sagte der andere und streifte die Kapuze von seinem Kopf.

Auch er war ein relativ junger Mann, scheinbar nur wenig älter als sein Gegenüber.

„Bist du Marvin?“, fragte er.

Der junge Mann schaltete die Waffe wieder ab und lockerte seine Haltung.

„Ich heiße Luke“, sagte er. „Ich bin ebenfalls auf der Suche nach dem Droiden.“

„Droiden?“, fragte der andere leise ohne jedoch eine Antwort zu erwarten.

Er fuhr gleich zu sprechen fort: „Normalerweise steht mir die Zukunft offen. Doch dieser Ort ist anders. Er hat keine Zukunft.“

Nach einer weiteren Pause fügte er hinzu: „Nenne mich Paul.“

… und noch zwei …

Der kahlköpfige Mann schritt langsam den Steg entlang, der eine weite Halle voll bizarrer Raumschiffe überspannte. Er blickte sich aufmerksam um, hielt dabei aber nur halbherzig nach dem Roboter Ausschau, von dem Q gesprochen hatte. Vielmehr erwartete er eine überfallartige Überraschung des anmaßenden und äußerst anstrengenden Überwesens.

„Q“, rief er in die menschenleere Halle. „Ich habe keine Lust mehr auf Ihr Spiel. Es langweilt mich.“

Der Mann blieb stehen und wartete eine Reaktion ab. Als diese ausblieb setzte er sich kurzerhand auf den Boden. Er dachte nicht daran, erneut nach Qs Pfeife zu tanzen. Außerdem musste er nachdenken. Seit seiner Ankunft an diesem merkwürdigen Ort hatte er noch keine Zeit dazu gefunden.

„Entschuldigen Sie“, riss ihn eine Stimme aus seinen Gedanken.

Ruckartig stand er auf und sah sich einem Mann gegenüber, der in der Linken eine merkwürdige besenartige Stange hielt. Die Sprache, die er sprach, schien ein irdischer Dialekt zu sein, den er nicht beherrschte. Es klang irgendwie slawisch. Sein Kommunikator hatte jedoch keine Probleme, die Worte zu übersetzen.

„Entschuldigen Sie“, wiederholte der andere. „Mein Name ist Ijon Tichy. Sie sind nicht zufällig von Professor Tarantoga beauftragt worden, mir eine – nun – Reisepassage zu ermöglichen?“

Der kahlköpfige Mann blickte den anderen leicht entgeistert an. Er überlegte, wie er jetzt reagieren sollte. Dies war mit Sicherheit eine weitere Böswilligkeit von Q, weil er nicht auf sein Spiel einging. Sollte er toben? Ausrasten? Einfach sitzenbleiben und auf nichts mehr reagieren? Oder er führte Qs Spiel ad absurdum. Q hatte ihn an einen skurrilen Ort gebracht. Wenn er diesen nun an Skurrilität übertraf, konnte er Q vielleicht schlagen – mit den eigenen Waffen sozusagen.

Ehe er jedoch seine Idee in die Tat umsetzen konnte, sprach Tichy weiter: „Sie müssen nochmals entschuldigen. Ich habe Sie offensichtlich verwechselt. Diese Raumschiffhallen sind aber auch zu unübersichtlich. Das kommt eben davon, wenn man zu ungenaue Hinweise bekommt. Sie kennen das sicher?“

Der kahlköpfige Mann stutzte. Das kannte er allerdings. Was, wenn Q mit seinen vagen Andeutungen doch recht hatte? Hatte er nicht behauptet, dass man in vielen Kontinua darauf erpicht sei, diesen ominösen Herrscher zu konsultieren?

Seine Neugier begann nun doch die Oberhand zu gewinnen. Er beschloss, das Spiel einstweilen mitzumachen.

„Was halten Sie davon, Mr. Tichy, wenn wir uns zusammentun?“, sagte er freundlich. „Ich habe mich ebenfalls verlaufen und suche einen Roboter, der mir meine Weiterreise ermöglichen soll. Mein Name ist übrigens Jean Luc.“

… gibt sechs

Marvin war unendlich deprimiert. Er, ein Geist von der Kapazität eines ganzen Universums, stand hier und schob Dienst in einem Parkhaus, stumpfsinnig und geistlos, tagein, tagaus, Jahr für Jahr, Jahrmillion für Jahrmillion, Weltalter für … obwohl das in dieser Minute ein Ende haben würde.

Allerdings konnte nicht einmal diese Option Marvin ein wenig aufheitern. Schließlich blieb sie ihm letztlich verwehrt. Dieser gewaltige Gebäudekomplex, glitt, durch mächtige Zeitschirme geschützt, unbeschadet über den Punkt des universellen Endes von Raum und Zeit hinaus, um dann sanft wieder zurückzugleiten. Worauf es ein weiteres Mal auf das Ende zuging – ad infinitum.

Dieses stumpfsinnige Wiederholen des ewig Gleichen trug nicht unerheblich zu Marvins Depressionen bei.

Auch die für andere Wesen bestimmt ungewöhnlich und aufregend erscheinenden Kontaktaufnahmen mit ihm, die kürzlich erst stattgefunden hatten, berührten ihn kaum. Für jemanden, der bereits das Alter des Universums übertraf, weil er auf einem todsterbensöden Planeten einfach vergessen worden war, gab es kaum mehr überraschendes oder aufregendes. All dies hatte man irgendwann schon mal so ähnlich erlebt oder gesehen.

Letztlich lief es ohnehin nur darauf hinaus, dass er sechs langweilige Gestalten zu sechs langweiligen Raumschiffen führen sollte. Eine dermaßen öde Aufgabe, die so unendlich weit unter seinen kognitiven Möglichkeiten lag, dass es ihn so entsetzlich deprimierte, dass es kaum noch auszuhalten war.

„Das wird er sein“, hörte Marvin eine Stimme.

„Ja“, sagte eine andere schlicht.

„Der Droide, da ist er!“, ertönte eine dritte Stimme.

Die vierte Stimme hatte einen gefährlichen Unterton, was Marvin beinahe interessiert hätte, wäre es letztlich nicht auch so schrecklich ermüdend gewesen.

„Soll das heißen, dass er eine Maschine ist? Eine denkende Maschine?“

Instinktive Verachtung, ja Hass gar schien in diesen Worten mitzuschwingen.

„Wir sind anscheinend nicht die einzigen, Mr. Tichy.“

Die fünfte Stimme klang fast amüsiert.

Die sechste und letzte Stimme richtete sich direkt an Marvin. Wenn es ihn interessiert hätte, hätte er sich überlegt, ob die fast schon naive Unbekümmertheit nicht reines Kalkül war, um den darunterliegenden Intellekt zu verbergen.

„Entschuldigen Sie“, sagte diese sechste Stimme. „Mein Name ist Ijon Tichy. Professor Tarantoga hat für mich eine Reisemöglichkeit arrangiert. Mir wurde gesagt, ich könne mich in der Sache an Sie wenden.“

Marvin seufzte tief und sagte: „Folgen Sie mir einfach alle.“

Dann setzte er seinen metallischen Leib betont schwerfällig in Bewegung. Mit jedem Schritt wies er leise – aber laut genug, damit es alle hören konnten – auf seine schmerzenden Dioden hin.

Ihm folgten sechs teils ratlose, teils unwirsche aber allesamt neugierige Männer.

Marvin führte sie zu sechs eleganten schwarzen Raumschiffen, die allein in einer Halle aneinandergereiht standen.

So knapp wie möglich instruierte er die sechs, letztlich mussten sie nur einsteigen und abwarten.

Ohne sie eines weiteren Blickes zu würdigen, schlurfte er danach aus der Halle. Er überlegte ernsthaft, ob er nicht doch mal im Restaurant oben anrufen sollte, ob seine alten Gefährten dort wären.

Ankunft

Auf einem kleinen, unbedeutenden Stern irgendwo inmitten von nirgendwo Besonderem – nirgendwo, das heißt, nirgends, wohin man je gelangen könnte, da der Stern von einem gewaltigen Unwahrscheinlichkeitsfeld abgeschirmt ist – regnete es.

Der Regen prasselte und tanzte auf das Wellblechdach der kleinen Hütte, die mitten auf einem öden Stück Land stand.

Drinnen war das Geräusch des Regens auf dem Dach der Hütte ohrenbetäubend laut, wurde aber von ihrem Bewohner so gut wie nicht beachtet, dessen Aufmerksamkeit auf andere Dinge gerichtet war.

Der Mann schaute sich interessiert in der Hütte um, als sähe er sie zum ersten Mal. Er sah einen alten, abgewetzten Armsessel, einen alten, zerkratzten Tisch, eine alte Matratze, ein paar Kissen und einen Ofen, der klein, aber warm war.

Wasser tropfte durch das Dach auf seine zerzausten Haare. An sich herabblickend bemerkte er eine leicht vom Wetter mitgenommene alte Katze, die schnurrend um seine Beine strich. Fast war es, als wolle sie den Mann begrüßen.

Dieser hielt es für eine gute Idee, sich erst einmal zu setzen. Behutsam nahm er die Katze auf den Schoß und begann, sie versonnen zu streicheln.

„Mein lieber Gott“, murmelte er.

Nach einer Weile vernahm er ein Pochen, das sich irgendwie von dem Prasseln der Regentropfen auf dem Dach unterschied.

Das Pochen wiederholte sich nach einer weiteren Weile – rhythmisch, fordernd.

„Erwartest du noch andere außer mir?“, fragte der Mann die Katze.

Diese maunzte etwas ungehalten, sprang von seinem Schoß und widmete sich in einer relativ trockenen Ecke der Hütte ihrer Körperpflege.

Der Mann überlegte noch ein wenig und entschloss sich dann, die Tür zu öffnen. Schließlich würde er nie herausfinden, was sich dahinter verbarg, wenn er nicht nachschaute.

Sechs Männer betraten zögernd die Hütte. Mit Blick aus der Tür konnte ihr Bewohner sechs schwarze Raumschiffe erkennen, die reglos in der Luft hingen.

Die sechs sahen sich fragend und betreten an. Der Bewohner der Hütte setzte sich einfach wieder in seinen Sessel und betrachtete sie interessiert.

Der vermutlich jüngste unter den sechs fasste sich schließlich ein Herz und sprach ihn an: „Ich … mein Meister schickt mich … Bist du der … andere Meister?“

Der Mann in dem Sessel lächelte den jungen Mann freundlich an. Amüsement schien in seinen Augen aufzuflackern, ein schelmisches Blitzen, das von geheimem Wissen zeugen mochte. Der Blick wurde jedoch nachdenklich, als verblasse dieses Wissen oder als schlichen sich Zweifel in seine Gedanken.

„Ich weiß es nicht“, antwortete er schließlich. „Ich denke, es liegt bei dir zu entscheiden, wer ich für dich sein soll.“

Der Mann in dem blauen Raumanzug stöhnte daraufhin leicht resigniert auf. Anscheinend kannte er rätselhafte Antworten dieser Art zur Genüge. Auch der kahlköpfige Mann verdrehte die Augen.

„Beantwortest du alle Fragen auf diese Weise?“, fragte er.

„Ich sage, was mir in den Sinn kommt, wenn ich meine, jemanden reden zu hören.“

Der Mann in dem grauen Kapuzenumhang trat vor und musterte den Mann.

„Was machst du hier an diesem Ort?“, hauchte er.

„Ich habe den Eindruck, in einem Sessel zu sitzen und mich mit sechs Männern zu unterhalten. Aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein.“

Der Mann kicherte auf einmal und sagte dann: „Aber vielleicht sind die sechs Männer auch hier, um meiner Katze etwas vorzusingen.“

„Ich meine“, sprach der Umhangträger leicht erbost, „was du sonst hier machst.“

„Das ist eine Frage nach Zukunft und Vergangenheit, nicht wahr?“

„Ja“, sagte der Umhangträger hoffnungsvoll.

Wieder blitzte der Schalk in den Augen des sitzenden auf.

„Woher soll ich wissen“, sagte er, „ob die Vergangenheit keine Fiktion ist, die nur erfunden ist, um den Zwiespalt zwischen meinen augenblicklichen Sinneswahrnehmungen und meiner Geistesverfassung zu erklären?“

Der Mann in dem Kapuzenumhang trat offensichtlich beeindruckt zurück und schien ernsthaft über diesen Satz nachzudenken.

Der Mann in dem Sessel verzog jedoch wieder seine Miene, als versuche er eine verblassende Erinnerung zu greifen.

„Wenn ich aber so darüber nachdenke“, murmelte er kaum hörbar, „meine ich mich zu erinnern, erst vor kurzer Zeit hier eingetroffen zu sein.“

Der Mann in dem Overall hatte sich derweil mit der Katze beschäftigt. In seinen Taschen hatte er eine alte Dose Fisch entdeckt und sie damit gefüttert.

Nun wandte er sich dem Mann in dem Sessel zu und fragte: „Wie ist eigentlich dein Name?“

Die Frage riss ihn aus seinen Grübeleien. Er hob den Kopf und öffnete den Mund, um zu antworten.

Dann stockte er, und tiefe Furchen gruben sich in seine Stirn. „Es scheint mir sehr merkwürdig“, sagte er schließlich, „einem Bündel vager Sinneswahrnehmungen einen Namen zu geben.“

Der eben noch wie ein Mann in einem roten Raumanzug wirkende steinalte Mann in einem weißen Totenhemd trat an die Seite des Sessels und stützte sich an der Lehne ab. Er lächelte wissend als er seine papierüberzogene Knochenhand auf die Schulter des Mannes legte.

„Singen wir deiner Katze einfach noch ein paar Lieder vor“, kam es krächzend aus seiner Kehle.

Da Ijon Tichy daran gedacht hatte, ein paar Flaschen aus dem Restaurant am Ende des Universums mitzunehmen, wurde es noch ein sehr gelungener Abend.

Ende

Das Große Nerdlicht-Abecedarium: H

Ein ist eine muntere alphabetisch sortierte Auflistung von Begriffen – im Grunde ein kleines Lexikon, das sich nicht allzu ernst nehmen muss. Wie geschaffen für eine -Rubrik. Lest und bestaunt also das Große Nerdlicht-Abecedarium!

Diesmal zum Buchstaben H wie

Hamburg

Obwohl ich in dieser Stadt arbeite, hier studiert und einige Zeit gewohnt habe, würde ich mir nie anmaßen, mich als echten Hamburger zu bezeichnen. Dafür muss man bekanntlich in Hörweite des Michels geboren sein. Doch auch dem angrenzenden Bundesland,1 in dem ich zur Schule gegangen bin, den Großteil meines Lebens gelebt habe und aktuell wieder lebe, bin ich nur bedingt heimatlich verbunden. Dazu ist die Nähe zur Hansestadt doch wieder zu groß.2

Daher kann ich meine leicht distanzierte Randbeziehung zur Elbmetropole genießen und erfreue mich an ihren schönen Seiten, ohne sie lokalpatriotisch überhöhen3 zu müssen.

Heldenfahrt, die

Es begab sich im Jahre 1997, als ich erstmals Kontakt zum -Fandom aufnahm und auf einem Con4 unter anderen einen gewissen Ace Kaiser5 kennenlernte. Wir mochten uns sofort und haben sogleich damit begonnen uns zu schreiben.6

Gleich im ersten Brief schlug Ace vor, ein gemeinsames Schreibprojekt zu starten, womit er bei mir offene Türen einrannte. Seitdem schreiben wir unverdrossen unser -Round-Robin-Projekt  Die Heldenfahrt fort.

Wobei das Projekt zu Anfang noch titellos war und wir nach einer Weile informell von der „Elbensage“ sprachen. Der Titel kam erst später auf, wurde dann aber „offiziell“. Dabei ist es über die Jahre von einem internen Projekt von uns beiden zu einer Art Geheimtipp für eine – wenn auch kleine7 – Öffentlichkeit geworden.

Schließlich kann man an den inzwischen 48 Versen, wie wir unsere jeweiligen Kapitel nennen, sehr gut unser beider schriftstellerische Entwicklung ablesen. Sind die ersten Verse noch recht ungeschlacht, mag eine anspruchsvollere genreinteressierte Lesendenschaft den neueren Episoden eventuell sogar etwas abgewinnen.

Im kommenden Jahr 2027 kann dieses Fantasy-Epos schon sein 30-jähriges Jubiläum feiern. Eventuell ein Anlass für den guten Ace, den seit Jahren ruhenden Griffel aufzunehmen und seinen seither ausstehenden Vers abzuliefern. Aber auch das gegenseitige Drängeln gehört seit je her zur Heldenfahrt-Tradition. Beschließen wir doch jede Nachricht mit dem Satz:

Was macht die Heldenfahrt?

Herr Kowski

Seit gut acht Jahren bin ich mit diesem geistreichen Spitznamen im Netz unterwegs – meist in der Handleform @herrkowski. Naja, irgendwie muss man halt heißen.


A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z

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  1. der „echte Norden“[]
  2. Und geboren bin ich da auch nicht. Die ersten sechs Monate meines Lebens war ich Saarbrücker.[]
  3. „schönste Stadt der Welt“ und so[]
  4. Ja, in dem Segment des Fandoms, in dem ich mich bewege, heißt es „der Con“.[]
  5. aka Alex, aka Tiff etc. pp.[]
  6. zunächst sogar richtig echte Briefe – hatte man damals™ noch so[]
  7. eine Handvoll Leute, will ich meinen[]

Leseprobe: Die Takhal Gud Looter

Wie berichtet habe ich im letzten Jahr meinen ersten Heftroman für die -Fanfiction-Serie Dorgon fertiggestellt – und zwar Band 130 der Reihe. In diesen Tagen ist dieser nun erschienen, soll heißen: er kann ab sofort kostenlos heruntergeladen werden.1 Obwohl ich von dieser Perry-Parallelwelt fast gar keine Ahnung habe, hat mir das Schreiben sehr viel Freude gemacht. In der Rahmenhandlung habe ich mich mit einer Hauptfigur aus der Originalserie austoben können: niemand geringerem, als Mausbiber Gucky höchstpersönlich. Auch in der anderen Handlungsebene hatte ich ziemlich freie Hand, da ich eine neue Figur vorstellen durfte. In dieser präsentiere ich die ersten Absätze des -Romans, in denen ich besagten Mausbiber zunächst etwas leiden lassen muss – wohlgemerkt vor seinen erfreulichen Abenteuern der aktuellen Erstauflage.

Aber lest selbst!

Kapitel 1: Allein

5633 A.D., Raumschiff CASSIOPEIA, irgendwo zwischen den Sternen der Milchstraße

Die Panikattacke traf ihn aus heiterem Himmel. Gucky hatte gerade seine Kabine in der CASSIOPEIA betreten, klassisch zu Fuß, denn er hatte den Weg dorthin gebraucht, um nachzudenken. Es fühlte sich an, als würde die Pranke eines Haluters seine Brust packen und zusammenquetschen, ein dumpfer Schmerz, heiß und kalt zugleich. Ebenso schlagartig wurde sein ganzes Wesen nur noch von einem Gedanken beherrscht: »Ich bin allein!«

Der Mausbiber ging in die Knie, beugte sich vornüber und stützte sich auf den Oberschenkeln ab.

Einatmen. Ausatmen. Einatmen. Ausatmen.

Er zwang sich zur Ruhe. Nach fast viertausend Jahren Lebenszeit hatte man alles schon erlebt, auch die ein oder andere Panikattacke. Wäre doch gelacht, wenn er sie nicht durch ein paar Dagorübungen seines guten alten Freundes Atlan …

Gucky fiel vornüber und fing sich mit seinen Pfotenhänden ab. Die Ohren angelegt, auf allen Vieren kriechend, versuchte er, seinen Atem wieder in den Griff zu bekommen. Es wollte ihm nicht gelingen. Mit offenem Mund hechelte er wie ein überhitzter terranischer Hund. Atlan war tot oder hatte nie gelebt. Was auch immer hier gerade vorging, er war nicht mehr da. Ebenso die anderen Freunde und Gefährten, die ihm in solchen Momenten zur Seite gestanden hätten, indem sie über seine Witzchen lachten oder ihm die Ohren kraulten. Niemand war mehr da – erst recht keine anderen Ilts …

Ihm war bewusst, dass ihn diese Gedanken immer tiefer in den Panikstrudel rissen. Er durfte dem Sog nicht nachgeben, musste sich dagegenstemmen und buchstäblich auf andere Gedanken kommen.

Vielleicht half es, wenn er sich erst einmal hinlegte, am besten gleich an Ort und Stelle. Er rollte sich auf dem Fußboden zusammen, wie ein Neugeborenes. Tatsächlich beruhigte sich sein Atem. Er schlang seine Arme um die angezogenen Knie und versuchte einstweilen, an gar nichts zu denken. Dieser Moment der Ruhe währte jedoch nicht allzu lange. Mit der nächsten schmerzhaften Erinnerungswelle an seine Freunde stellte sich sein Nacken- und Rückenfell auf. Er presste seine Augen zusammen, seine Muskeln verkrampften, bis er nur noch ein wimmernder, zitternder Ball war. Sein Geist schrie seinen Schmerz in den Hyperraum hinaus. Mit einem Teil seines Verstandes nahm er die anderen Besatzungsmitglieder in unmittelbarer Nähe wahr, in den Korridoren und angrenzenden Kabinen. Trotz des alles beherrschenden Schmerzes wollte er sie nicht gefährden. Instinktiv teleportierte er an den unbelebtesten Ort im Schiff, einen Frachtraum im Unterdeck.

Gucky hatte seine Körperhaltung kaum verändert, als er im selben Augenblick mitten in der Halle zwischen den Containern erschien. Allerdings schwebte er nun – von seinen telekinetischen Kräften gehalten, einem Embryo gleich – gut anderthalb Meter über dem Hallenboden. Mit eben diesen Kräften ertastete er seine Umgebung, griff nach dem nächstbesten Container und schleuderte ihn mit aller Kraft davon.

Das tat gut, stellte er fest. Ein weiterer Container wurde von ihm gepackt, emporgehoben und wie eine Dose aus dünnem Blech zerquetscht. Er machte sich viel zu selten bewusst, wie groß seine Macht in Wahrheit war.

Falsch.

Er wusste sehr wohl um seine Macht und welchen Schaden er damit anrichten konnte. Genau deshalb hielt er sie die meiste Zeit, so gut es ging, im Zaum, um jene, die er liebte, nicht zu gefährden. Doch nun war er, Gucky …

Nein, diesen Namen hatten ihm einst seine Freunde gegeben, er erinnerte ihn zu sehr an all jene, die nun nicht mehr da waren. Davor hatte er anders geheißen, das war besser.

Nun war er, Plofre, allein. Auf wen musste er nun noch Rücksicht nehmen?

Der Gedanke ließ ihn innehalten. Er war mit einem unheimlichen Gefühl von Freiheit einhergegangen. Unheimlich deshalb, weil es die Freiheit von Verantwortung, von Rücksicht und von Gnade war – und er dieses Gefühl einen winzigen Moment lang begrüßt hatte.

Doch dieser Moment war vorübergegangen. Die Angst vor dem Weg, den er damit eingeschlagen hätte, war zu groß und überlagerte alle anderen Ängste und Sorgen. Er war trotz allem noch immer Gucky, der Retter des Universums, und würde es immer bleiben.

Der Mausbiber öffnete die Augen, stellte seine Ohren wieder auf und streckte seinen Körper. Langsam sank er auf den Hallenboden zu und betrachtete dabei den Schaden, den er angerichtet hatte. In dieser verqueren Zeitlinie gab es leider keine Bank, auf der er ein Konto mit dem einen oder anderen Notgroschen hatte, mit dem er das alles hätte bezahlen können. Der Gedanke, seine Schuld mit jahrelangem Tellerwaschen und Möhrenschälen begleichen zu müssen, ließ ihn schmunzeln und den Nagezahn kurz hervorblitzen.

Am Boden wollten ihn seine Beine fast nicht tragen. Sie waren butterweich und zitterten, als er stand. Auch das gehörte zur Wahrheit über seine Fähigkeiten: Ihre exzessive Nutzung war auf Dauer furchtbar anstrengend. Dank der Stütze seines Biberschwanzes stand er dennoch stabil und konnte sich einen Moment lang erholen. Der Zellaktivatorchip unter seinem Schlüsselbein erzeugte dieses merkwürdige Gefühl, das irgendwo zwischen Brennen, Pochen und taubem Kribbeln lag und immer dann auftrat, wenn das Gerät gegen Verletzungen oder große Erschöpfung anarbeiten musste. Er atmete tief durch, klatschte schließlich in die Hände, wie um sich selbst aufzumuntern, und nutze die leidlich aufgefüllten Kraftreserven für einen Teleportersprung in seine Kabine.

Gucky materialisierte direkt über der Matratze seiner Koje und ließ sich einfach fallen. Viel Ruhe war ihm jedoch nicht vergönnt. Zwar hatte er sein Armbandkom schon vor seinem kleinen Ausflug in den Frachtraum stumm geschaltet, die Kabinenpositronik entschied nun jedoch, ihn auf die zahlreichen aufgelaufenen Nachrichten und Kontaktversuche aufmerksam zu machen. Zumal ihre Absenderin in diesem Moment auf dem Weg zu ihm war und in ein paar Augenblicken vor seiner Kabinentür stehen würde.

Der Ilt seufzte und rappelte sich wieder auf. Er watschelte in die Nasszelle und machte sich im Spiegel einen Eindruck von seinem Erscheinungsbild. Er sah furchtbar aus. Sein Fell war stumpf und struppig, seine Ohren hingen kraftlos herunter, und seine Augen hatten jeden Glanz verloren. Zum Glück war er für alle anderen Wesen an Bord ein exotisches Alien, dessen Aussehen niemand einschätzen und deuten konnte. Niemand hatte eine Vorstellung davon, wann ein Ilt fit und gesund aussah und wann er erschöpft und ausgelaugt war. Außerdem wurde man nicht dreitausendachthundert Jahre alt, ohne sich glaubhaft verstellen zu können. Ein paar Spritzer Wasser ins Gesicht, den Nagezahn blitzen lassen – und schon zwinkerte ihm im Spiegelbild wieder der gute alte, zu Späßen aufgelegte Mausbiber von nebenan entgegen. So ging er zur Kabinentür und öffnete sie nur wenige Sekunden, ehe seine Besucherin den Klingelsensor betätigen konnte.

»Constance, alte Hexe«, sagte er beschwingt und blickte schelmisch zu ihr empor. »Was verschafft mir die Ehre?«

Bei aller betonten Flapsigkeit meinte er den Titel nicht abfällig. Das Interkosmo-Wort für »Hexe« wurde zwar auch für die altterranische Märchenfigur verwendet, stand ursprünglich aber für die weisen Feuerfrauen der arkonidischen Zhy-Religion. Es war also ein Ehrentitel – und so hatte es Constance auch verstanden.

Sie ging in die Hocke, um mit ihm, dem deutlich kleineren Ilt, auf Augenhöhe zu sein. Gucky blickte in ein offenes freundlich lächelndes Gesicht, die Augen darin drückten ehrliches Mitgefühl aus.

Als Entropin sah Constance exakt wie eine Menschenfrau aus, ihre Gestik und Mimik war ebenfalls vergleichbar. Und damit kannte Gucky sich aus. Er hatte den überwiegenden Teil seines Lebens unter Menschen verbracht, Terranern, Arkoniden und wie sie alle hießen. Der Stammbaum dieses Volks war absurd kompliziert und weit verzweigt – erst recht, wenn man die Cappins oder gar die V’Aupertir einbezog. Das Ergebnis war, dass man praktisch überall im Universum auf Angehörige und mehr oder weniger entfernte Verwandte treffen konnte. Ein Mensch würde niemals allein sein.

Gucky verscheuchte den letzten Gedanken sofort wieder. Er durfte nicht erneut in Schwermut verfallen, als Empathin würde Constance das sofort bemerken. Deswegen war sie mit Sicherheit hier.

»Ich habe mir Sorgen gemacht«, sagte sie dann auch.

Gucky beschloss spontan, dass es genug der Schauspielerei war. Hier stand eine Person vor seiner Tür, die ihm aufrichtig helfen wollte. Ein weiser alter Ilt wie er nahm so ein Angebot natürlich an.

Daher trat er einen Schritt zur Seite und fragte: »Möchtest du nicht reinkommen?«


Interessiert, wie es weitergeht? Dann flugs herunterladen und lesen: Dorgon Band 130: „Die Takhal Gud Looter“2

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  1. siehe ganz unten[]
  2. Nicht über die Illustrationen wundern, sind eher symbolischer Natur.[]

Perry Rhodan Band 3370 „Eine Handvoll Tramp“ von Oliver Fröhlich

Und weiter geht’s mit der etwas verzögerten Verbloggung meiner -Erstauflagenlektüre. Nach Der Status quo ist nun Heft 3370 von Oliver Fröhlich an der Reihe. Richtig gutes Heft! Doch zunächst die erforderliche

WARNUNG VOR DEM SPOILER

Zusammenfassung: Gucky Homecoming

Der schurkische Terra-Topsider John Wylon hat große Teile seiner Machtmittel eingebüßt. Mit einem seiner letzten Raumschiffe und wenigen verbliebenen Getreuen versucht er, das Schicksal noch einmal zu seinen Gunsten zu wenden. Dafür hat er Plofres Stern aufgesucht, um den nur noch das Trümmerfeld des einstigen Planeten Tramp kreist, die zerstörte Heimatwelt der Ilts und des prominentesten Vertreters dieser Spezies Gucky. Dort hofft er eine der drei Mausbiber-Mumien zu finden, ein machtvolles psionisches Artefakt.

Wie es der Zufall so will, kehrt just in diesem Augenblick besagter Gucky mit seinem geklauten Raumschiff und seiner angenommenen Familie in die Milchstraße zurück – und schaut aus sentimentalen Gründen erst einmal bei dem Stern vorbei, unter dessen Licht er geboren und aufgewachsen ist.

Ach ja: Gleichzeitig ist eine Flotte der galaktischen Ordnungsmacht vor Ort, da man hier mit Aktivitäten der Schurken rechnet.

In zunächst getrennten Handlungssträngen werden Wylons und Guckys Erlebnisse beschrieben.

Ersterer kreist mit seinem Schiff im Verborgenen um den Stern und lässt so behutsam wie möglich die Trümmerbrocken des Asteroidengürtels untersuchen, der einst Tramp war. In seiner Rumpfbesatzung rumort es, da die Wahrscheinlichkeit auf Erfolg offensichtlich nahe Null liegt. Doch das Glück scheint ihnen hold, ein größerer Gesteinsbrocken sendet vielversprechende Strahlung aus, man landet, um ihn genauer zu untersuchen. Dort findet man interessante Artefakte – jedoch zunächst nicht jenes, das man sucht.

Gucky nimmt derweil mit den Ordnungskräften Kontakt auf und informiert sich über die aktuelle Lage. Da sein Schiff über die bessere Ortungstechnik verfügt, bietet er an, bei der Suche nach den Schurken zu helfen – und tatsächlich gelingt es ihm, Wylons Schiff aufzuspüren.

Dieser gerät derweil in diverse unerwartete Bedrohungslagen. Zum einen stellt sich einer seiner Helfer als erbitterter Feind heraus, der ein Attentat auf ihn ausübt, das nur aus Zufall misslingt. Und dann offenbart sich die eigentliche Strahlungsquelle, der man auf der Spur war, als geschickte Falle – hinter der niemand geringeres als die Dunkelfrau der aktuellen Schurkereien steckt: Cassandra.

Man erfährt, dass sie den armen Topsider jahrzehntelang mit einem Psychostrahler bearbeitet, konditioniert und womöglich zu all den Schurkereien getrieben hat. Wir erinnern uns, dass das schon einmal ihre Masche war. Und nun will sie – aus sicherer Entfernung – testen, ob diese Konditionierung noch hält. Da dies nicht der Fall zu sein scheint, sendet sie der Falle, in der Wylon steckt, den Tötungsbefehl.

Zu seinem Glück ist aber Gucky zur Stelle, kann ihn im letzten Moment retten und den Behörden übergeben.

Fazit: endlich echte Raumfahrt

Ich meckere bekanntermaßen ausgiebig und gern, wenn Raumfahrt in einer -Geschichte nicht akkurat dargestellt wird. Sei es ein Film, eine TV-Serie oder ein Roman: Wenn sich Raumschiffe wie Seeschiffe oder Flugzeuge verhalten, wenn Planeten in geraden Linien angeflogen werden und anstelle realer Gefahren des Kosmos von Subraumstrudeln und Hyperraumbeben fabuliert wird, möchte ich dem jeweiligen Medium stets das SF-Label entziehen. Denn spätestens seit The Expanse haben Schreibende hier keine Ausrede mehr.

Was für eine Labsal und Freude ist es daher, dass Oliver Fröhlich die Raumschiffbewegungen um Plofres Stern in Umlaufzeiten und ballistischen Kurven beschreibt. Geht doch!

Und damit nicht genug. Fröhlich spielt die ganze Zeit damit, wie unwahrscheinlich es eigentlich ist, unter diesen Bedingungen das begehrte MacGuffin zu finden. Am Ende ist dieses Problem sogar Handlungselement, denn in Wahrheit wird Wylon eine geschickte Falle gestellt.

Auch sonst haben mir alle Romanelemente sehr gut gefallen: Die Handlung ist spannend, alle Figuren haben Charakter – bis hin zu dem Offizier der Obrigkeitsflotte. Allen voran hat mir aber Gucky gefallen. Die Mischung aus Albernheit und jahrtausendelanger Lebenserfahrung ist perfekt austariert.

Schließlich hat Fröhlich alles angemessen in das Perry-RhodanLore eingebettet und überall Hinweise auf die bewegte Historie des einstigen Planeten Tramp platziert.

All dies macht den Band für mich zu einem nahezu perfekten PR-Roman, der die höchste Punktzahl voll und ganz verdient hat. Fünf von fünf Sterne sollen es sein: *****

Ach ja – an dieser Stelle sei festgehalten: Der Roman legt zweifelsfrei fest, dass Gucky die Gedanken von Wylon lesen kann. Anders hätte er ihn ja gar nicht retten können. Bitte merken! Das wird für die Beurteilung des Folgebands noch wichtig.

Exkurs: Der perfekte Perry-Rhodan-Roman

Nach dem Genuss dieses formidablen Heftes habe ich mir zum wiederholten Male überlegt, was eigentlich ein perfekter Perry-Rhodan-Roman wäre. Welche Elemente müsste ein Heft enthalten – egal ob Jubiläumsband, Zyklusfinale oder Lückenfüller –, um in diese Kategorie zu fallen? Ich würde sagen, grob gesagt sind es deren drei.

Zunächst einmal – und das ist fast zu banal, um es auszusprechen – muss es ein guter Roman sein. Interessante Charaktere müssen in einem einfallsreichen Setting mit herausfordernden Konflikten konfrontiert werden und eine spannende und überraschende Dramaturgie durchlaufen. Vor längerer Zeit hatte ich meine diesbezüglichen Kriterien in einem anderen Zusammenhang etwas genauer aufgelistet.1 Sie gelten für mich unverändert.

Als zweites sollte es auch ein guter Science-Fiction-Roman sein. Für mich heißt das, dass SF-Elemente nicht nur Teil des Settings und somit kaum mehr als schmückendes Beiwerk sein dürfen. Raumfahrt, künstliche Intelligenz, außerirdisches Leben, Zeitreise und was das Portfolio noch so hergibt, müssen ausführlich thematisiert und untrennbar mit der Handlung verwoben sein. Wenn die Geschichte, sei sie auch noch so gut, ohne große Änderungen in ein anderes Setting versetzt werden kann, ist sie streng genommen keine SF – oder zumindest keine gute. Nun will ich hier keine unerbittliche Hard-SF-Position einnehmen, aber ich persönlich habe es schon ganz gern, wenn sich die Raumfahrt auch wie Raumfahrt anfühlt und eben nicht wie Luft- oder Seefahrt. Aliens dürfen gern etwas fremdartiger daherkommen als Menschen mit spitzen Ohren und kulturellen Spleens. Und eine Zeitreise sollte schon Paradoxa thematisieren und nicht nur ein Ausflug in eine exotische Welt sein.

Und schließlich bräuchte unser hypothetisches perfektes Perry-Rhodan-Heft noch das gewisse Etwas. Naturgemäß ist dieser Punkt am schwersten in Worte zu fassen. Aber ich will mal versuchen zu beschreiben, was das für mich bedeutet.

Da wäre zum einen die Sprache. PR lebt von seinen ganz eigenen Fachbegriffen, die nie fehlen dürfen. Doch damit nicht genug. Raumschiffe heißen hier natürlich „Raumer“ und in einem echten PR-Heft werden die Dinge nicht einfach abgeschaltet, sondern desaktiviert – und auf gar keinen Fall deaktiviert.

Einen zentralen Reiz der Serie macht für mich ihre epische Breite und Tiefe aus. Die Handlung erstreckt sich mittlerweile über tausende Jahre – ihre Vorgeschichte über Jahrmillionen.2 Inzwischen hat sich dermaßen viel Lore angesammelt, dass die Seriengeschichte selbst ein Thema ist, das ein perfekter PR-Roman behandeln kann und sollte.

Und das aller letzte i-Tüpfelchen sollte sein, dass der Titelheld auch seine Titelrolle übernimmt. Wirklich perfekt kann ein Perry-Rhodan-Heft nur sein, wenn Perry Rhodan auch als Hauptfigur auftritt.

Dazu vielleicht noch zwei abschließende Anmerkungen: Zum einen will ich Heften, die die oben genannten Bedingungen nicht voll und ganz erfüllen, mich aber trotzdem begeistern, nie die ihnen zustehende Höchstwertung verwehren. Das oben behandelte Heft sei hierfür Beleg genug. Ich bin sogar sicher, dass viele meiner erklärten Lieblings-PR-Hefte nicht in dem beschriebenen Sinne perfekt sind. Zum anderen fiele mir in diesem Moment auch kein konkretes Heft spontan als Beispiel dafür ein. Womöglich kommen einige der Eschbach-Gastromane dem recht nahe.3

Aber was meint ihr? Was macht für euch den perfekten PR-Roman aus – und welche Hefte würdet ihr da einordnen?

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  1. bei Interesse in dem Artikel ein wenig runterscrollen[]
  2. wenn das mal reicht[]
  3. Sein großartiges Buch „Perry Rhodan – Das größte Abenteuer“ gildet nicht, da es kein klassisches Romanheft ist. Und ein Heft muss es schon sein.[]

Nerdlicht früher: Star Trek, Lesestoff und kriegerische Klone

Auf meinem haben sich seit 2007 etliche Artikel angesammelt. Wie ich finde, kann man ein paar davon immer noch gut lesen. Grund genug für eine unregelmäßige -Rubrik.

Vor fünf Jahren habe ich -Dinge ordinalskaliert,1 vor zehn Jahren Lesetagebuch geführt2 und bin vor 15 Jahren mit einem allseits beliebten -Klassiker streng ins Gericht gegangen.3

Aber lest selbst:

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  1. Listen gehen immer[]
  2. War in der Zeit mein Ding.[]
  3. Ich denke seit einer Weile ernsthaft darüber nach, dem „Krieg der Klone“ noch mal eine zweite Chance zu geben. Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass ich den Roman heute anders bewerten würde.[]

Perry Rhodan Band 3369 „Der Status quo“ von Ben Calvin Hary

Nach meinem Wiedereinstieg in die -Erstauflagenlektüre mit dem Leo-Lukas-Band Zwischen fremden Sternen habe ich mir vorgenommen, eine Weile dabeizubleiben – und fleißig jedes Heft zu bebloggen. Bei letzterem hänge ich zwar etwas hinterher, aber das soll meinen Eifer nicht bremsen.

Da Chefautor Ben Calvin Hary in seinem Band 3369 die Metahandlung erwartungsgemäß voranbringt, zunächst eine

WARNUNG VOR DEM SPOILER

Zusammenfassung: NATHAN forever!

Erinnert ihr euch noch, wie ich am Anfang des PHOENIX-Zyklus darüber gemeckert habe, dass mir der Hauptrechner der Menschheit NATHAN in der Handlung zu kurz kommt? Tja. Nun isser eines der zentralen Hauptthemen.

Doch zunächst wohnen wir in diesem Roman dem tragischen Ableben von Akasha Pal bei, der aktuellen Regierungschefin des Sternenstaats der Menschheit. Gemeinsam mit Verteidigungsminister Temmister ist sie auf dem Weg zu einem Verhandlungstermin mit abtrünnigen Topsidern.1 Auf dem Weg dorthin wird ihr Kleinstraumschiff beschossen und schwer beschädigt. Bis sie geborgen werden, erliegt sie ihren Verletzungen.

In einer anderen Handlungsebene entdeckt ein Minenarbeiter in einem Asteroiden zufällig das letzte Nest der zerstörerischen Von-Neumann-Maschinen, die seit Band 3350 das Sonnensystem bedrohen. Damit entfällt die Begründung für NATHANS aktuelle wohlmeinende Absolutherrschaft. Die allgegenwärtige KI hatte quasi diktatorische Vollmachten erhalten, um des fiesen Fressmetalls ohne bürokratische Hürden und ineffiziente Koordinierungszwänge Herr zu werden.

Inzwischen hat sich aber ein nennenswerter Teil der Bevölkerung des Sonnensystems an die damit verbundene Sicherheit und Bequemlichkeit gewöhnt. Tatsächlich gibt’s eine ausgewachsene politische Bewegung, die den Erhalt der KI-Herrschaft fordert – allen voran die neue Regierungschefin.

Zu aller Überraschung ist es am Ende aber Verteidigungsminister Temmister, dessen Enthaltung bei der Abstimmung dafür sorgt, dass NATHAN bis auf weiteres am Ruder bleibt.

Fazit: Der Kanzler in der Cessna

Nein, keine Sorge, ich fange nicht schon wieder mit der Darstellung von Politik und Gesellschaft in der Perry-Rhodan-Serie an. Ich muss es mir hier nun mal so vorstellen, als würden Kanzler und Verteidigungsminister zu zweit in einer Cessna zu Verhandlungen ins umkämpfte Kiew fliegen. Das ist bei PR halt ganz normal.

Tatsächlich finde ich die Herleitung, wie der eigentlich vernünftige Politiker Temmister zu seiner Entscheidung kommt, ziemlich gelungen. In Opposition zu Rhodan zu stehen, geschieht nämlich nicht immer aus kriminellen oder pathologischen Gründen. Hier wird erfrischender Weise mit einer PR-Tradition gebrochen.

Ein bisschen schade finde ich, dass die Szenen in dem Bergbau-Asteroiden über lange Strecken so geschildert werden, als würden sie in ganz normalen Stollen untertage spielen. Da erwarte ich von einer -Geschichte anderes. An einer Stelle wird sogar betont, dass die künstliche Schwerkraft trotz schwerer Schäden noch funktioniert – als hätten wir es mit einer TV-Serie mit beschränkten FX-Budget zu tun. Die Herausforderungen der Schwerelosigkeit bei einer solchen Flucht zu schildern wären doch viel SF-iger gewesen.

Dennoch ein solider Roman, der mir drei von fünf Sternen wert sein soll. ***°°

Weiter geht’s mit Band 3370 „Eine Handvoll Tramp“ von Oliver Fröhlich.

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  1. oder mit der vertriebenen Exilregierung – durch meine Leselücke fehlt mir da etwas der Kontext[]

Leseprobe: Der Jungfernflug der GOOD LUCK

Im Rahmen der -FanEdition erschien 2024 mein -Heftroman „Der Jungfernflug der GOOD LUCK“. Das Abenteuer spielt in der Frühzeit der Serie und beginnt mit einer Szene aus Sicht der damaligen Schurken, der wespenartigen Vecorat. In dieser präsentiere ich die ersten Absätze meiner Geschichte – womöglich nicht nur für Rhodan-Fans von Interesse.

Aber lest selbst!

Wurzeln: zwischen den Sternen, August 1972

Das Gedankenkonzert der Vecoratflotte erzeugte ein leises Summen. Hier zwischen den Sternen war man zwar ungestört vor den disharmonischen Gedanken anderer Wesen, dennoch war die Grundstimmung deprimiert, beschämt und hoffnungslos. Die Invasion der vermeintlich primitiven Erde war gescheitert. Sie waren besiegt und vertrieben worden. In einem höhnischen Akt der Gnade hatten Perry Rhodan und seine Terraner die Besiegten unversehrt abziehen lassen. Man nahm sie nicht als Bedrohung wahr, nur als Störenfried, der sich nie wieder blicken lassen durfte.

Die Flotte hatte sich mitten im Leerraum gesammelt, Lichtjahre von der Erde entfernt. Die Milchstraße war in den letzten Jahrhunderten und Jahrtausenden ein immer unfreundlicherer Ort für die Vecorat geworden. Nicht einmal hier in ihrem Randgebiet konnten sie noch Fuß fassen. Von anderen Flotten war längst nichts mehr zu spüren. Falls noch andere Vecorat existierten, mussten sie Hunderte Lichtjahre entfernt sein, viel zu weit, um ihre Gedanken zu erspüren.

Nach einiger Zeit setzte sich im Gedankenkonzert die Frage nach einem neuen Ziel durch. Die Flotte hatte bis hierhin überlebt, sich zwischen den Sternen treiben zu lassen, war keine Option. Trotz ersetzte die Hoffnungslosigkeit.

Ein Schiff hielt sich bei der Entscheidungsfindung zurück. Von hier kam nur ein vages Gedankenrauschen. Das war Absicht, denn man wollte der Flotte gegenüber, die technischen Probleme verbergen, mit denen man zu kämpfen hatte.

Im Zuge der Kampfhandlungen und aus Gründen des Verschleißes hatte die Energieversorgung starken Schaden genommen. Mit Bordmitteln waren diese Schäden nur notdürftig zu beheben. Genauer gesagt, gelang es ihnen nur, die Katastrophe immer wieder ein Stück hinauszuschieben.

Hier draußen zwischen den Sternen war selbstlose Solidarität für eine heimatlose Flotte keine Überlebensstrategie. Unter den Vecorat galt es als ungeschriebenes Gesetz, das Überleben der Mehrheit nicht durch die Rettung einer Minderheit zu gefährden, wenn die Ressourcen derart begrenzt waren und kein Rückzugsort zur Verfügung stand. Aus diesem Grund hatte man auf dem fraglichen Raumschiff beschlossen, sich zurückzuhalten und das Beste zu hoffen.

Als man sich auf einen vielversprechenden Zielstern in einigen Hundert Lichtjahren Entfernung geeinigt hatte, beschleunigte auch dieses Schiff auf Sprunggeschwindigkeit. Falls man es schaffte, das Ziel zu erreichen, und dort einen sicheren Hafen fand, konnte man mit der Hilfe der Flotte rechnen. Falls nicht, hatte man es wenigstens versucht.

*

Die Ortungsoffizierin erkannte auf den ersten Blick, dass sie es nicht geschafft hatten. Ihre Bildschirme zeigten eine blaue Riesensonne in einem guten Lichtjahr Entfernung. Es war definitiv nicht der Zielstern, den die Flotte angesteuert hatte. Die Sternbilder hatten sich kaum verändert, daher war die Sache klar. Der Reaktor hatte dem Transitionstriebwerk nur einen Bruchteil der angeforderten Energie liefern können. Sie waren maximal zehn, zwanzig Lichtjahre gesprungen und in den Normalraum zurückgefallen.

Sie blendete das panische Geschrei des Gedankenkonzerts aus. Der missglückte Sprung hatte die Energieversorgung endgültig überfordert. Detonationen erschütterten das Schiff, kurz darauf fiel ein System nach dem anderen aus. Es wurde schlagartig dunkel, die künstliche Schwerkraft setzte aus. Wenn das Schiff nicht vorher vollständig explodierte, konnte sie nur darauf wetten, ob die Kälte oder die kosmische Strahlung sie als Erstes umbrachte. Sie und die befruchteten Eier in ihrem Körper.

Vielleicht war es Überlebenstrotz, mütterlicher Instinkt oder schlicht die Neugierde, ob sie es schaffen würde. In aller Ruhe stieß sie sich von ihrer Ortungsstation ab und schwebte zum Ausgang der Zentrale. Die übrigen Offiziere hatten sich aus Todesangst instinktiv in Starre versetzt oder waren hinausgestürmt, als die Schwerkraft noch funktioniert hatte.

Der Korridor, der direkt zu den Rettungskapseln führte, war völlig zerfetzt und zusammengeschmolzen. Eine explodierte Energieleitung hatte ihn unpassierbar gemacht – und vermutlich zahlreiche Vecorat in den Tod gerissen.

Sie wählte einen anderen Gang und erreichte schließlich eine noch intakte Fluchtkapsel. Auf ihrem Weg war sie keinem lebenden Vecorat begegnet, wobei einige der reglos in den Gängen schwebenden Körper auch in Starre gewesen sein konnten.

In ihren Gedanken war nur noch das kaum wahrnehmbare Summen erstarrter Artgenossen zu vernehmen. Es schien, als läge die Zukunft ihres Schwarms jetzt allein in ihren Händen, sofern sie das Glück hatten, dass dieser Stern von einem lebensfreundlichen Planeten umkreist wurde.

Die Anzeigen der Fluchtkapsel gaben ihr Hoffnung. Mindestens drei Planeten lagen in der habitablen Zone und sandten ein elektromagnetisches Spektrum aus, das auf eine präkosmische Kultur schließen ließ. Das Hyperspektrum war bis auf natürliche Emissionen still. Das war prinzipiell ein gutes Zeichen – auch wenn das Beispiel der Erde zeigte, dass man sich davon nicht in Sicherheit wiegen lassen durfte.

Sie hatte keine Wahl und startete die Kapsel keinen Moment zu früh. Das Schiff, in dem sie ihr ganzes bisheriges Leben verbracht hatte, verging hinter ihr in einem sonnenhellen Glutball, der in einem Jahr den Astronomen auf jenen Welten einige Rätsel aufgeben dürfte, falls es dort welche gab.

Sie setzte einen Kurs auf den achten Planeten, der ihr als vielversprechendstes Ziel erschien. Um unentdeckt zu bleiben, wählte sie eine Bahn, die kaum Kurskorrekturen ihrer Kapsel erforderte und somit bei zufälliger Entdeckung als die eines natürlichen Objekts durchgehen konnte. Da sie ohnehin über wenig Energieressourcen verfügte, war anderes kaum möglich. Durch diesen Kurs würde sie zwischen zwanzig und dreißig Jahren unterwegs sein, eine Zeit, die sie und ihre Brut problemlos unbeschadet in Starre überdauern konnten.


Interessiert, wie es weitergeht? Dann flugs bestellen: Perry Rhodan FanEdition Band 25: „Der Jungfernflug der GOOD LUCK“

„Geliebter Roboter“ von Isaac Asimov

Langsam aber stetig komme ich mit meinem Vorhaben voran, die Roboter- und Foundation-Reihe von -Großmeister Isaac Asimov durchzuarbeiten, bislang weitestgehend eine schmerzliche Lücke in meinem persönlichen Kanon. Nach I, Robot habe ich nun den zweiten Band „Geliebter Roboter“ ausgelesen.

Dieser ist erneut eine Sammlung kurzer bis mittellanger SF-Stories, die Asimov in den 50er Jahren geschrieben hat. Im Gegensatz zum ersten Band hängen diese Geschichten nicht einmal lose miteinander zusammen und nur wenige handeln von Robotern oder anderen denkenden Maschinen. Bei diesen geht die Vorstellung, dass sie Teil des Foundation-Epos‘ sind, noch einigermaßen auf. Bei anderen eher nicht.1

KI und Roboter

Die titelgebende Geschichte hätte wunderbar in den Band davor gepasst. Sie ist die einzige, in der es dezidiert um die klassischen Asimov’schen Roboter mit ihren drei Grundgesetzen geht. Hier hat sogar die Robot-Psychologin Dr. Susan Calvin einen kurzen Auftritt. Leider ist es auch die Geschichte, in der Asimovs allzu zeitgenössisches Frauenbild seinen Ausdruck findet. Die einzige Motivation der weiblichen Hauptfigur ist, ihrem Mann und der Gesellschaft zu gefallen, indem sie die perfekte Hausfrau verkörpert, was der ihr zur Seite gestellte Roboter durch wieder einmal sehr kreative Auslegung der drei Robotergesetze ermöglicht.

In den anderen KI-Geschichten spielt oft der Großrechner Multivac eine Rolle. In der aus heutiger Sicht etwas archaischen Vorstellung ist die künstliche Intelligenz hier zentral auf einen gigantischen Computer konzentriert, der nach und nach elementare Funktionen der menschlichen Gesellschaft übernimmt.

So bestimmt er in einer Geschichte fast eigenständig, wer nächster Präsident der USA werden soll. Lediglich ein einziger nach kompliziertem Verfahren ausgewählter Wähler nimmt als letztes demokratisches Element auf diese Entscheidung Einfluss. Diese Story ist aus mehreren Gründen amüsant. So spielt sie im Jahr der Obama-Wahl2 und erinnert – auch wenn kein Zusammenhang besteht – an den Film „Swing Vote“3, der zeigt, dass das amerikanische Wahlsystem rein theoretisch schon jetzt einen Einzelnen zum Bestimmer des Präsidenten machen könnte. Schließlich vermittelt Asimov nie den Eindruck, dass dieser Grad der Automatisierung zum Nachteil wäre. Ein bisschen Fortschritts-Optimismus finde ich inzwischen ganz angenehm.

Andere Science-Fiction-Tropes

In den anderen Geschichten werden in recht klassischer Form4 die anderen bekannten SF-Themen behandelt: Zeitreise, Erstkontakt mit Außerirdischen bis hin zu Gedankenübertragung mittels Traummaschinen. Allesamt sehr einfallsreich und oft auch durchaus witzig.

Ein wenig Fantasy

Ein wenig überrascht haben mich die beiden Geschichten, die am ehesten den Genres Fantasy oder Mystery zuzuordnen sind und mit biblischer Mythologie spielen. In der einen entkommt der Held dem Pakt mit einem Dämonen durch geschickte Nutzung der vierten Dimension, in der anderen schildert Asimov eine recht eindringliche biblische Weltuntergangsvision, die der zuständige Erzengel aber zum Glück dann doch noch abwenden kann. Auch sowas hatte der alte Meister also drauf.

Weiter geht’s mit Robin Williams

Als nächstes ist dann Der 200 Jahre Mann an der Reihe. Die Verfilmung mit Robin Williams habe ich noch blass in Erinnerung, womöglich drehe ich mir die parallel zur Lektüre auch noch einmal rein. Ich werde berichten.

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  1. was aber kein Drama ist[]
  2. 2008[]
  3. ebenfalls 2008[]
  4. kein Wunder: Asimov ist ja auch der definierende Klassiker[]

Das Große Nerdlicht-Abecedarium: G

Ein ist eine muntere alphabetisch sortierte Auflistung von Begriffen – im Grunde ein kleines Lexikon, das sich nicht allzu ernst nehmen muss. Wie geschaffen für eine -Rubrik. Lest und bestaunt also das Große Nerdlicht-Abecedarium!

Diesmal zum Buchstaben G wie

Galaktische Söldner, die

Es begab sich in den letzten Monden der 90er Jahre, dass die -Redaktion mit der FanEdition eine halb-professionelle neue Romanheftreihe ins Leben rief, in der sich ambitionierte Autorinnen und Autoren aus dem Hobby- und Fanbereich im Perryversum ausprobieren durften. Und wer hat damals den ersten Band geschrieben? Ganz genau! Meiner einer!

Der Heftroman ist inzwischen längst vergriffen, ihr könnt ihn euch bei Interesse aber gern hier als PDF1 herunterladen: Perry Rhodan FanEdition Band 1: Die Galaktischen Söldner.

Auch wenn ich noch einige Folgeabenteuer der Söldnertruppe geplant – aber nie geschrieben – hatte, steht das -Abenteuer durchaus für sich allein und kann auch gut ohne großes Rhodan-Wissen gelesen werden.

Generation X

Ich halte nicht allzu viel von dieser Generationeneinteilung. Meiner bescheidenen Meinung nach ist das Verhalten der jeweiligen Großeltern-, Eltern- und Kindergenerationen zueinander seit Anbeginn der Menschheit nahezu identisch. Andere demografische Umstände2 halte ich für wesentlich prägender als das konkrete Geburtsjahrzehnt.

Sei es wie es sei, dieser ungebrochen beliebten Einteilung folgend gehöre ich zur Generation X. Und was macht das mit mir? Naheliegenderweise habe ich dadurch einen gewissen Hang zu Musik, Filmen, Serien und weiteren popkulturellen Erzeugnissen aus der Zeit meiner Kindheit und Jugend. Ich lehne es aber ab, alles aus dieser Ära nostalgisch zu überhöhen. Auch damals gab’s ganz viel Mist – und vieles ist heute besser.

Interessant finde ich in der laufenden Diskussion, dass die Generation X weitgehend ausgenommen wird. Es ist immer von Boomern und Gen Z die Rede, hin und wieder auch von den Millennials – aber meine Truppe wird weitgehend in Ruhe gelassen.3

Goetheblick

Von Geburt an habe ich in meinem linken Auge eine starke Fehlsichtigkeit, die am ehesten einer Weitsichtigkeit entspricht. Das rechte ist soweit in Ordnung, außer dass es in meiner Jugend eine normale Kurzsichtigkeit entwickelt hat. Irgendwann hat mir mal ein Augenarzt eröffnet, dass man so etwas – ein Auge weitsichtig, das andere kurzsichtig – den nennt. Der olle Geheimrat hatte wohl ein ähnliches Leiden.

Das hat mich schwer beeindruckt, weswegen ich es oft und gern zum Gesprächsthema gemacht habe. Unter anderem auch bei der allerersten Unterhaltung, die ich mit meinem alten Freund und Kupferstecher Andres geführt habe. Dabei hat sich nämlich ergeben, dass auch er diese augenärztliche Besonderheit hat. So etwas verbindet.4

Seit über zehn Jahren versprechen wir uns daher: Sollten wir irgendwann einmal einen gemeinsamen machen wird er Goetheblick heißen. Rein aus Testzwecken hatte ich 2015 zwei Solo-Sendungen aufgenommen: Lauschet dem Goetheblick!

Goodreads

Als alte Leseratte dokumentiere und tracke ich gern meinen Lesestoff, wie man das heute so macht in aller Öffentlichkeit vulgo online. Die Plattform meiner Wahl ist schon seit längerem Goodreads.5 Schaut dort gern vorbei, falls ihr mal schauen wollt, was ich so lese.

Gratis Comic Tag

Der Free Comic Book Day ist in den US of A schon lange eine Institution. 2010 wurde der auch im deutschsprachigen Raum eingeführt. Seit dem ersten GCT war ich jahrelang recht regelmäßig am Start wenn am Hochfest der Neunten Kunst in die einschlägigen Läden geströmt wurde, um für umme abzugreifen.

Es war ursprünglich auch der Sinn des ganzen, den Fachhandel zu fördern und die Lesendenschaft in die lokalen Comicläden zu locken. So richtig hat das vermutlich nie geklappt, eigentlicher Nutznießer sind selbstverständlich die Verlage.

Was die sich allerdings dabei gedacht haben, diese ehrwürdige Veranstaltung seit 2024 nur noch für die Zielgruppe „Kids & Teens“ auszurichten, will mir bis heute nicht einleuchten.


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  1. Transparenzhinweis: es liegt bei Google Drive[]
  2. Geschlecht, Geburtsort und so Sachen[]
  3. oder schlicht den Boomern zugerechnet, was das ganze „System“ auch wieder über den Haufen wirft[]
  4. neben der gemeinsamen Begeisterung für Lego, Star Trek, Fernreisen und Cheeseburger[]
  5. tatsächlich sogar lange bevor das große böse A sie übernommen hat[]

Nerdlicht früher: Teekannen, Olympos und ein Schreibwettbewerb

Auf meinem haben sich seit 2007 etliche Artikel angesammelt. Wie ich finde, kann man ein paar davon immer noch gut lesen. Grund genug für eine unregelmäßige -Rubrik.

Vor fünf Jahren habe ich fleißig mein allwöchentliches Blogtagebuch1 befüllt. Unter anderem beklagte ich damals das Ende meiner geliebten Teekanne2 und werkelte schon in dieser Zeit an meinen Raketenmärchen herum.3 Vor zehn Jahren habe ich regelmäßig Lesetagebuch geführt.4 Darin ging’s dann meist – aber nicht nur – um . Und vor 15 Jahren habe ich allen Ernstes einen -Schreibwettbewerb losgetreten, um das 50-jährige Jubiläum der größten -Serie der Welt zu ehren.5

Aber lest selbst:

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  1. somit eher ein Wochenbuch – aber wie heißt es bei Loriot so schön: „Apfel Helene gibt es gar nicht“[]
  2. inzwischen habe ich mich übrigens für das beschriebene Designermodell entschieden, das tatsächlich fast gar nicht pütschert[]
  3. die in diesem Jahr aber wirklich endlich „fertig“ werden – echt jetzt[]
  4. auch nicht täglich[]
  5. hey, das heißt ja, dass Perry Rhodan dieses Jahr 65 wird[]

Das Große Nerdlicht-Abecedarium: F

Ein ist eine muntere alphabetisch sortierte Auflistung von Begriffen – im Grunde ein kleines Lexikon, das sich nicht allzu ernst nehmen muss. Wie geschaffen für eine -Rubrik. Lest und bestaunt also das Große Nerdlicht-Abecedarium!

Diesmal zum Buchstaben F wie

Fantasy

Ich habe es schon in anderen Zusammenhängen erwähnt:1 ich bin nicht der Entweder-oder-, sondern vielmehr der Sowohl-als-auch-Typ. Entsprechend handhabe ich es auch bei den fantastischen Genres, ich liebe und gleichermaßen. Und auch wenn es in die Subgenres geht, kann ich den meisten etwas abgewinnen, sei es nun epische -Mythologie oder rustikales Conan-Gekloppe. So lange eine gute Geschichte erzählt und eine einfallsreiche Welt beschrieben wird bin ich dabei. Und manchmal versuche ich mich sogar selbst daran, so etwas zu schreiben.

Fate

Bis in die Zehnerjahre hinein habe ich recht intensiv dem Pen-and-Paper gefrönt. Dabei habe ich etliche Rollenspielsysteme kennen und schätzen gelernt, darunter hat eine gewisse Sonderstellung eingenommen. Im Vergleich zu anderen Systemen habe ich es gar nicht mal übermäßig häufig gespielt, dennoch haben wir uns in unserer Gruppe und im angeschlossenen Ausgespielt-Podcast oft und gern damit beschäftigt.

In dem System wird zwar auch mit Werten und Würfeln gearbeitet – aber es wird deutlich mehr Wert auf den erzählerischen Aspekt gelegt. So ist es hier bereits in der Charaktererschaffung oder gar im Weltenbau möglich, diese zum einen spielerisch zu gestalten und zum anderen besser mit der Kampagnenhandlung zu verweben. Schließlich können Spieler sogar punktuell das Erzählrecht übernehmen, was sehr reizvoll ist.

Als das Regelwerk in Form von Malmsturm 2011 erstmals auf deutsch auf den Markt kam, habe ich mich in den Folgemonaten sogar dazu hinreißen lassen, selbst eine kleine Fate-Kampagne zu leiten. Hat Spaß gemacht.

Fediverse

Ich bin nur Anwender, kein Experte, daher seht mir meine oberflächliche Beschreibung nach. Ich verstehe es zumindest so, dass unter dem Begriff alle föderierten Sozialen Netzwerke zusammengefasst werden, die mit demselben Protokoll arbeiten und daher prinzipiell miteinander kommunizieren können. Das bekannteste dürfte sein.

Ich muss zudem gestehen, dass ich all dies bislang vor allem in der Theorie bewundere. In der Praxis werde ich mit dem Wollelefanten zwar kontinuierlich aber nur in winzigen Schritten warm und wärmer.2

Einen anderen Schritt, nämlich dieses Blog hier zu einem Teil des Fediverse zu machen, habe ich immerhin schon zu einem guten Stück vollzogen. Mithilfe des -Plugins ActivityPub ist mir das bereits 2024 gelungen. Seitdem werden alle meine Artikel auch bei Mastodon reingespült. Für dieses Jahr habe ich mir fest vorgenommen, auch die fehlenden Komponenten nachzuziehen, damit ich mit diesem Blog auch anderen Accounts folgen und es wie einen „richtigen“ Mastodon-Account nutzen kann.

Filme

Klar mag ich Filme. Wer tut das nicht? Mein Schwerpunkt liegt erwartungsgemäß bei den fantastischen Streifen und meine Allzeit-Lieblinge dürften 2001 und LotR sein – wie so ein alter Gen-X-Mann, der ich nunmal bin.

Finn Mühlenkamp

Diesen Künstlernamen trage ich seit 2023 mit mir herum, denn unter diesem erschien in jenem Jahr mein erstes richtiges namens Mette vom Mond.3 Genaugenommen sind darunter auch meine Frau und Tochter subsumiert, da sie wesentlich zu besagtem Buch beigetragen haben. Ob der Name Finn Mühlenkamp alsbald wieder auf einem Buchtitel prangt, wird sich zeigen.

Fundsachen

Vor etlichen Jahren habe ich meine vor noch etlicheren Jahren begründete Rubrik der eskapistischen Links in Fundsachen umbenannt. Die Idee war, meinen Webfundstücken einzelne ausführlichere Artikel zu gönnen. Auch schon wieder etwas her, dass ich diese Rubrik bedient habe, was auch daran liegt, dass ich das Thema Webfundstücke zur Zeit in den Newsletter auslagere.4 Mal gucken.

Fußnoten

Bereits seit 2020 greife ich in diesem Blog immer mal wieder zum Stilmittel der Fußnote.5 Dabei hilft mir sehr zuverlässig das wunderbar einfache WordPress-Plugin Footnotes Made Easy.


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  1. Lego/Playmobil, Star Trek/Star Wars, Marvel/DC[]
  2. irgendwie sagt mir Bluesky einen winzigen Ticken mehr zu[]
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  5. guckst du hier[]

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