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Lesetagebuch: „Der Techno-Mond“ von Andreas Eschbach

Dieses Wagnis scheint durchaus kein reines Lippenbekenntnis zu sein, denn Der Techno-Mond markiert nicht nur einen neuen Handlungsabschnitt sondern auch den Wechsel in der Exposé-Redaktion. Autor des Jubiläumsbandes ist zudem niemand geringeres als der Bestsellerautor Andreas Eschbach („Die Haarteppichknüpfer“, „Das Jesus-Video“).

Tatsächlich meint man es mit dem Neuanfang offenbar ernst. Es hat den Anschein, dass die neuen Exposé-Verantwortlichen mit etlichen Handlungselementen der letzten zehn Jahre brechen und eingefahrene Gleise der letzten 700 Bände verlassen wollen.

Andreas Eschbach – ein alter Freund der Serie

Der Band ist komplett danach ausgelegt, neue Leser für die größte und älteste (noch laufende) Science-Fiction-Romanserie der Welt zu gewinnen. Mit Andreas Eschbach wurde ein Autor gewonnen, der allein durch seinen Namen etliche Leser in die Bahnhofsbuchhandlungen locken dürfte, die sonst nichts mit Perry Rhodan am Hut haben. Als SF-, Thriller- und Jugendbuchautor ist Eschbach schon seit Jahrzehnten regelmäßig in Bestsellerlisten vertreten – mithin ein „schweres Geschütz“. Allerdings ist dies nicht sein erster Perry-Rhodan-Roman. Als Gastautor hat er in der Vergangenheit bereits drei Hefte zur Serie beigesteuert – und nie einen Hehl daraus gemacht, großer Fan derselben zu sein.

Völlig neuer Handlungsabschnitt

Weitaus radikaler mutet da fast der Schnitt an, der in der Meta-Handlung und ihrer Struktur gemacht wurde. Mit Band 2700 übernehmen Christian Montillon und Wim Vandemaan die Exposé-Verantwortung von Uwe Anton. Dieser hat mit Band 2699 die von ihm verantworteten Handlungsstränge zu einem recht endgültigen Ende bringen – und bei der Gelegenheit auch gleich ein paar Protagonisten entsorgen müssen. Damit soll sichergestellt werden, dass der Leser eine garantiert leere Bühne vorfindet, die kaum Vorwissen erfordert – zumindest was die Ereignisse der letzten paar hundert Hefte angeht.

Ab mit alten Zöpfen!

Uwe Anton hatte die Exposé-Verantwortung seit 2009 inne. Er übernahm sie damals von Robert Feldhoff, der in jenem Jahr überraschend verstorben war. Feldhoff hatte die Geschicke der Serie seit dem Jahr (und dem Band) 2000 alleinverantwortlich gelenkt. Anton hatte in seiner „Amtszeit“ etliche Ideen Feldhoffs weitergeführt, sodass mit dem vorliegenden Band tatsächlich eine 13-jährige und 700 Bände währende Ära ihr Ende findet. Eine Ära, mit der nun ganz bewusst gebrochen werden soll.

Zur Handlung (ab hier besteht leichte Spoilergefahr)

Doch nun endlich zum Inhalt des Jubiläumsbandes: Wir befinden uns in einer ungefähr 3000 Jahre fernen Zukunft, genau genommen im Jahr 1514 Neuer Galaktischer Zeitrechnung (= 5101 AD). Seit den Ereignissen des vergangenen Zyklus‘ sind fast 45 Jahre vergangen. Das Sonnensystem mit der Erde ist an seinen angestammten Platz zurückgekehrt (ja, man hatte es zuvor entführt), alle außergalaktischen oder gar außeruniversellen Bedrohungen sind soweit beseitigt – alles ist gut. Wenn da nicht der Mond wäre, der auf einmal nicht mehr erreichbar ist. Der vertraute Trabant der Erde – längst bewohnt von Millionen Menschen – ist nun (nachdem er eine Weile verschwunden war) von einem grünlich leuchtenden Gewirr technischer Bauwerke und Strukturen umgeben. Ein undurchdringlicher Schutzschild verhindert seit zehn Jahren, dass jemand auf dem Mond landen und sich die Sache mal genauer anschauen kann. Eine akute Gefahr geht von dem veränderten Mond zwar nicht aus – dennoch bekommen es viele Menschen mit der Angst zu tun und verlassen die Erde.

Zurück zu den Wurzeln

Doch Rettung naht. Denn niemand geringeres als der Unsterbliche Perry Rhodan plant eine Expedition zum Mond an Bord eines experimentellen Raumschiffs, das die bislang undurchdringliche Barriere überwinden soll. Damit kehrt die Serie insofern zu ihren Wurzeln zurück, als dass besagter Rhodan in diesem Universum der erste Mensch war, der 1970 den Mond betreten hat (Band 1 erschien im Jahr 1961, als noch niemand einen Neil Armstrong kannte). Der Roman selbst beschreibt eigentlich nur die aktuelle Lage auf der Erde, im Sonnensystem und der gesamten Galaxis (es kriselt gerade ein wenig zwischen den außerirdischen Völkern der Blues und Tefroder) – meist aus der Sicht Rhodans – und endet mit dem Aufbruch des Helden zum Mond sowie dem obligatorischen Cliffhanger.

Wiederholung als Erfolgsrezept

Der Kenner weiß: So neu ist das alles natürlich nicht. Zwar beginnt der neue Handlungsabschnitt einmal nicht mit einer Invasion der Milchstraße – dennoch sieht sich die Menschheit am Ende erneut mit hoffnungslos überlegenen Gegnern konfrontiert, als sich die „Besatzer“ des Mondes schließlich doch offenbaren. Und wieder werden den Helden Rätsel aufgegeben, die letztlich nur aus fremdartigen Begriffen bestehen, deren Erläuterung vorenthalten wird – in diesem Fall das Atopische Tribunal, das über Perry Rhodan und die gesamte Milchstraße richten will. Auch wenn man vom Gigantismus der vergangenen Zeiten (da wurden Sonnensysteme versetzt und ganze Universen erschaffen) diesmal Abstand zu nehmen scheint, wird der Ablauf ein bekannter sein. Expeditionen werden dem Tribunal gegebenenfalls unter dem Einsatz von Zeitreisen auf den Zahn fühlen. Wissenschaftler werden sich daranmachen, den (waffen-)technischen Vorsprung aufzuholen, die ein oder andere Raumschlacht wird geschlagen und am Ende werden alle Rätsel gelöst und alle Gegner überwunden sein. Doch genau diese wiederkehrenden Elemente sind seit fünf Jahrzehnten das Erfolgsrezept der Serie.

Auf die Umsetzung kommt es an

Man merkt den Machern den unbedingten Willen zum Neuanfang nebst Rückgriff auf bewährte Erfolgsrezepte an. Es wird sich (zunächst) auf Schauplätze in der heimischen Milchstraße und dem Sonnensystem „beschränkt“. Man fokussiert sich fast ausschließlich auf den titelgebenden Haupt-Protagonisten. Eschbach ist natürlich ein routinierter Autor, dessen Schreibe flüssig und angenehm zu lesen ist. Doch selbst durch ihn springt der Funke nur selten über. Das Haupt-Thema des ganzen Romans, die bedrohliche Veränderung des Mondes, wird recht kühl referiert und kaum erlebbar gemacht. Gerade ein Eschbach müsste das Prinzip show don’t tell doch verinnerlicht haben. Das Innenleben eines 3000 Jahre alten Helden wie Perry Rhodan so zu beschreiben, dass es einigermaßen mainstream-tauglich bleibt, ist sicherlich nicht leicht. An der Aufgabe, ihn menscheln und vertanen Vaterfreuden nachtrauern zu lassen, scheitert aber auch ein Andreas Eschbach.

Wieviel Science-Fiction steckt in Perry Rhodan?

An dieser Stelle misslingt der Neuanfang deutlich. Dabei sei auch hier zugestanden, dass der Erfolg der Serie auf Kontinuität und Wiederholung basiert. Das hat aber zur Folge, dass die Erde des beginnenden sechsten Jahrtausends noch immer so wirkt, wie man sich die Zukunft in den 50er oder 60er Jahren vorgestellt hat. Retro-Futurismus hat unbenommen seinen Charme – ob man es aber noch Science-Fiction nennen darf, wenn die eigene Gegenwart dem Leser oft moderner vorkommt als die bei Perry Rhodan (kurz: PR) beschriebene Zukunft? Wo heute in jedem Büromeeting der Beamer angeschmissen wird, sortiert man bei PR noch beschriftete Folien (und legt sie gar auf einen Overheadprojektor?). Und ein Internet scheint es im Perry-Rhodan-Universum wohl nie gegeben zu haben. Das gute alte Fernsehen feiert noch in 3000 Jahren in Form des Trivid fröhliche Urständ. Aber das muss man einfach wissen: SF beschränkt sich bei PR schon immer auf interstellare (und sogar intergalaktische) Raumfahrt, unbegrenzte Energiequellen und mächtig viel Feuerkraft im All.

Erfolgreicher Neuanfang?

Ein objektives Fazit fällt gerade mir persönlich nicht leicht. Dazu muss ich gestehen, dass ich noch bis vor zehn Jahren zur treuen und begeisterten Kern-Leserschaft der PR-Serie zählte – dann aber mit einem Mal die Lust verlor. Vieles von dem, was mich damals angeödet oder gar geärgert hat, scheint mit diesem Neuanfang durchaus der Vergangenheit anzugehören – dennoch reicht es nicht, mich zurück in den Schoß der Stammleserschaft oder gar des Fandoms zurückzuholen. Mir fehlt mittlerweile einfach der „echte“ Science-Fiction-Aspekt: Transhumanismus, künstliche Intelligenz oder die Zukunft der Kommunikation als Kernthema der Handlung. Das einzige, was in dem Roman halbwegs mein Interesse zu wecken vermochte, war die Geschichte mit dem Medusa-Planeten, den der Milliardär mit dem Russen-Mafia-Fimmel (im Jahr 5000!) mit Rhodans Unterstützung suchen will. Aber nur, um diese Nebenhandlung zu verfolgen, werde ich mit Sicherheit nicht wieder in die Serie einsteigen. Der Techno-Mond ist definitiv nicht Eschbachs bester Roman – auch nicht in der Reihe seiner PR-Gastromane. Dennoch markiert er glaubhaft den Willen der PR-Macher zum Neuanfang. Nur gelingen muss er ihnen noch.

Perry Rhodan reloaded – besser spät als nie

Mit 14 Monaten Verspätung habe ich endlich meinen Beitrag zu dem von mir losgetretenen Schreibwettbewerb „Perry Rhodan reloaded“ fertiggestellt. Hiermit erkläre ich die Wahl vom August 2011 für ungültig – und mich selbst zum alleinigen Sieger!

Ich beliebe zu scherzen. Der Drops ist selbstredend gelutscht, ich präsentiere mein Geschreibsel hiermit außer Konkurrenz. Ohnehin hat’s gegen die rechtmäßig gewählte und geehrte Siegerstory von Michael Tinnefeld keine Chance.

Perrikles der Okeanide

Mein Ansatz war, Band eins der Originalserie Unternehmen Stardust in ein pseudo-antikes Fantasy-Szenario zu versetzen. (Wir erinnern uns: Die Aufgabe war, eine klassische Perry-Rhodan-Story in ein anderes literarisches Gewand zu kleiden.) So wurde aus dem „Erben des Universums“ folglich der „Okeanide“. Perrikles und seine Mannen bereisen den Argonauten gleich den Weltenozean – und treffen dabei auf Kreaturen, mit denen nie ein Danaer gerechnet hatte. Schmökert gerne einmal rein:

Perrikles der Okeanide – die Fahrt der Sternenstaub

Lesetagebuch: Perry Rhodan Neo

Kampfstern Galactica hat es getan, Star Trek hat es getan, Marvel und DC tun’s ständig (letztere gerade in extremem Maße) – da ist es nur folgerichtig, dass Perry Rhodan sich auch mal dran versucht: am kompletten Neustart, Reboot, Reload, oder wie auch immer man es nennen möchte.

Die Idee ist so naheliegend, dass sie natürlich schon seit Jahren wenn nicht Jahrzehnten immer mal wieder im Fandom diskutiert wird – und sicher auch schon länger den PR-Autoren und -Redakteuren im Kopf herumspukt.

So wird jeder zweite PR-Fanautor sein eigenes Konzept dafür auf der Festplatte schlummern haben (auf einer gemeinsamen Idee basiert zum Beispiel Alex Kaisers Ultimate Perry Rhodan – und unser Rhodan-reloaded-Projekt hatte natürlich dieselbe Grundidee).

Die Zukunft beginnt von vorn …

Zum 50-jährigen Jubiläum der Perry Rhodan Serie machte man auch von offizieller Seite ernst mit dieser Idee. Parallel zur klassischen Erstauflage erscheint seit vergangenen Freitag mit Perry Rhodan Neo der Neustart des Perryversums.

Da ich der Grundidee eines Reboots der klassischen Handlung sehr zugetan bin, habe ich mir den ersten Band Sternenstaub von Frank Borsch sogleich zugelegt und gelesen. Um das Urteil vorweg zu nehmen: Es hat mir gar nicht gefallen. Das werde ich im Folgenden etwas detaillierter begründen.

Warum das Ganze?

Wenn man den Neustart einer Serie unternimmt, sollte man meiner Meinung nach dabei gewisse Kriterien erfüllen. Schließlich gibt es durchaus Gründe, das zu tun (jetzt mal abgesehen vom Erschließen neuer Zielgruppen und Käuferschichten), denen man genügen muss.

Hauptgrund ist sicher, eine zeitlose gute Geschichte, deren Entstehungsumfeld vielleicht ein wenig angestaubt ist, in eine neue Zeit zu übertragen. Liest man den ersten Band der Originalserie Unternehmen Stardust von K. H. Scheer (was ich kürzlich erst getan habe), kann man den Eindruck gewinnen, dass so etwas angebracht wäre.

Bei der Gelegenheit kann man gern ein paar Plot-Lücken, Stilblüten und Logik-Schnitzer ausbügeln. Und schließlich muss ein Sahnehäubchen drauf – etwas neues, besonderes, ein Clou, eine kleine Änderung der Originalhandlung, um ihr eine interessante Variante zu verpassen. Plus ein paar Anspielungen für die Altfans als Streusel.

Das alles will wohl dosiert sein. Die einhellige Meinung ist, dass dies bei Galactica, Star Trek, dem Marvel-Ultimate-Universum und dem DC-Neustart recht gut gelungen ist. Warum bei Perry Rhodan Neo nicht?

Enterprise Sternenstaub

Scheers Originalband fasziniert durch die technisch akkurate und dennoch spannende Schilderung des Mondflugs, den Anspruch, die Historie der Menschheit „realistisch“ fortzuschreiben und die Vision, die damals akute Bedrohung des atomaren Weltuntergangs zu überwinden. Diese Faszination hätte eine neue Version aufgreifen müssen.

Scheers Originalband krankt (wie die ganze Serie) an der nachvollziehbaren Darstellung von Öffentlichkeit und gesellschaftlichen Zusammenhängen, an der Beschreibung der außerirdischen Arkoniden und des Ersten Kontakts mit ihnen, sowie an den Handlungsschwächen, dass niemand sich an der faktischen Menschenähnlichkeit der Fremden stört und diese nicht in der Lage sind, Leukämie zu heilen. An diesen Schwächen hätte eine neue Version arbeiten können – und auf gar keinen Fall neue hinzufügen dürfen.

Ich zumindest hätte mir von Borschs Sternenstaub einen technisch korrekten Mondflug, eine realistisch dargestellte Zukunft (in diesem Fall des Jahres 2036), und einen faszinierenderen Ersten Kontakt mit den Arkoniden gewünscht. Bekam ich aber nicht.

Enttäuschender Mondflug

Ich werde im weiteren Verlauf recht genau auf die Handlung eingehen, um ihre Merkwürdigkeiten ausreichend darlegen zu können. Ab hier  gilt daher eine

WARNUNG VOR DEM SPOILER

Gleich auf den ersten Seiten musste ich mir die Frage stellen: Hat Frank Borsch jemals einen Shuttle-Start verfolgt? Wenigstens lässt er auch Bully und Rhodan rätseln, warum sie zu Fuß zur Rakete marschieren müssen – eine Auflösung gibt’s aber weder für sie noch für den Leser.

Warum die schon bei Scheer dämliche Pressekonferenz ihren Weg in die neue Version finden musste, erschließt sich mir auch nicht ganz. Ich habe den letzten Shuttle-Start per Internet-Livestream verfolgt. Ich glaube kaum, dass es in 25 Jahren noch Pressekonferenzen mit physischer Anwesenheit geben muss.

Dabei hab ich übrigens auch gut sehen können, dass die Astronauten mindestens zwei Stunden vor dem eigentlichen Start in ihre Sitze eingebaut werden. Bei Sternenstaub wirkte es so, als stiegen Perry und Co. in die Stardust (oh, Entschuldigung – STARDUST!) und flögen fünf Minuten später los.

2036?

Der Roman scheitert gleich zu Anfang daran (später legt sich das allerdings ein wenig), die Zukunft der Welt in 25 Jahren nachvollziehbar darzustellen. Ja, dieses Internet wird irgendwo am Rande erwähnt.

Hallo? Schon heute twittern Astronauten von der ISS. Den Shuttle-Livestream hatte ich bereits erwähnt. Spätestens in zehn Jahren wird jeder Mensch mit einem internetfähigen Kleinstcomputer durch die Gegend latschen, überall auf alle Informationen Zugriff haben und mit jedem kommunizieren können. Von Outernet und Augmented Reality will ich gar nicht erst anfangen.

Die Internet-Community müsste ein allgegenwärtiger Akteur in einem Roman aus dieser Zeit sein. Dafür gibt’s aber 2036 bemannte Mondbasen – trotz kaputtgesparter bemannter Raumfahrt. HÄ!?!

Ich sehe ein, dass es aus heutiger Sicht schwierig zu erklären ist, warum in 25 Jahren überhaupt zum Mond geflogen werden muss. Im Kalten Krieg war’s halt ein Prestige-Wettlauf – warum hätte es das 2036 nicht wieder sein können? Zum Beispiel im Wettlauf mit China. Stattdessen ist die STARDUST eine verzweifelte Rettungsmission für die bemannten Basen auf dem Mond, die sich nicht mehr melden. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: HÄ!?!

Also einerseits wird gesagt, dass es nur eine Prototyp-Rakete für den Mondflug gibt. Aber wie ist die Besatzung der Mondbasen denn auf den Mond gekommen? Wie wird sie versorgt und ausgetauscht? Und WARUM sind die da oben?

Mal abgesehen davon, dass am Ende des Romans keiner mehr einen Gedanken daran verschwendet, dass die Arkoniden die anscheinend alle abgemurkst haben. „Helfen wir doch dem armen leukämiekranken Crest, der mehrere Dutzend Menschen auf dem Gewissen hat.“

Handlungsebenen

Dem Mondflug der Astro-Helden werden noch zwei weitere Handlungsebenen auf der Erde zur Seite gestellt. Wie im Originalroman hat der gute Mercant seinen Auftritt – hier allerdings nicht als IIA-Chef, sondern als relativ kleines Homeland-Security-Licht. Eine der wenigen guten Ideen. Naja, eigentlich die einzige.

Dieser Mercant weiß um die Katastrophe, auf die die Welt zusteuert, und will sie mit seinen Mitteln verhindern. Indem er nämlich mit Gleichgesinnten gegnerischer Machtblöcke paktiert und gewisse militärische Anlagen sabotiert.

Als neue Idee und Handlungsebene wird der Shelter von John Marshall hinzugefügt. Der Australier der Originalserie wird hier zum Amerikaner, der nach einer Karriere als Banker seine soziale Ader entdeckt hat und ein Heim für Straßenkinder betreibt. Dabei läuft ihm ein gewisser Homer G. Adams als geheimnisvoller Gönner über den Weg – und es scheinen sich vor allem Kinder mit besonderen Begabungen um ihn zu sammeln.

Zudem soll diese Ebene den desolaten Zustand der Welt verdeutlichen. Die soziale Schere geht weltweit immer weiter auseinander, Finanzkrisen drohen und so weiter und so fort. Es ist bezeichnend, dass die Handlungsebene auf dem Mond die schwächste ist.

Damoklesschwerter

Scheer musste 1961 nicht groß erklären, warum die Welt am seidenen Faden hängt. Der Dritte Weltkrieg – gleichbedeutend mit der nuklearen Apokalypse – war ein allgegenwärtiges Schreckens-Szenario. Borsch tut sich sehr schwer damit, in der 2011er Version eine ähnlich eindringliche Bedrohung aufzubauen. Schon der Klappentext ist sich nicht einig, was genau nun das Problem sein soll: Umweltverschmutzung, Klimakatastrophe, Finanzkrise, Terrorismus, es ist irgendwie alles auf einmal – aber nichts davon konkret.

Der Meeresspiegel ist wohl gestiegen (daher kann man auch nicht mehr von Cape Canaveral aus starten, sondern muss Nevada Fields nehmen), die Zahl verheerender Hurricanes hat wohl zugenommen, irgendwie ist wohl die soziale Schere weltweit weiter auseinander gegangen, Finanzkrise ist auch ein gutes Schlagwort. Naja, und irgendwie haben wir auch wieder einen kalten Krieg mit China und Großrussland inklusive Stellvertreter-Kriegen und atomarer Bedrohung.

Wer ist hier eigentlich der Titelheld?

Wer noch nie was von Perry Rhodan gehört hat und als erstes dieses Neo-Bändchen in die Hände kriegt, wird sich vermutlich die Frage stellen, wieso die Serie überhaupt Perry Rhodan heißt. Warum nicht Reginald Bull? Oder John Marshall? Oder Leslie Pounder?

Es ist durchaus ein richtiger Ansatz, die Sidekicks des Helden nicht durchgehend wie Deppen darzustellen – aber irgendwie sollte Rhodan schon als Hauptheld aus den anderen hervorragen. Man gewinnt hier den Eindruck, dass das visionäre Element und die Sorge um die Situation der Menschheit komplett von Bully übernommen wird.

Es ist nicht mal Rhodan, der als erstes erkennt, dass man es auf dem Mond mit Außerirdischen zu tun hat. Dass weiß sogar Pounder schon – und es wirkt fast so, als habe er Rhodan eigentlich gezielt da rauf geschickt, um so zu handeln, wie er es dann auch tut. Zudem deutet sich an, dass noch bevor Rhodan überhaupt den Plan fasst, in der Gobi zu landen, bereits ein Netzwerk von Physikern und Geheimdienstlern (Mercant und Pounder) an einer Art Weltrevolution arbeitet. Rhodan als Erfüllungsgehilfe. Es bleiben eigentlich nur seine Pilotenkünste – Rhodan als Fahrer.

Das Heldentum Rhodans wird durch keine Eigenleistung begründet. Hier krankt Neo vermutlich am selben Phänomen, wie die Hauptserie. Es gelingt den Autoren nicht mehr, Rhodan darzustellen. Sie wollen den jovial-autoritären Scheer-Pragmatiker nicht – scheuen aber auch vor dem verträumt-abgehobenen Voltz-Visionär zurück. Es bleibt (so zumindest mein Stand von Band 2200) ein unbestimmter wischiwaschi-Lavierer. So erscheint er mir auch bei Borsch: Rhodan soll bloß nichts befehlen – soll aber auch bloß keine visionäre Meinung haben. Und warum muss dann die Serie nach ihm benannt sein?

Ganz nebenbei

Ich  hätte mich echt gefreut, wenn man bei Neo auf dieses dämliche Perry-Rhodan-Sprech Gravos verzichtet hätte. Das heißt „g“ oder meinethalben „G-Kräfte“, verdammt!

Unstimmigkeiten

Auch in der neuen Version scheint es niemanden zu stören, dass die Arkoniden ganz offensichtlich Menschen sind. Manoli macht zwar eine beiläufige Bemerkung, die er aber selbst wohl nicht allzu ernst nimmt. Und natürlich können auch diese Arkoniden nicht Leukämie heilen.

Als wäre das nicht genug, packt Borsch (bezieheungsweise der Expokrat) aber noch ein paar neue Unstimmigkeiten hinzu: den Quark mit den Mondbasen hatte ich bereits erwähnt. Richtig bescheuert fand ich den Plastiksprengstoff, den Bully zufällig dabei hat – ohne, dass er dann auch noch zum Einsatz kommt. Die Atombombe im Mond-Buggy fällt in eine ähnliche Kategorie.

Es ist auch nicht konsequent klar, wer jetzt eigentlich von den Außerirdischen weiß. Anscheinend ist es den Regierungen und Geheimdiensten auf der Erde bekannt – oder nicht? Mal weiß Bully davon – und dann tut er auf einmal wieder ganz erstaunt.

Letzter Kontakt

Der Erste Kontakt mit den Arkoniden – eigentlich doch der Schlüsselmoment des Romans – gerät zu einer müden Veranstaltung, die eher nebenher abgehandelt wird. Irgendwelche Schießereien in Greater Houston scheinen da wichtiger zu sein.

Ich weiß nicht, was die Ursache für das Scheitern des Neustarts ist – aber ich habe das Gefühl, dass versucht wurde, einen alten Perry-Rhodan-Roman wie einen neuen Perry-Rhodan-Roman zu schreiben. Das  ist in meinen Augen nicht konsequent genug. Man hätte versuchen müssen, einen alten Perry-Rhodan-Roman wie einen modernen SF-Roman zu schreiben.

Ich hatte ja so ein bisschen gehofft, mit PR Neo wieder zu meiner alten Liebe zurückzufinden – die Hoffnung hat sich zerschlagen. Dieser Perry-Rhodan-Fan hat seinen Abschied genommen.

Lesetagebuch: Gratis-Comic-Tag-Beute – Teil 1

Nach eingehendem Studium meiner Beute und ausreichendem Nachsinnen präsentiere ich hier endlich ausführlichere Rezis zum Gratis Comic Tag 2011.

Grundlage sind die Tweet-Rezis, die ich jeweils direkt nach dem Lesen in den Æther hinaus geschickt habe.

Zarla die kleine Drachenjägerin (+ Baker Street)

Tweet-Rezi 1: Zarla die kleine Drachenjägerin – sehr nette Fantasy nicht nur für Kinder. Baker Street – nur mäßig witzig.

Der recht klassische Fantasy-Comic aus Frankreich kommt humorig daher und scheint daher tendenziell eher für Kinder gemacht. Vom Stil her erinnert er mich ein wenig an Troll von Troy – allerdings ohne die übertriebene Brutalität. Die Titelfigur Zarla ist ein kleines Waisenmädchen, Tochter berühmter Drachenjäger, die von ihrem Großvater aufgezogen und darin bestärkt wird, selbst eine große Kriegerin zu sein. So zieht sie voller Selbstbewusstsein umher und stellt sich jedem Gefecht – ohne zu ahnen, dass sie nur dank der heimlichen Hilfe ihres treuen Werhundes stets siegreich aus den Kämpfen hervorgeht. Die Geschichte hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich erwäge ernsthaft, mir da demnächst mal ein paar Alben zuzulegen. Wäre in ein paar Jahren sicher auch was für mein Töchterlein.

Im selben Heft waren ein paar Kurzgeschichten aus der Reihe Baker Street zu finden. Wie der Name schon ahnen lässt, handelt es sich um über Sherlock Holmes. Es sind lustig gemeinte Storys, die Holmes und Watson oft eher etwas schusselig darstellen. Ich fands nur mäßig witzig.

Comic-Biographie: Frida Kahlo

Tweet-Rezi 2: Frida Kahlo – knappe und sehr hübsche Comic-Biografie, sowohl der Künstlerin als auch dem Medium angemessen.

Ich bin der Lieblings-Künstlerin meiner Gemahlin durchaus auch zugetan, vor allem, da sie ein sehr interessantes Leben in einer interessanten Zeit geführt hat.

Die Comic-Biographie handelt dieses recht knapp auf den zur Verfügung stehenden Seiten ab – wird ihm aber durchaus gerecht. Der Schwerpunkt liegt – neben der Kunst – auf der politischen Überzeugung von Frida Kahlo und der Art und Weise, wie sie sich als Frau in ihrer Zeit und Gesellschaft behauptet hat. Somit wird das Ganze auch der Frau und Künstlerin gerecht.

Die Zeichnungen sind bewusst einfach und „comichaft“ gehalten und greifen in diesem Stil etliche Motive aus den Bildern von Frida Kahlo auf. Hat mir gefallen.

Green Lantern: Secret Origin

Tweet-Rezi 3: Green Lantern – nicht mein Superheld und sein „secret origin“ hat mich nicht vom Hocker gerissen.

Ich kenne mich zugegebenermaßen bei den DC-Superhelden nicht so gut aus – und bis auf wenige Ausnahmen interessieren mich in diesem Universum eigentlich auch nur Geschichten mit Batman. Von Green Lantern weiß ich daher wenig – aber es reizt mich auch nicht sonderlich, mehr über ihn zu erfahren. Dennoch hab ich mir das Heft geschnappt, denn im letzten Jahr war die Ausgabe mit der Blackest Night durchaus interessant.

Diesmal ging es um Green Lanterns „geheime Entstehungsgeschichte“. In groben Zügen kannte ich die bis dato bekannte Version wie Hal Jordan zur Grünen Leuchte wurde. Die hier offenbarte „geheime“ Version ergänzte sich in einigen Anspielungen vermutlich auf die Blackest-Night-Sache. Naja, hat mich jetzt nicht vom Hocker gerissen. Batman kam halt nicht drin vor.

Perry – unser Mann im All: Gestrandet

Tweet-Rezi 4: Perry unser Mann im All – die beiden längeren Geschichten sind schwach, die kurzen aber allesamt überzeugend.

Ich werd und werde mit den neuen Perry-Comics nicht warm. Die alten aus den 70ern (?) hab ich als Kind immer gern gelesen (ich gebe gern zu, dass es sich hierbei um nostalgische Verklärung handeln kann). Aber die neuen aus der Alligator Farm wirken mir immer etwas zu bemüht: das aufgesetzte Sex-Element, der angestrengt alternative Touch der Handlung – teilweise nervts.

Auf die beiden längeren Geschichten in der GCT-Ausgabe trifft das wieder zu. Das Robinson-Gerammel mit Auris und die Die-Hard-Variation für Arme mit Perry sind einfach schwach.

Ganz anders aber die folgenden Kurzgeschichten in Comicform. Die waren teils witzig, teils tiefgründig – und allesamt besser gezeichnet. Highlight hier: Die in den 50er-Jahren angesiedelte Story um den jugendlichen und wie er zu seiner Narbe kam. Klasse!

Orbital – Band 1: Narben

Tweet-Rezi 5: Orbital – solide Science-Fiction mit grandiosen Zeichnungen.

In diesen SF-Comic hatte ich aus irgendeinem Grund die größten Hoffnungen gesetzt. Vermutlich sehne ich mich etwas nach guter – oder wenigstens gut gezeichneter – SF, nachdem bei Sillage irgendwie lange nichts mehr gekommen ist. (AAAH! Ich sehe gerade, dass es längst Band 11 gibt. Wieso sagt mir das denn keiner?!?)

Wie auch immer. Orbital beginnt sehr spannend mit der Eingliederung der Menschheit in die galaktische Völker-Gemeinschaft – was nicht so glatt über die Bühne geht. Dann setzt die Handlung etliche Jahre später wieder ein und schildert die Abenteuer eines der ersten Menschen, der in einer Art interstellaren UNO seinen Einsatz beginnt.

Die Handlung ist solide SF – aber die Zeichnungen sind grandios. Opulente Space-Opera, wie ich es mag. Insofern wurden die Hoffnungen durchaus erfüllt. Dennoch drängt es mich irgendwie nicht, alle Folgebände sofort nachzukaufen. Vielleicht war mir die Handlung trotz zahlreicher guter Ansätze doch etwas zu herkömmlich.

Marvel Comics: Thor (mit Iron Man)

Tweet-Rezi 6: Thor – Marvel liegt mir einfach mehr als DC (Ausnahme: Batman), nette Geschichte, coole Superhelden-Action.

Ich bin halt eher ein Marvel-Fanboy und gehe hier vielleicht etwas unkritischer ran, als an Vergleichbares aus dem Hause DC (außer, es geht um Batman). Mir gefiel das kleine Team-Up zwischen Thor und Iron Man jedenfalls.

In der Story wird Marvel-typisch auch geklotzt und nicht gekleckert. Von der Weltöffentlichkeit scheinbar unbemerkt haben nämlich einige Superreiche begonnen, den Mond zu terraformen und sich dort anzusiedeln. Aus irgendeinem Grund hat dies verheerende Auswirkungen auf das Erdklima.

Der Donnergott und Tony Stark können das natürlich nicht durchgehen lassen und jetten mal eben zum Erdtrabanten, um dort ordentlich aufzuräumen.

Total absurde Gigantomanie! Klasse!

Soweit Teil 1 meiner Nachlese – in Teil 2 geht’s weiter.

Original deutscher Dampf-Punk

Ich habe kürzlich mal wieder ein -Heft gelesen, da es mir von etlichen Seiten als sehr gut und auch für einen verbitterten Exleser wie mich als lesenswert angepriesen wurde.

So erstand ich denn den Band Nr. 2525 mit dem schönen Titel „Mit den Augen der Gaids“. Ich muss leider sagen, dass er mich nicht sonderlich vom Hocker gerissen hat. War nett zu lesen – aber damit war auch gut.

Rhodans Urvater

Aber darum soll es hier auch gar nicht gehen. Neben dem Roman enthielt der Band nämlich die allmonatlichen Club Nachrichten von Herrmann Ritter. Darin habe ich etwas sehr Interessantes entdeckt. Und zwar ist die Mutter aller deutschen SF-Heftromanserien – quasi der Urvater von Perry Rhodan – wieder als Original-Nachdruck erhältlich: „Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff“ aus den Jahren 1908 bis 1912.

Ich habe in der Vergangenheit schon viel über diese Reihe, die oft als eine der ersten SF-Romanheftserien der Welt bezeichnet wird, gehört – aber noch nie auch nur eine Zeile daraus gelesen.

Der entsprechende Wikipedia-Artikel gibt einen ganz guten Überblick – aus heutiger Sicht handelt es sich um astreinen Steampunk.

Ich habe keine Ahnung, ob sich das heute noch gut lesen lässt. Aber darauf werde ich es alsbald mal ankommen lassen. Das Retro-Feeling geb ich mir.

Jetzt bestellen!

Wer jetzt schon Retro-Feeling haben möchte, der gehe einfach auf die Website von Marianne Ehrig, denn dort preist die Mitherausgeberin der Neudrucke selbige in gruseligstem 90er-Jahre Webdesign an.

Eine Online-Bestellmöglichkeit gibt es nicht – dafür wird jedoch eine Bestelladresse angegeben. Jedes Heft kostet 6,- € plus Versandkosten. Erhältlich sind bereits die ersten 50 der insgesamt 165 Bände – weitere sind in Arbeit.

Kleine Bemerkung am Rande: Marianne Ehrig ist identisch mit Marianne Sydow, die früher unter diesem Namen etliche – und wie ich finde ausgesprochen gute – Perry-Rhodan-Romane geschrieben hat.

Damit schließt sich der Kreis.

Edit 2021: Marianne Ehrig ist leider im Jahr 2013 verstorben. Sie zählt unverändert zu meinen absoluten Lieblings-Autorinnen und Autoren. Ihre Rhodan-Romane zählen zu den besten. Die oben verlinkte Website existiert noch immer. Offenbar können die Nachdrucke dort unverändert bestellt werden. Ich habe mein entsprechendes Vorhaben jedoch nie umgesetzt.

PRRPG

Anlässlich des Jubeljahres der „Größten Science-Fiction-Serie der Welt“ möchte ich die Frage beleuchten, ob und wie sich Rollenspiel- und Perry-Rhodan-Welt überschneiden.

Rhodan und Rollenspiel – das muss doch gehen

Man möge mich korrigieren, aber ich bin der Überzeugung, dass die Schnittmenge derer, die wenigstens in der Vergangenheit mal ein Rhodan-Heft verschlungen haben, und jener, die sich ab und an mal an den Pen&Paper-Tisch begeben, recht groß ist.

Auf jeden Fall ist das gewaltige Perryversum wie geschaffen dafür, mit Würfeln bewaffnet erkundet zu werden. Umso erstaunlicher mag es da erscheinen, dass sich bislang nur zweimal an einer professionellen Rollenspielumsetzung versucht wurde – die beide scheiterten.

Bei der Gelegenheit interessiert es mich natürlich brennend, ob es nicht auch ein paar freie RPG-Umsetzungen gibt. Bei meiner – zugegeben oberflächlichen – Recherche bin ich nur auf den Bunix-Blog gestoßen. Hier wird das Vorhaben beschrieben, ein Rhodan-Abenteuer auf Basis des (mir unbekannten) Kader-13-Regelwerks zu erstellen.

Über weitere Hinweise und Linktipps würde ich mich sehr freuen.

Edit: Und da wurde ja auch schon ein toller Tipp in den Kommentaren hinterlassen. Es hat sich doch tatsächlich jemand die Mühe gemacht, je ein Perry-Rhodan-RPG auf GURPS– und auf Omnirole-Basis (kenn ich wieder nicht) zu entwerfen. Beide stehen auf omnirole.de zum Download bereit. Ich habe mir beide sogleich runtergeladen und überflogen. Aus mir nicht ersichtlichen Gründen ist die GURPS-Version auf englisch, stellt aber gutes Hintergrundmaterial für das Spiel in der Anfangszeit des Solaren Imperiums bereit. Die deutschsprachige Omnirole-Version bietet fast alle Epochen bis weit über Band 2000 hinaus als „Spielplatz“ an und wartet ebenfalls mit sehr gutem Hintergrundmaterial auf. Das Regelwerk scheint mir auf den ersten Blick recht „klassisch“ zu sein  die seitenweisen Tabellen wirken auf mich persönlich etwas abschreckend. Aber auf jeden Fall sind beides hervorragende Arbeiten. Danke für den Tipp, Pete!

Dünne Erfahrungsgrundlage

Ich selbst war bislang nur bei einem Rhodan-RPG-Versuch dabei (nachdem Testrunden am Pegasus-Stand auf der Spielemesse seitens des Veranstalters platzten – aber das ist eine andere Geschichte und lange her), der ebenfalls ohne „professionelle“ Grundlage erfolgte.

Wir saßen damals beisammen und beschlossen sehr spät am Abend einfach mal aus dem Stehgreif ein PR-Rollenspiel zu beginnen. Ich weiß nicht mehr genau, worum es ging, aber an unsere Charaktere kann ich mich noch ganz gut erinnern. Einer war ein Siganese, eine entschied sich wegen starker Übermüdung für eine schlafende Superintelligenz und ich war ein Blue.

Es hat Spaß gemacht, das weiß ich noch – allerdings ist es leider bei der einen Sitzung geblieben. Wie viele Jahre mag das jetzt her sein?

Professionelle Versuche

Egal – kommen wir zu den beiden professionellen PRRPG-Umsetzungen. Zum einen wären da die Raumkampfsimulation und das SF-Rollenspiel des Agema-Verlags aus den 90ern.

Da dieser Verlag schon nach fünf Jahren Existenz seinen Geist aufgegeben hat, sind die recht zahlreichen Bände heute nur noch schwer erhältlich. Auf etlichen Cons (als ich noch ein fleißiger PR-Fan und Congänger war) habe ich sie in der Vergangenheit rumliegen sehen, darin geblättert und mich für die sehr guten Zeichnungen begeistert. Heute ärger ich mich ein wenig, nie so ein Teil erstanden zu haben. Naja, vielleicht ergibt sich ja irgendwann wieder eine Gelegenheit.

Es ist heute zu lesen, dass sich das Rollenspiel – und die Raumkampfsimulation sowieso – durch sehr komplizierte Regeln auszeichnet. Dennoch könnte ich mir vorstellen, dass die Regel- und Ergänzungsbände (die im entsprechenden Perrypedia-Artikel aufgelistet sind) gute Hintergrundinfos und Abenteuerideen enthalten.

Und schließlich wäre da das Perry-Rhodan-Rollenspiel auf Midgard-Basis, das 2004 das Licht der Welt erblickte und am 31.12.2010 seinen letzten Atemzug tat. Das ganze startete bei Pegasus und wurde zuletzt bei VFSF in der „Edition Dorifer“ vertrieben. Neben dem Grundregelwerk gibt es drei Quellenbände und zahlreiche Abenteuer, die alle noch problemlos erhältlich sind. Allerdings ist die Lizenz ausgelaufen und wird nicht verlängert.

Wie bereits angedeutet ist mein einziger Konktaktversuch mit diesem Regelwerk bereits im Ansatz gescheitert. Hinzu kam, dass zu jener Zeit mein Interesse am Perryversum stark im Rückgang befindlich war. Zudem heißt es, dass das Regelwerk zu stark an bestimmte Epochen des Perryversums gebunden sei – und für mich würde es gerade den Reiz ausmachen, sich frei in den Jahrhunderten zu bewegen.

Wo sind die Rhodan-RPGler?

Würde mich sehr interessieren, ob es hier noch eine treue Spielergemeinde gibt, die eventuell sogar auf eigene Faust weiteres entwickelt. Oder geht das am Ende doch nicht zusammen, Perry Rhodan und Rollenspiel?

Aber wer weiß – vielleicht gibt es ja etliche enthusiastische Perry-Rhodan-Rollenspieler, die mich vom Gegenteil überzeugen und dafür begeistern können.

Und eventuell sind auch einige unter ihnen, die ich für unser kleines Jubiläums-Fan-Autoren-Projekt Perry Rhodan reloaded begeistern kann.

Lesetagebuch: Unternehmen Stardust

Ich habe bereits ausgiebig darauf hingewiesen: Die Romanheftserie Perry Rhodan wird in diesem Jahr 50. Aus diesem Anlass habe ich mir – unter anderem – erneut den allerersten Band geschnappt, mit dem 1961 alles begann.

Ich schätze es war das fünfte Mal, dass ich Unternehmen Stardust gelesen habe. Ich würde jetzt gern sagen, dass der Roman nichts von seiner Faszination eingebüßt habe … stimmt aber leider nicht ganz.

Alte Liebe rostet … nie so ganz

Als ich ihn das erste Mal las, war ich zehn Jahre alt. Es begann eine Jahrzehnte währende Karriere als mehr oder weniger kritikloser Fanboy. Heute, mit der abgeklärteren Distanz des Ex-Lesers, springen einem der eigenwillige Stil und die hölzernen Charaktere natürlich wesentlich deutlicher ins Auge.

Aber Stopp! Das wird hier jetzt auch kein Verriss. Ich finde den Roman keineswegs schlecht.

Stilblüten wie „Lesly Pounder, quadratisch von Gestalt und Charakter …“ lassen einen durchaus Schmunzeln – geben sie doch auch Zeugnis von den Umständen, unter denen Perry Rhodan entstanden ist. Es ist nun mal als „Schundheftchen“ gestartet – dieser Kategorie aber sehr schnell entwachsen.

Und vergessen wir nicht: die heute geradezu anspruchsvollen Superhelden-Graphic-Novels haben ihren Ursprung auch in übelster Kolportage. Man schaue sich nur ein beliebiges Marvel– oder DC-Comicheftchen aus den 60er Jahren an – ohne nostalgische Verklärung kann man das meiste davon heute auch kaum ertragen.

Kind seiner Zeit

Das andere ist das zeitliche Umfeld, in dem Perry Rhodan entstand. Ich habe die ersten Romane in den 80er Jahren gelesen. Zu dieser Zeit herrschte der Kalte Krieg – und die atomare Selbstvernichtung der Menschheit war als reale Möglichkeit im kollektiven Bewusstsein präsent. Kann durchaus sein, dass Unternehmen Stardust für heutige Leser, denen dieser historische Zusammenhang fehlt, nicht mehr die große Faszination ausüben kann.

Für die zwei, drei Leutchen, die die Handlung nicht kennen, sei sie schnell zusammengefasst: Wir schreiben das Jahr 1971. Amerikas erste bemannte Mission zum Mond startet unter dem Kommando von Major Perry Rhodan. Im Gegensatz zur Realität ist dies aber keine zivile NASA-Mission, sondern eine militärische Mission der US Space Force. Der Kalte Krieg ist noch schlimmer geworden. Gegenspieler der NATO ist aber längst nicht mehr der Warschauer Pakt – der spielt nur noch eine Nebenrolle – sondern die Asiatische Föderation unter der Führung Chinas.

In diesem globalen Spannungsfeld vermutet man erst das Schlimmste, als die amerikanische Mondrakete kurz vor der Landung anscheinend angegriffen und zur Notlandung gezwungen wird.

Doch dort auf dem Erdtrabanten wartet jemand, mit dem niemand gerechnet hat. Rhodan trifft auf Außerirdische, die dort notgelandet sind – und schmiedet einen Plan, der nichts Geringeres als die Einigung der Menschheit zum Ziel hat.

Wie ich finde immer noch eine gute Geschichte. Dennoch hat es mich nicht wieder gepackt. Band zwei und folgende werde ich mir nicht mehr zu Gemüte führen.

Und so schließe ich mit dem letzten Satz von Unternehmen Stardust:

„Major Perry Rhodan hatte seinen Abschied genommen.“

50 Jahre Perry Rhodan – Zeit für einen neuen Stil!

Dieses Jahr steht ein ganz besonderes Jubiläum an. Denn 1961 erblickte die größte -Serie der Welt das Licht derselben – somit wird die Romanheftserie 2011 stolze 50 Jahre alt.

Edit: Seit dem 15. August steht mit Michael Tinnefeld der glorreiche Sieger fest. Lobet und preiset ihn!

Dank für viele schöne Lesestunden

Auch wenn ich jetzt seit über sieben Jahren nicht mehr lese – dieser runde Geburtstag hat für mich doch einige Bedeutung und soll daher gebührend begangen werden. Schließlich hat mich die Serie doch lange Jahre – Jahrzehnte gar – begleitet und mir viele schöne Stunden bereitet. Bis ich ihr dann weniger in Zorn denn in Gleichgültigkeit den Rücken gekehrt habe – aber das ist eine andere Geschichte. Denn die Erinnerung an die „gute alte Zeit“ ist gerade in einem solchen Jubeljahr wach.

Perry Rhodan reloaded

Schon seit fast einem Jahr rumort in mir daher die Idee, einen Beitrag zu den Feierlichkeiten zu leisten. Die Idee lautet wie folgt: Schenken wir dem guten alten Perry doch ein neues Gewand – verpassen wir ihm einen neuen Stil – reloaden wir ihn zu seinen Ehren.

Die Idee ist nicht neu, ich weiß. Superhelden machen sowas ständig. Dasselbe mit Perry Rhodan zu tun ist auch allzu naheliegend. Schon vor über zehn Jahren haben wir an PR-Stammtischen darüber diskutiert, vor ein paar Jahren habe ich mit einem Freund das Thema mal wieder hervorgeholt – dieser hat, schreibwütig wie er ist, gleich ein paar hunderttausend Anschläge in die Tasten gehauen. Nachzulesen unter dem Titel Ultimate Perry Rhodan drüben bei Ace Kaiser.

Ein neues literarisches Gewand

Dennoch sei dies mein Vorschlag: Ihr da draußen, die ihr doch alle irgendwann mal ein Perry-Rhodan-Heft in der Hand hattet – tut es mir gleich und schnappt euch den ersten Band von 1961, lest ihn erneut … und schreibt ihn dann neu! Es muss nicht unbedingt ein moderneres Gewand sein, das wir ihm verpassen. Wie wäre es mit Steam-Punk? Manga- beziehungsweise -Mecha-Action? Western? Piraten-Abenteuern? (ob urban oder klassisch)? Oder am Ende gar Perry Rhodan … mit Zombies!?!

Und ja … es muss natürlich nicht Band 1 sein. Dem ein oder anderen wird in den letzten 50 Jahren ein anderer Moment viel mehr in wohliger Erinnerung sein: Guckys oder Atlans erster Auftritt, die Landung des ersten Ultraschlachtschiffs, legendäre Duelle wie das zwischen Atlan und Mirona Tethin, Perrys Verbindung mit BARDIOC, … Ich käme hier vom Hundertsten ins Tausendste.

Und schließlich muss nicht gleich jeder einen ganzen Heftroman schreiben. Eine gute Kurzgeschichte tut es natürlich auch.

Segen von ganz oben

Diese Idee trug ich kürzlich an Klaus N. Frick, den Chefredakteur der PR-Serie heran – und er war durchaus angetan. Mehr noch, er stellte sogar in Aussicht – so wir bis zu einem bestimmten Datum eine ansehnliche Anzahl vernünftiger Texte zusammenbekommen –, die besten Beiträge in eine Anthologie aufzunehmen. Dem Besten der Besten winkt gar ein Preis, der auf dem Weltcon überreicht werden soll.

Na, das lassen wir uns doch nicht zweimal sagen, oder?

Noch mal im Überblick:

  • Jeder von uns schnappt sich einen Roman oder eine Szene aus 50 Jahren PR, liest sie gegebenenfalls noch einmal – und schreibt sie dann in anderem Stile neu. Entweder als Kurzgeschichte (bis 25.000 Anschläge) oder als Heftroman (bis 200.000 Anschläge). Der Text muss neu in dem Sinne sein, dass er vor 2011 noch nirgendwo veröffentlicht wurde. Ach ja – so nett Crossover sind, mit der Verletzung von Markenrechten Dritter müssen wir fürchte ich vorsichtig sein.
  • Diskutieren und präsentieren wir unsere Werke auch während der Entstehung und tauschen wir uns rege aus! Schon ab der ersten Zeile können die Beiträge hochgeladen und diskutiert werden.
  • Bis zum 31. Juli 2011 müssen wir aber spätestens fertig sein. Denn ab diesem Datum beginnt das Voting.
  • Bis zum 15. August 2011 läuft die Abstimmung. Die Top 10 in jeder Kategorie (Heftroman und Kurzgeschichte) erhalten dann die höheren Weihen einer Druckversion – die jeweils Besten werden zudem mit einem vom Verlag gestifteten „Publikumspreis“ geehrt.

Das Ganze funktioniert natürlich nur, wenn wir – nun vielleicht nicht unbedingt 50 – aber doch ne Menge brauchbarer Texte zusammenbekommen.

Gehen wir’s an! Mein Unternehmen Stardust liegt jedenfalls schon auf dem Nachttisch bereit.

Fanzines: World of Cosmos – Wir bleiben treu!

Als das letzte – das Fanzine meines guten alten -Clubs SFCBHG – mit seiner 61. Ausgabe bei mir eintrudelte, dachte ich zunächst: „Will ich das überhaupt noch haben?“ Mehr noch: „Ist es nicht nach langen inaktiven Jahren langsam Zeit, aus dem Club auszutreten?“

Ja, das klingt hart – vor allem angesichts der schönen Zeit, die ich seit 1997 mit dem Club hatte, und des Engagements, mit dem sein Fanzine noch heute produziert wird. Die paar Kröten, um das tapfere WoC weiterhin zu unterstützen, sollte ich doch noch übrig haben.

Aber sehen wir den Tatsachen ins Auge – die Zeit der klassischen gedruckten Fanzines scheint vorbei. Das Internet mit seinen Blogs und Foren stillt die entsprechenden Bedürfnisse doch längst viel besser. Und mit den klassischen SF-Clubs sieht es offenbar nicht viel besser aus: Ihre Mitgliederzahlen schrumpfen und es gibt kaum noch Nachwuchs.

Ich will hier nicht zum tausendsten Mal den angeblichen Niedergang des fantastischen Fandoms beklagen. Ob SF oder Rollenspiel – dieses Klagelied wird bereits seit Jahren (wenn nicht länger) immer mal wieder angestimmt. Letztlich muss man feststellen: Das Fandom befindet sich (wie alles) im Wandel – aber ob es tatsächlich am Ende ist, sei dahingestellt.

Dagegen spricht schließlich auch die Tatsache, dass es immer noch erfolgreiche gedruckte Fanzines gibt und sich sogar neue auf dem Markt behaupten – als Beispiel sei hier „Abenteuer.“ angeführt. Sie haben also durchaus auch im Internetzeitalter ihre Berechtigung. (Gut, vielleicht mag SF im Spektrum des Fantastischen gerade ein eher stiefmütterliches Dasein fristen – aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.)

Und siehe da, als ich das WoC schließlich durchgelesen hatte, waren meine Zweifel wenn auch nicht ausgeräumt, so doch stark gemindert.

Ganz allgemein ist der SFCBHG ein SF-Club mit traditionellem Schwerpunkt auf . So hat der Club in diesem Jahr gemeinsam mit dem SF-Stammtisch Hamburg die sechsten Zellaktivatortage ausgerichtet.

Diese Konzentration auf das Thema PR macht es mir, der ich mit Band 2200 endgültig aus der Serie ausgestiegen bin, natürlich schwer, das Interesse an Club und Zine aufrecht zu erhalten. Etwas paradox vielleicht, dass es unter anderem PR-Themen im letzten WoC waren, die mich besonders interessierten.

Aber gehen wir das Heftchen einfach mal durch.

Zunächst zum Titelbild: Ein Grund, Fanzines zu erstehen, sind ja die oft genialen Zeichnungen diverser Hobby-Künstler. Mit einem hervorragenden Werk von Peter Sauerbrei-Pohl wird wird das TiBi dem mehr als gerecht. Eine kurze Recherche hat ergeben, dass der Knabe leider nicht im Web präsent zu sein scheint. Würde sich sicher für ihn lohnen. Wie auch immer. Wir hätten schon gleich Grund Nummer eins, das Fanzine zu erstehen: Nur so kann man in den Genuss dieses Hobby-Künstlers kommen.

Zum Inhalt: Wie üblich beginnt es mit den Leserbriefen. Klar – Diskussionen unter Fans kann man in Foren, Blogs und so weiter mittlerweile viel unmittelbarer führen. Geschenkt! Viel mehr Sorgen macht mir, dass nur noch drei LBs zu finden sind – schließlich ist ihre Anzahl stets ein Indikator für die Zahl der Aktiven im Club.

Dass diese Zahl vorerst dennoch auszureichen scheint, zeigt der Inhalt der mehr als 100 Folgeseiten. Wie bereits erwähnt, liegt der Schwerpunkt auf dem Thema Perry Rhodan. Ein zumindest rudimentäres Interesse an der Heftromanserie sollte also vorhanden sein – auch wenn ich es nicht zwingend zur Bedingung erklären würde – aber dazu später mehr.

Besprochen werden zunächst die (relativ) aktuellen PR-Hefte. Nach langem war das sogar für mich wieder interessant – es wurden nämlich die Bände um das 2500er Jubiläum beschrieben. Die Rezensionen haben mich nochmal in meinen Entscheidungen bestätigt damals auszusteigen und mir den eigentlich ja besonderen Jubiband nicht zuzulegen.

Die folgende ausführliche Besprechung der alten Atlan-Serie hat natürlich eher nostalgischen Wert.

Es folgen ein paar Storys – früher gabs da mehr –, Rezensionen diverser Bücher und TV-Serien sowie Conberichte der diesjährigen Veranstaltungen in Garching und Hamburg. All das – Fanfiction, Rezis und Conberichte – findet man bekanntlich ebenfalls massenweise im Netz.

Zwei Beiträge haben es mir schließlich besonders angetan. Beide stammen sie aus der Feder von Harun Raffael und sind ausschließlich in diesem Heftchen zu lesen. Zunächst handelt es sich um einen Nachruf auf den viel zu früh verstorbenen Chefautor der Perry-Rhodan-Serie Robert Feldhoff.

Feldhoff war bereits während der Zeit meines größten Fan-Aktivismus‘ Chefautor der Serie, weswegen ich seinem Wirken in gewisser Weise verbunden bin. In seine Zeit fiel allerdings auch mein Ausstieg aus der Serie. Harun gelingt es in seinem Nachruf auf hervorragende Weise einen schmalen Grat zu beschreiten, der auch meine zwiespältige Haltung zu Feldhoffs Werk gut widerspiegelt (hervorragende Einzelromane versus eher mäßige Metahandlung). Die persönliche und menschliche Tragödie würdigt er dabei mit den richtigen Worten und misst ihr den gebührenden Stellenwert bei.

Und schließlich setzt Harun seine Reihe „Die großen (Anti-)Utopien“ fort, in der bereits das „Glasperlenspiel“ und „Schöne neue Welt“ besprochen wurden (alte WoCs lassen sich problemlos nachbestellen), um nur ein paar zu nennen. In dieser Reihe hat Harun mich schon auf so manchen Klassiker der fantastischen Literatur aufmerksam gemacht, den ich noch nicht kannte. So auch diesmal. Er beschreibt sehr detailliert – und kritisch – Franz Werfels „Stern der Ungeborenen“.

Dieser hervorragende Aufsatz allein, der – wie die gesamte Reihe – exklusiv im WoC zu lesen ist, lohnt bereits die Anschaffung der Ausgabe 61.

Und so lange immer wieder derartige Perlen in meinem guten alten Fanzine zu finden sind, werde ich ihm (und dem Club) auch weiterhin die Treue halten. Flugs also den nächsten Jahresbeitrag überwiesen und auf Ausgabe 62 gefreut, die jetzt um die Weihnachtszeit erscheinen wird.

Fiktive Städte – ein kleiner Reiseführer

Wo kann der interessierte Städtetourist noch hin, wenn er die diesseitigen Metropolen von New York bis Tokio alle abgeklappert hat? Fantasie und Fiktion halten zum Glück noch etliche Reiseziele bereit.

Ich gehe schon länger mit der Idee schwanger jene fiktiven Städte aufzulisten, denen ich zu gerne mal einen Besuch abstatten würde. Ich bin auf zwölf gekommen. Nun dürften solche Listen mit Sicherheit zu hauf im Netz herumschwirren – aber was soll’s … hier ist meine (eine Hierarchie wollte ich nicht festlegen, daher alphabetisch):

Ankh-Morpork

Einmal den Kunstturm sehen, die Glocke der Unsichtbaren Universität (nicht) schlagen hören und einer zünftigen Schlägerei in der Geflickten Trommel beiwohnen (natürlich nur als Zuschauer)! Doch, die größte Stadt auf Terry Pratchetts wäre wahrlich einen Besuch wert – allein wegen der zahlreichen Bauwerke des Absolut Bekloppten Johnson …

Atlantis

Die Polis des von Platon beschriebenen Inselreichs ist geradezu ein Prototyp fiktiver Städte (ja, ich weiß … ob das wirklich nur fiktiv ist, ist gar nicht raus …). Allein die Hafenanlage dürfte ein toller Anblick sein.

Buchhaim

Die Stadt der Träumenden Bücher auf dem Moersschen Kontinent ist für einen Bücherwurm wie mich natürlich ein Muss. Nebenbei: Hat sich eigentlich jemals jemand offiziell bei Walter Moers darüber beschwert, dass er hier den Bibliothekar der Scheibenwelt umkommen lässt?

Coruscant

Allein des Jeditempels wegen … Auch wenn hier ein Wochenendtrip kaum ausreichen dürfte. Diese planetenumspannende Metropole aus dem -Universum ist – wenn auch sicher nicht die erste – die idealtypischste -Stadt ihrer Art. Ich nehme mal an, zu Republik-Zeiten ist der Besuch am angenehmsten.

Entenhausen

Der Geldspeicher, die riesigen Emil-Erpel-Statuen – zwei von sicher zahlreichen Sehenswürdigkeiten, die man nicht verpassen darf. Auch wenn die Heimatstadt der Ducks vermutlich in jedem Comic anders aussieht … Ich wäre für eine Don-Rosa-Version von , die sicher am schlüssigsten sein dürfte.

Gondolin

beschreibt zahlreiche großartige Städte, denen man zu gern mal einen Besuch abstatten würde: Minas Tirith, Khazad-Dûm (bevor die Zwerge zu tief gegraben haben) – und vor allen sicher Tirion in Valinor. Doch ich denke, die verborgene Stadt Gondolin aus dem Ersten Zeitalter wäre mein Favorit.

Gotham City

Konkrete Sehenswürdigkeiten hätte ich in Batmans Stadt gar nicht mal im Sinn – eher die generelle Atmosphäre, die ich gern mal schnuppern würde (auch wenn die in einigen Gegenden recht bleihaltig sein dürfte). Uneins bin ich mir, ob mir das Tim-Burton-Gotham oder das „realistischere“ aus den neuen Filmen eher zusagt.

New New York

Ich denke, ich würde es Fry gleichtun und wie ein kleiner Junge alle – für die Eingeborenen banalen – Einrichtungen dieser Stadt ausprobieren wollen. Vor allem die Rohrpostbahn!

Serannian

Die Wahl unter den Städten der Lovecraftschen Traumlande fällt schwer. Die Konkurrenz ist mit Celephaïs und Cathuria ziemlich hart. Die von König Kuranes regierte und erschaffene Stadt hat aber ein unschlagbares Argument auf ihrer Seite: Sie befindet sich auf einer schwebenden Insel!

Springfield

Der Heimatort der Simpsons sollte vermutlich besser im Strahlenschutzanzug besucht werden – aber der Anblick des brennenden Reifenbergs wäre das sicher wert.

Tau Ceti Center

Bei der Hauptstadt der Hegemonie der Menschheit (kurz TC² genannt) in Dan Simmons grandiosem Hyperion-Universum handelt es sich – ähnlich wie bei Coruscant – um eine planetenumspannende Stadt. Allein wegen der Farcaster hat TC² aber durchaus etwas Eigenes. Es empfiehlt sich natürlich ein Besuch vor dem Zusammenbruch des Farcaster-Netzes.

Terrania

Bei der Hauptstadt der Menschheit im -Universum sollte man sich genau überlegen, in welcher Epoche man sie besucht. Sie ist schon reichlich oft angegriffen, teilweise bis vollständig zerstört, terrorisiert oder besetzt worden. In ihren friedlichen Zeiten gibt sie aber ein grandioses Reiseziel ab. Ähnlich wie Futuramas New New York ist sie der Idealtyp der trivialen SF-Stadt – allerdings „in Ernst“. Uneins bin ich mir, ob ich sie eher in den früheren Epochen (umgeben von den imposanten Gebirgen zahlreicher Ultraschlachtschiffe) oder in aktuellerer Zeit (die Solare Residenz ist sicher ein schöner Anblick) sehen wollte. Naja, Hauptsache ich kann Laufband fahren.

Das wären im Groben die zwölf Städte, die mir auf Anhieb einfielen. Um den tag zu rechtfertigen, kann man ja erwähnen, dass all diese Städte natürlich per Pen&Paper zu erkunden wären (ich war tatsächlich auch auf diesem Wege noch in keiner davon – na gut, in Ankh-Morpork immerhin als Spielleiter). Auch fiele mir jetzt kein reines RPG-Universum ein, das mit einer reizvollen Stadt aufzuwarten hat.

Für Anregungen wäre ich aber offen.

Weitere lustige Listen:

Fantastische Wikis

Edit April 2024: Mit der Mosapedia ist nach ein paar Jahren wieder einmal ein neuer – wichtiger – Eintrag hinzugekommen. Außerdem habe ich erneut alle Links und Angaben gecheckt und korrigiert. Ich erneuere hiermit auch den Hinweis, dass Tipps für wichtige fehlende Wikis sehr willkommen sind.

Wikis für alle!

Der Hauptzweck der Wikipedia ist, wie wir alle wissen, als Inspirations- und Recherchequelle für Spielmeister und Hobby-Schreiberlinge zu dienen.1 Wie groß war meine Freude, als ich für meine - und -Projekte2 spezialisierte Themen-Wikis entdeckte. Diese Entdeckung hat den Anstoß gegeben, eine kleine Liste nützlicher Wikis für Freunde des Fantastischen zusammenzustellen.

Fantastische und nerdige Wikis von A bis Z

Ich beschränke mich im Großen und Ganzen auf deutschsprachige Seiten, erwähne hier und da aber auch englischsprachige Wikis – immer dann, wenn es meiner Kenntnis nach kein deutsches Pendant gibt – oder die englische Version deutlich umfangreicher ist.

Wer noch weitere nützliche Wikis kennt, möge mich anmailen oder es einfach per Kommentar mitteilen. Eventuell füge ich den ein oder anderen Vorschlag hinzu – so er mir zusagt.

Ardapedia
-Wiki mit gut 3.800 Artikeln, gut gepflegt und für die schnelle Recherche im Herr-der-Ringe-Universum mehr als geeignet. Für besagtes Silmarillion-Projekt war mir die Ardapedia eine sehr große Hilfe.

DiscWiki
-Wiki mit gut 3.600 Artikeln. Für die kleine Recherche in Terry Pratchetts Scheibenwelt-Universum gut geeignet. Mir gefallen die hervorragenden Illustrationen in einigen Artikeln.

Duckipedia
-Wiki mit gut 8.100 Artikeln. Hat jetzt nur wenig mit Fantastischem zu tun. Aber als alter Donaldist musste ich einfach darauf hinweisen.

Jedipedia
Beim Thema wird’s etwas kompliziert. Denn es gibt seit 2011 zwei Jedipedias. Einmal die kommerzielle Jedipedia.de mit gut 51.000 Artikeln und dann die nichtkommerzielle Jedipedia.net mit gut 57.000 Artikeln. Die Erläuterung der Hintergründe dieser Spaltung würde diesen Rahmen sprengen, man möge es bei Interesse selbst recherchieren. Beide Star-Wars-Wikis sind jedenfalls eine größere Nummer. An die Artikelfülle des englischsprachigen Vorbildes Wookieepedia von gut 190.000 kommen die deutschen Pendants jedoch nicht heran.

Legopedia
-Wiki mit gut 4.100 Artikeln über Baukästen, Baureihen und Modelle des besten Spielzeugs der Welt. Der Anspruch scheint zu sein, die Modelle aus allen Jahren abzubilden. Löblich!

Lexicanum
Dreisprachiges Warhammer-Wiki mit gut 13.600 Artikeln in der deutschen -Sparte und gut 16.600 Artikeln in der deutschen 40k-Sparte

Memory Alpha
-Wiki mit gut 32.000 Artikeln. Zählt auch zu den größeren unter den fantastischen Wikis. Dem englischsprachigen Pendant mit gut 57.000 Artikel hinkt es zwar ein wenig hinterher, dennoch dürfte kaum etwas fehlen, was das Trekker-Herz begehrt.

Mosapedia
Das Mosaik-Wiki über die unzähligen Zeitreiseabenteuer der Digedags und Abrafaxe braucht sich mit seinen aktuell gut 20.000 Artikeln nicht zu verstecken.

Perrypedia
-Wiki mit gut 61.000 Artikeln. Als Perry-Rhodan-Leser, -Fan und -Hobby-Autor kenne ich diese Seite natürlich schon etwas länger. Für die schnelle – und oft auch sehr ausführliche – Recherche in diesem gigantischen -Universum ist das Wiki hervorragend geeignet.

Simpsonspedia
Das Simpsons-Wiki muss hier natürlich dabei sein. Mit gut 19.000 Artikeln ist es auch recht umfangreich.

Wiki Aventurica
DSA-Wiki mit gut 153.000 Artikeln. Das Schwarze Auge schließlich wartet mit dem umfangreichsten deutschsprachigen Wiki dieser Liste auf.

Zamonien
Für den Moers’schen Kosmos um Käptn Blaubär, Rumo und Hildegunst von Mythenmetz findet sich zum einen das etwas veraltete und statische Nachtigallers Lexikon, das zumindest grundlegendste Begriffe aus Walter Moers-Romanen erklärt. Außerdem gibt es ein Zamonien Wiki mit gut 1.800 Artikeln.

Weitere lustige Listen:

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  1. Dazu gab’s vor Äonen auch mal irgendwo ein lustiges Meme – das hab ich aber nicht mehr gefunden.[]
  2. Lang ist’s her. Für die Scheibenwelt sind damals eine Handvoll Rollenspielabenteuer entstanden, für das Silmarillion sollte es ein komplettes Rollenspielsystem werden, das über einen umfangreichen fragmentarischen Status jedoch nie hinauskam.[]

Die Sünden der Vergangenheit

Ich habe eine Weile überlegt, ob ich die Sache lieber totschweige, oder mich doch dazu äußere. Ich habe mich für letzteres entschieden – da es im Grunde auch nicht so dramatisch ist, wie ich es in der Überschrift vielleicht habe anklingen lassen. Es geht um die aktuelle Ausgabe des Comics Perry – unser Mann im All und die etwas zweifelhafte Ehre meinerseits, daran Anteil zu haben.

Es war einmal ein Perry-Rhodan-Fan

Aber holen wir etwas aus. Ja, ich gestehe: Ich war einst ein großer Perry-Rhodan-Fan – lang ist’s her. Und irgendwie hege ich unverändert einen Rest an Sympathie für die unbestritten größte SF-Serie der Welt.

Zu meinen größten Fanzeiten war ich fleißig auf Cons unterwegs und habe mich fast noch fleißiger als Autor im Perryversum betätigt. Die größten Erfolge in dieser „Karriere“ waren zwei Heftromane im Rahmen der Perry Rhodan Fanedition aus meiner Feder.

Es muss kurz nach der Jahrtausendwende gewesen sein, als meine Begeisterung für Perry Rhodan ein jähes Ende fand.

Ich wär so gern ein Comicautor

Dennoch bin ich vor ein, zwei Jahren dem Aufruf der Alligatorfarm gefolgt, die Autorinnen und Autoren für die Comic-Version Perry – Unser Mann im All suchte. Es ging darum, im Zusammenspiel mit Zeichnerinnen und Zeichnern kleine abgeschlossene Geschichten zu entwickeln. Ich hatte auch prompt eine Idee, der es allerdings an der schlüssigen Pointe fehlte. Einige Zeichner zeigten sich interessiert und skizzierten ein paar sehr schöne Entwürfe. Zusammen mit diesen und den Alligatorfarm-Redakteuren feilte ich eine Weile an der Geschichte – aber es wollte mir partout kein pfiffiges Ende einfallen.

Naja, und dann hatte ich angesichts einiger bevorstehender privater Ereignisse nicht mehr so recht die Zeit und Muße, mich um die Sache zu kümmern. Also erklärte ich kurzerhand das Ende meines Engagements – und gab das Storyfragment frei, falls jemand anders es vollenden mochte.

Aus den Augen aus dem Sinn

Ich hatte die Episode eigentlich schon vollkommen vergessen. Wie jeder Egomane google ich ab und an nach meinem Namen. Bei der Gelegenheit stieß ich kürzlich auf die Ankündigung der neuen Perry-Ausgabe, wo doch tatsächlich mein Name als Mit-Autor genannt wurde.

Ich stürmte kurz nach dem Veröffentlichungsdatum in den nächsten Bahnhofsbuchhandel und erwarb voller Spannung das Comicheft. Ich war im ersten Moment dann doch ein wenig entsetzt, was für eine Geschichte dort unter meinem Namen präsentiert wurde.

Mittlerweile hat sich dieses Entsetzen wieder etwas gelegt. Ich möchte mich jetzt auch nicht ausdrücklich davon distanzieren. Dennoch erlaube ich mir an dieser Stelle zu betonen, dass gerade die peinlichen Elemente von „Gerettet“ (so der Titel der Story) nicht aus meiner Feder stammen.

Mir ist klar, dass Perry immer ein wenig trashiger ist als die Romanheft-Vorlage (ja, das geht!) Ich will auch nicht als prüde gelten – aber diese arg plumpe Fixierung auf weibliche Geschlechtsorgane und die daraus resultierende billige Pointe – davon distanziere ich mich hiermit ausdrücklich.

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