Kategorie: Lesetagebuch

Lesetagebuch: Asterix – Die Weiße Iris

Die ganz kurze Antwort lautet: fast. Nur wenig ausführlicher habe ich mich drüben bei zusammengebaut.com geäußert. Robert und ich1 fassen dort in ein paar munteren Absätzen unsere Eindrücke zusammen. Wenn ich mich einmal kurz selbst ausschnittweise zitieren darf:

“Wenn alle Jubeljahre ein neuer Asterix-Band erscheint, grübelt man nur kurz, ob sich Erwerb und Lektüre überhaupt noch lohnen. Doch dann lautet die Antwort stets: Latürnich! Zum einen gerade weil meist zwei Jahre zwischen den Alben liegen, sodass die Gefahr der Übersättigung gering bleibt, zum anderen befindet sich die Serie seit der Staffelübergabe von Uderzo in guten Händen. Diese Phase, die mit „Asterix bei den Pikten“ begann, brachte schon einige gute Hefte hervor.”

Den kompletten Artikel findet ihr hier:

Asterix Band Nummer 40: Die Weiße Iris im Doppel-Review

Podcast: Ist die weiße Iris zu empfehlen?

Wesentlich ausführlicher behandeln Robert und ich das Heftchen auf der Tonspur – und zwar in der aktuellen Episode unseres Empfehlungs-Podcasts:

Eskapedia Episode 19 – Asterix: Die weiße Iris

Langer Rede: Solltet ihr ihn noch nicht gelesen haben,2 macht es wie Obelix und schmökert rein.


(c) by Robert3

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  1. eine weitere Person, die nicht genannt werden möchte, ist leider noch nicht dazu gekommen, die 48 Seiten durchzublättern[]
  2. so wie jene besagte Person, die nicht genannt werden möchte[]
  3. ganz vergessen, dass man Bilder ja auch einfach von anderen Seiten einbetten kann, ohne seinen eigenen Webspace “belasten” zu müssen[]

Lesetagebuch: Sommerurlaubslektüre 2023

Wie immer bin ich mit ambitionierten Lesevorhaben in den Sommerurlaub gestartet, von denen ich erwartungsgemäß nur einen Bruchteil umsetzen konnte. Ein bisschen was gibt’s dennoch zu berichten – mal mehr, mal weniger ausführlich.

“Der Astronaut” von Andy Weir

Ich muss echt mehr aktuelle Science-Fiction außerhalb von Perry Rhodan lesen. Mann, war das gut! Bislang kannte ich den guten Andy Weir nur von seinem Marsianer – der mir auch schon sehr gefallen hat. Die Ernsthaftigkeit, mit der er die Genrebezeichnung mit Leben erfüllt, findet man – soweit ich das beurteilen kann – nur selten.

Der Astronaut ist zwar keine Fortsetzung des Marsianers, dennoch findet sich die titelgebende Hauptfigur auch hier in einer verzwickten Situation wieder, aus der er sich “rauswissenschaften” muss. Der Schwerpunkt liegt ein bisschen mehr auf der “Fiction”, da es – ohne zu viel verraten zu wollen – in ein anderes Sonnensystem geht und eine überraschende Begegnung stattfindet. Das alles wird aber sehr schlüssig und nachvollziehbar hergeleitet und man gewinnt als interessierter naturwissenschaftlicher Laie1 den Eindruck, dass sich das alles noch halbwegs auf dem Boden der Tatsachen bewegt.

Aus dramaturgischer Sicht mag die anfängliche Amnesie des Protagonisten etwas bemüht wirken – aber selbst das wird zum Ende hin recht gut erklärt und aufgelöst. Und irgendwie mag ich den lakonisch-flapsigen Stil, in dem der Roman geschrieben ist. Der Astronaut war jedenfalls mein Lese-Highlight in diesem Sommer – und ich nehme mir erneut fest vor, auch außerhalb des Urlaubs häufiger nach aktuelleren SF-Werken zu greifen.

“Der gelbe Elefant” von Heinz Strunk

Das Strunksche Werk schätze ich bekanntlich schon seit langem – auch wenn mir nicht immer alles gleich gut gefällt. Seine Kurzgeschichtenbände rangieren dabei stets etwas weiter unten. Daher hatte ich schon vermutet, dass Der gelbe Elefant nicht an den grandiosen Vorgänger Ein Sommer in Niendorf heranreichen wird. Und so war es auch.

Die meisten – vor allem die etwas längeren – Geschichten sind durchaus amüsant und lassen sich gerade im Urlaub gut weglesen. Hin und wieder wird es sogar skurril-fantastisch, was unsereinen immer erfreut. Aber bis auf ein paar Schmunzler steckt eigentlich nicht viel drin im gelben Elefanten.

Scrooge McDuck: The Dragon of Glasgow

Als alter Donaldist bin ich seit jeher großer Freund und Kenner der Familiengeschichte der McDucks – allem voran der Abenteuer des Patriarchen Scrooge. Selbstverständlich auch gern in seiner deutschsprachigen Inkarnation als Onkel Dagobert.

Auch wenn die Comics von Carl Barks – und die Übersetzung von Dr. Erika Fuchs – selbstredend die Grundlage von allem bilden, bin ich nicht als Purist unterwegs. So mag ich die umfangreichen Ergänzungen von Don Rosa ebenso gern wie die Adaptionen in der alten und neuen Ducktales-Serie.

Entsprechend bin ich auch allem Neuen gegenüber aufgeschlossen, was die Legende der Enten-Sippe erweitert. Als ich in einer gut sortierten norwegischen Buchhandlung das englischsprachige Comicalbum The Dragon of Glasgow entdeckte, musste ich daher zugreifen. Und das solltet ihr auch bei erster Gelegenheit tun! Joris Chamblain und Fabrizio Petrossi setzen eine Jugendgeschichte von Dagobert in Szene, kurz bevor er von Glasgow nach Amerika auswandert. Sehr liebevoll wird darin den Vorgaben von Barks und Rosa Rechnung getragen – und gleichzeitig eine muntere neue Geschichte erzählt, die dem Legendarium einen interessanten neuen Aspekt hinzufügt.

Star Wars: Dr. Aphra Volume 4 – The Catastrophe Con

Die weit, weit entfernte Galaxie weist inzwischen eine Unzahl an Heldinnen und Helden auf, vom guten alten Luke bis zum putzigen Grogu oder der toughen Ahsoka Tano. Klar, kennt ihr alle. Aber kennt ihr auch Dr. Aphra?

Die gute Dame tauchte bislang nur in den Comics auf. Ihr kanonischer Status ist dabei noch in der Schwebe. Offiziell soll ja alles, was nach der Disney-Übernahme egal in welchem Medium erschienen ist, zum Kanon gehören – außer, es steht Star Wars Legends drüber.2 Und das trifft auf die Aphra-Comics zu. Zudem ist mindestens eine ihrer Nebenfiguren bereits in einer Serie aufgetaucht, nämlich der schwarzfellige Wookie-Kopfgeldjäger, der bei The Book of Boba Fett rumsprang.

Bislang kann man sie und ihre Abenteuer jedenfalls nur in Comicform genießen – und das sollte man unbedingt tun, denn Dr. Aphra ist eine herrlich moralisch ambivalente Figur, wie sie im Star-Wars-Universum äußerst selten ist. Im Prinzip ist sie ein Han Solo auf Seiten des Imperiums – tatsächlich ist sie sogar Archäologin.3 Zunächst ist sie mit niemand geringerem als Vader unterwegs, stets darauf bedacht, eine intakte Luftröhre zu behalten. Natürlich wechselt sie in Zeiten der Rebellion hin und wieder auch mal die Seiten, trifft dabei auf “prominente” und auf sehr skurrile neue Figuren gleichermaßen – doch lest selbst! Es lohnt sich.

Perry Rhodan 3233 und 3234

Der Doppelband von Robert Corvus hat mir alles in allem recht gut gefallen. Was ich bei diesem Autor besonders schätze, ist seine Fähigkeit, die hochgezüchtete Technik der Protagonisten konsequent zum Einsatz zu bringen – und dies trotzdem spannend rüberzubringen. In diesen beiden Bänden setzt er die SERUNs – also die Einsatz-Raumanzüge unserer Heldinnen und Helden – in Szene, wie kein zweiter. Spätestens jetzt muss jedem PR-Schreiberling verboten sein zu behaupten, dass die Darstellung moderner Technik einer interessanten Actionhandlung zuwiderlaufen würde.

Ebenfalls gut gefallen hat mir die Darstellung von Perry selbst, vor allem, weil er die ganze Zeit eher “von außen” beschrieben wird. Ich finde, das wird dieser strahlenden Heldenfigur meist am besten gerecht.

Etwas einschränkend mag sein etwas unbekümmerter zum Scheitern verurteilter Infiltrationsplan im ersten Teil des Doppelbands sein. Aber da habe ich mir die Fantheorie zurechtgelegt, dass Perry das genau so geplant hatte und sich aufgrund seiner Erfahrung sicher war, dass er sich und seine Begleitung jederzeit aus der Situation rausschießen konnte. Womöglich hatte er einfach mal wieder Bock auf ein bisschen Action.

Die Entwicklung von Antanas Lato vom Naturhasser zum Pflanzenfreund fand ich recht gut dargestellt – wobei ich das Gefühl habe, dass Lato diesen Wandel vom eigenbrödlerischen Klischee-Wissenschaftler zum fähigen Einsatzteammitglied inzwischen ein wenig zu oft durchgemacht hat. Er muss jetzt nicht jedes Mal wieder zurückgesetzt werden, damit ein weiterer Autor seine Entwicklung beschreiben darf.

Perry Rhodan Atlantis 6 und 7

Mit arger Verzögerung hole ich die vorletzte Perry-Rhodan-Miniserie nach. Sie gefällt mir ungebrochen gut – auch wenn das nicht unbedingt an der Darstellung der Hauptfiguren liegt. Zumindest “mein” Perry kommt mir hier manchmal etwas zu unerfahren rüber.

Ganz besonders mag ich allerdings das Setting. Irgendwie gefällt mir diese Epoche des Arkon-Imperiums, so wie Rainer Castor sie einst aus den Scheerschen Vorgaben weiterentwickelt hat. Atlantis gibt mir an vielen Stellen wohlige Traversan-Vibes. Ich mag das!

Perry Rhodan 3235 und 3236

Zum Abschluss noch ein etwas längerer Rant, der meinen unlängst beim Terranischen Kongress etwas unbeholfen geäußerten Unmut fortsetzt. Leider, leider werde ich mit der Milchstraßenhandlung nicht mehr warm – und das, obwohl Michael Marcus Thurner sie mit dem grandiosen Dreifachband 3208-3210 so wunderbar begonnen hatte.

Die ganze Lichtträger-Sache will mir einfach nicht einleuchten, genauso wenig das stümperhafte Agieren der Regierungs-Organe der Liga Freier Galaktiker.

Fangen wir mit den Antagonisten an. Die ergeben einfach keinen Sinn. Wie können so viele derart einflussreiche Leute motiviert sein, eine dermaßen komplexe Verschwörung gegen etwas anzuzetteln, das seit über 500 Jahren keine Bedeutung in der menschlichen Gesellschaft mehr hat? Die Superintelligenz ES ist für die Menschen der Handlungsgegenwart höchstens noch ein Thema im Geschichtsunterricht. Das wäre, als würde heute jemand gegen die Rückkehr Barbarossas aus dem Kyffhäuser intrigieren. Oder gegen die Wiedereinführung des Adels. Wieso steckt da jemand Ressourcen rein?

Hinzu kommt, dass die Bösewichte auch kaum mehr als das sind: Fieslinge, die gerne Leute quälen und umbringen. Wenn dann nicht einmal nachvollziehbar gemacht wird, warum die das tun, kann ich mit denen nichts anfangen.

Und wie dämlich agieren bitte die staatlichen Stellen? Fangen wir mit dem Schutz der eigenen Verfassungsorgane an. Jeder Ministerpräsident eines deutschen Bundeslands wird heute besser geschützt als der Resident der LFG. Wo ist bitte der Secret Service beziehungsweise die TLD-Personenschutzabteilung? Und jetzt kommt mir nicht mit den beiden Posbi-Vögeln. Wo war das Vorauskommando? Wo der Bombensuchdienst? Was ist mit ständigem Kontakt zur bereitstehenden Verstärkung und zu den örtlichen Dienststellen? Und wie kann ein Gebäude auch nur betreten werden, wenn der Fluchtweg nicht geklärt und getestet wurde? Und all das gilt schon ohne die hier beschriebene Bedrohungslage. Von Fahrbereitschaft und persönlichen Referenten wollen wir gar nicht erst anfangen.

Und erneut wird der Eindruck erweckt, dass nur zwei, drei Agenten gegen eine terroristische Bedrohung ermitteln, die gegen die Hauptstadt des Sternenreichs und die höchsten Verfassungsorgane gerichtet ist. Die Lichtträger haben mitten in der Stadt ein riesiges Onryonen-Raumschiff angegriffen, einen Unsterblichen entführt und beinahe getötet und den Residenten fast um die Ecke gebracht. Aber klar! Lass mal warten, bis die psychisch labile schwerstverletzte Agentin wieder einigermaßen auf dem Zahnfleisch kriechen kann, ehe wir die Ermittlungen fortsetzen.

Damit nicht genug: Was soll diese andauernd latent mitschwingende KI- und NATHAN-Skepsis? Für die Menschen der Handlungsgegenwart sind beides seit Jahrtausenden absolute Selbstverständlichkeiten. Ich wiederhole: seit Jahrtausenden! Also sowas wie Ackerbau oder Sesshaftigkeit für uns. Da hinterfragt niemand mehr den Status künstlicher Intelligenzen, das ist vor Jahrtausenden geklärt worden.

Ja, ich weiß, Perry Rhodan ist eine Abenteuerserie und will seine Protagonisten irgendwie für die Lesenden identifizierbar halten. Dennoch kann man die Gesellschaft des 57. Jahrhunderts nicht so beschreiben, als hätte sie das ganze SF-Zeugs erst seit maximal 50 Jahren.

Man verzeihe mir mein Gepolter – aber das musste ich mal loswerden. Dabei sei noch einmal ausdrücklich betont, dass ich MMT und sein Werk ansonsten außerordentlich schätze.

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  1. also ich[]
  2. Ja, ich weiß. Star Wars Visions ist auch eine Ausnahme.[]
  3. Also genau wie … ähm … der andere Han Solo …[]

Lesetagebuch: One Piece

Das hat Spaß gemacht! Wie ich bereits schrob, nehme ich mir schon lange vor, meine sträflichen Lücken in der Kunstform Manga und #Anime zu schließen. Das wusste auch der Weihnachtsmann, weswegen er mir den Sammelschuber mit den zwölf ersten Bänden der Piratenmangaserie #OnePiece unter den Tannenbaum legte.

Selbstironische Piratenfantasy

Die Handlung ist flott erzählt: Der kleine Monkey D. Ruffy1 will unbedingt Pirat werden. Mehr noch, Piratenkönig soll es sein und er will den legendärsten aller Piratenschätze finden, den so genannten One Piece. Doch obwohl er sich tapfer eine Narbe ins Gesicht ritzt, wollen ihn die Piraten, die gerade im Dorf zu Besuch sind, nicht mitnehmen.

Selbst als er versehentlich eine Zauberfrucht verputzt, die ihn in einen Gummimenschen verwandelt,2 ziehen sie ohne ihn weiter. Immerhin gibt’s den Strohhut des Kapitäns für ihn. Als junger Erwachsener macht Ruffy sich dann alleine auf, das feste Ziel vor Augen: Er findet eine Mannschaft und ein Schiff, sucht mit ihnen den One Piece und wird Piratenkönig. Nicht zwingend in genau der Reihenfolge.

Also gilt es in den ersten zwölf Bänden, ein Crewmitglied nach dem anderen zu rekrutieren, auf dem Weg fiese Gegner zu überwinden, um schlussendlich die eigentliche Suche nach dem titelgebenden Schatz antreten zu können.3 Tatsächlich als Piraten tätig waren die Helden dabei im Übrigen nicht ein einziges Mal und ich nehme stark an, dass sie in der gesamten Serie kein Handelsschiff aufbringen und kein Fischerdorf plündern werden. Aber mit solchen Details geben sich Piratengeschichten bekanntlich nur selten ab.

Wiederkehrende Dramaturgie

Da ich wie gesagt ganz knapp aus der vorgesehenen Zielgruppe raus bin,4 erscheint mir die wiederkehrende Dramaturgie mit stets neuen unüberwindlich scheinenden Widersachern manchmal etwas eintönig.  Erst nach seitenlangen – aber zugegeben sehr kurzweiligen – Kämpfen gelingt es den Helden, den Schurken du jour zu überwinden, natürlich stets nachdem man ihm zuvor beinahe unterlegen war.

Gleiches gilt für die aufeinanderfolgenden Rekrutierungen, die immer einem ähnlichen Schema folgen. Hier ist jedoch wie an vielen anderen Stellen der Einfallsreichtum des Schöpfers Eiichirō Oda zu erkennen. Denn der Plot jeder dieser Nebenfiguren folgt gut erkennbar dem klassischen Vorbild der Heldenreise – im interessanten Gegensatz zur Hauptfigur selbst. Denn während Ruffy ohne Zögern, ohne Kümmernis und ohne erkennbare Motivation loszieht, kostet es jedem seiner späteren Mitstreiter große Überwindung, sich ihm anzuschließen. Sie alle werden von düsteren Dämonen und tragischen Schicksalen gequält und angetrieben. Ganz großes Kino.

Charakterstarke Crew

Somit sind die Nebenfiguren fast am spannendsten. Jedes von Ruffys späteren Crewmitgliedern bekommt eine komplexe und spannende Hintergrundstory verpasst und sie sind allesamt alles andere als glatte Helden. Fast am interessantesten kommt dabei die Navigatorin Nami daher, die dabei keineswegs die Rolle des Love-Interests übernimmt und auch sonst erfrischend unklischeehaft dargestellt wird. Weibliche Figuren sind zwar auch bei One Piece dramatisch in der Unterzahl, die wenigen, die auftauchen, erscheinen bislang aber größtenteils recht souverän und selbständig. Ich würde fast sogar sagen, dass der Bechdel-Test ansatzweise erfüllt ist, wenn Nami und ihre Schwester sich miteinander unterhalten.5

Fantastisches Szenario

Der absolute Star des Mangas ist jedoch das unglaublich einfallsreiche #Fantasy-Piraten-Szenario. Auf sowas steh ich ja.

Wir befinden uns auf einer Welt, die fast vollständig von Wasser bedeckt ist – abgesehen von dem schmalen Ring-Kontinent “Red Line”, der den Planeten einmal diagonal umgürtet, und unzähligen teils winzigen Inseln. Genug Platz also für Piraten und andere Seefahrer, um sich auszutoben.

Die eigentliche Musik spielt auf der “Grand Line”, einem mysteriösen Strömungs-Band, das senkrecht zur “Red Line” um die Welt führt. Das ganze ist angefüllt mit einer ganzen Menge Magie, mit unzähligen Fabelwesen, Seemonstren und sonstigen Absurditäten. Man begegnet Fischmenschen und anderen Chimären, schwimmenden Restaurants und bewohnbaren Riesenwalen – und das ist erst der Anfang.

Doch, das hat richtig Spaß gemacht, der nächste Sammelschuber steht bereits ganz oben auf meinem Wunschzettel. Da die Serie seit Ende der 90er Jahre unverdrossen weiterläuft und aktuell über 1.000 Kapitel in über 100 Bänden umfasst, werde ich noch lange meine Freude daran haben.

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  1. Ja, im angelsächsischen Raum heißt er “Luffy”, ist eine Transkriptionssache.[]
  2. nicht ganz die Mister-Fantastic-Nummer aber fast[]
  3. Die, so viel habe ich schon aufgeschnappt, bis zum heutigen Tage offenbar erfolglos ist.[]
  4. höchstens zwei, drei Jahrzehnte[]
  5. für die Dauer eines Panels vielleicht[]

Lesetagebuch: Ein Sommer in Niendorf von Heinz Strunk

Wobei sich das bei mir weitestgehend auf die Werke der Herren Regener und Halfpape a. k. a. Strunk beschränkt, die es mir irgendwie angetan haben.1 Aktuell war es letzterer, der mit seinem neuen Roman meine Aufmerksamkeit geweckt und eine Zeit lang gebunden hat.

Ein Sommer in Niendorf

Das Buch ist Mitte Juni erschienen, also noch ganz frisch. Es lohnt sich daher wohl erst in einem halben Jahr nach der Verfilmung mit Charly Hübner2 Ausschau zu halten.

Ich mache es mal ganz klassisch und beginne mit einem kurzen inhaltlichen Abriss sowie einer

WARNUNG VOR DEM SPOILER.

Hauptfigur ist ein durchaus wohlhabender Anwalt “in bestem Alter”3, der vor einem neuen Job den ganzen Sommer frei hat und sich entschließt, diesen an der Ostsee zu verbringen. Etwas Abseits von Touristenzentrum Timmendorfer Strand mietet er sich im benachbarten Niendorf ein und hofft auf drei erholsame Monate zwischen Strand und FeWo-Balkon.

Der gute Dr. Roth, so sein Name, hat aber auch was vor. Im Gepäck hat er nämlich Tonbandaufnahmen seines Vaters, auf denen dieser vom  Aufstieg und Niedergang der Familie erzählt. Das hehre Ziel des Juristen ist, das Material zu sichten und daraus ein Buch zu destillieren. Natürlich kommt alles anders.

Das Unheil zeichnet sich bereits zu Beginn ab, als Roth sich auf den windigen Schwerstalkoholiker Breda einlässt, nicht nur Verwalter seiner Ferienwohnung, sondern auch Strandkorbwächter und Betreiber des örtlichen Schnapsladens. Obwohl alles andere als standesgemäß erwächst aus der Zufallsbekanntschaft eine immer engere Beziehung, die Roth zusehends in Suff und Abgrund zieht.

Selbstredend zieht es ihn nur halb, halb sinkt er durchaus willentlich hin und ergibt sich dem Verfall, der all seine Pläne zunichte macht. Es stellt sich bald heraus, dass er trotz beruflichen Erfolgs auf ein ansonsten gescheitertes Leben zurückblickt. Die Ehe ist zerbrochen, seine Exfrau dem religiösen Wahn verfallen, seine Tochter eine Versagerin. Mehr und mehr demontiert er sich selbst, verursacht sogar einen dramatischen Unfall, der jedoch auf wundersame Weise folgenlos bleibt.

Mehr noch: als er sich quasi schon vor den Trümmern seiner Existenz wähnt, nimmt alles doch noch eine Wendung zum Guten und beschert Roth ein unerwartetes Happy End.

Gespickt ist das alles mit szenischen Episoden, Beobachtungen alltäglicher Skurrilitäten, wie man sie von Strunk gewohnt ist.

Gewohnte Strunk-Qualität

Auch sonst bietet der Roman das, was man von Strunk erwartet. Soweit man das als oberflächlicher Beobachter von Leben und Werk beurteilen kann, trägt er wieder durchaus autobiografische Züge, zumindest meint man in Roth ein erneutes Alter-Ego des Meisters zu erkennen. Ein Urlaub im titelgebenden Seebad wird mit Sicherheit Ausgangspunkt des Romans gewesen sein.

Die Auseinandersetzung mit den – vor allem alkoholischen – Abgründen der Gesellschaft und der Anziehungskraft, die diese ausüben, sind ebenso wieder Thema wie das – vorsichtig ausgedrückt – komplizierte Verhältnis zum anderen Geschlecht. Und über allem schwebt das Metathema des Älterwerdens.

Darin unterscheidet sich “Ein Sommer in Niendorf” nur wenig vom Vorgänger “Es ist immer so schön mit dir”4. Dank der wesentlich besser ausgearbeiteten Dramaturgie ist das neue Werk aber deutlich gelungener. Während der “Held” in “Es ist immer so schön mit dir” im Grunde keine Entwicklung durchlebt und die Handlung mehr eine Aneinanderreihung von Ereignissen ist, folgt “Ein Sommer in Niendorf” wie es sich gehört einem narrativen Bogen, der die Hauptfigur am Ende als komplett anderen und vielleicht sogar besseren Menschen ausspuckt.

Kurz: hat mir gut gefallen.

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  1. also eher die Werke denn die Herren[]
  2. wahlweise Bjarne Mädel[]
  3. 51, wenn ich mich recht erinnere[]
  4. und streng genommen auch allen anderen Heinzer-Romanen[]

Lesetagebuch: Gratis Comic Tag 2022 Teil 2

Nachdem ich im ersten Teil meiner GCT-Kurzrezensionen über Superhelden und Science-Fiction geplaudert habe, folgen nun ein paar Worte über meine restliche Beute vom Gratis Comic Tag 2022.

Enola Holmes

Dass Sherlock Homes einen Bruder hat, dürfte allgemein bekannt sein. Hin und wieder hat er darüber hinaus noch eine Schwester. Ich meine einmal gelesen zu haben, dass es eine Formulierung bei Doyle gibt, die die Existenz einer solche Schwester zumindest nicht ausschließt, darüber hinaus entstammt sie jedoch nur apokryphen Werken. Eines davon ist die letzte Sherlock-Staffel, in der eine gewisse Eurus Holmes ihr Unwesen treibt. Ein anderes sind die Enola-Holmes-Romane, deren erster bereits verfilmt wurde – und von denen es Comicadaptionen gibt, von denen ein Teil beim Gratis Comic Tag zu ergattern war.

Ich kenne nur die Verfilmung, kann daher nichts über die Akkuratesse der Umsetzung der Buchvorlage sagen. Das GCT-Heft hat mir unabhängig davon sehr gefallen. Die Zeichnungen sind wunderbar und die Handlung wird rund erzählt. Ich meine mich zu erinnern, dass Enola im Film etwas weniger schusselig dargestellt wird – aber vermutlich liegt die Comicversion damit etwas näher beim Roman.

Ein bisschen Schade finde ich, dass der Bruder Mycroft Holmes hier sehr unsympathisch und trocken dargestellt wird. Ich mag die etwas durchgeknallten Versionen in der Sherlock-Serie und den RDJ-Filmen viel lieber. Aber ich sehe ein, dass er in diesem Szenario eine solche Rolle einnehmen muss. Zugegebenermaßen ist sie auch sehr realistisch.

Ich mochte Enola Holmes bereits in der Filmversion sehr gern, als Comic gefällt sie mir ebenso gut. Ich werde ihre Abenteuer aber sehr wahrscheinlich nur auf dem Bildschirm weiter verfolgen. Der nächste Film ist doch schon in Arbeit, oder?

Caroline Baldwin / Der Augensammler

Eher zufallsgesteuert sind diese beiden Krimi- beziehungsweise Thriller-Comics in meiner Auswahl gelandet.1 Dem Genre bin ich nicht ganz so zugetan, habe beide Hefte dennoch mit einigem Interesse gelesen.

“Caroline Baldwin” ist offenbar die Heldin einer längeren franko-belgischen Reihe, die in New York als Ermittlerin auf Verbrecherjagd geht.2 Folgerichtig wird die Stadt selbst in den Zeichnungen sehr schön in Szene gesetzt. Der Aspekt hat mir besonders gut gefallen. Ansonsten halt ein Krimi.

“Der Augensammler” ist die Adaption des gleichnamigen Romans von Sebastian Fitzek. Das GCT-Heft beinhaltet natürlich nur einen Teil davon. Im Fokus steht hier der üblicherweise etwas heruntergekommene Ermittler beziehungsweise Kriminal-Reporter. Das alles kommt angemessen Film-Noir-mäßig daher. Kann man durchaus machen, wenn man dergleichen mag.

Lustiges Taschenbuch Fantasy

Lustige Taschenbücher gehen bekanntlich immer, vor allem, wenn es die Enten und/oder Mäuse in Fantasy-Szenarien verschlägt. Zumindest geht es mir so, weswegen die entsprechenden LTB-Sonderbände durchaus mein Interesse wecken. Das Gratis-Comic-Tag-Heft beinhaltet eine komplette Fantasy-Geschichte mit Donald Duck und Daniel Düsentrieb als Hauptfiguren. War durchaus nett – an Das Gläserne Schwert kommt’s aber um Längen nicht ran.

Die schreckliche Adele

Freche rothaarige Mädchen, die ihre Eltern in den Wahnsinn treiben, mag ich irgendwie.3 Entsprechend gefällt mir dieses aus Frankreich stammende Heftchen recht gut, auch wenn die einzelnen Cartoons ihr Potential nicht immer vollständig ausschöpfen.

Zöliakie / Vater-Sohn-Tag

Auch dieses Heft ist recht absichtslos in meiner GCT-Sammlung gelandet. Womöglich weil das Titelbild von Weitem ganz entfernt ein ganz klein wenig mangaesk gewirkt hat. Der Inhalt ist jedoch ein ganz anderer.

Die zwei in sich abgeschlossenen und von einander unabhängigen Geschichten schildern – ich nenne es mal – biografische Themen. In der ersten geht es quasi um die Entdeckung der Glutenunverträglichkeit. Der Erzähler schildert in der Rückschau, wie er in einer Art Kinderheim das Brot nicht vertragen hat, ein Arzt hinter das Krankheitsbild gekommen und ihm somit das Leben gerettet hat. Da diese Kindheit zudem offenbar mitten im zweiten Weltkrieg stattfand, war das Schicksal des Erzählers doppelt dramatisch. Hat mich dennoch nicht sonderlich gepackt.

Geschichte zwo dreht sich um den Generationswechsel. In zwei Zeitebenen wird der titelgebende Vater-Sohn-Tag geschildert: einmal in den 70ern, als ein Fernfahrer-Vater seinen Lütten auf eine Tour mitnimmt – und dann etwa 20 bis 30 Jahre später, als eben jener Sohn selbst Fernfahrer ist und seinen alten und kranken Vater auf eine Tour mitnimmt. Eigentlich ganz einfach und auch eher schlicht gezeichnet – ging mir aber etwas mehr nahe.

Minecraft und ein paar Mangas

Und dann hatten wir auf Wunsch des Nachwuchses noch ein paar Mangas japanischen und koreanischen4 Ursprungs dabei, über die ich nur bedingt etwas sagen kann. “Solo Leveling” über Monsterjäger, die hinter speziellen Dimensionstoren ihrer Profession nachgehen, kam in dem GCT-Heft leider nicht so recht in die Gänge.

Besonders enttäuschend war aber “Arazhul”, dieser Comic im Minecraft-Stil. Da haben wir zwar nicht viel – aber doch ein bisschen mehr erwartet.

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  1. Ich habe schon in meinem ersten Rezi-Artikel gestanden, mich nur oberflächlich auf die GCT-Comics vorbereitet zu haben.[]
  2. also die Heldin, nicht die Comicreihe[]
  3. aus Gründen[]
  4. Nennt man die dann überhaupt so?[]

Lesetagebuch: Gratis Comic Tag 2022 Teil 1

Seit über zehn Jahren ist es eine schöne Tradition, am Festtage der neunten Kunst zum Comicbuchladen um die Ecke zu pilgern und so viele Gratiscomics wie möglich mitzunehmen. Leider gibt’s bei mir um die Ecke keinen solchen Laden, daher musste es die örtliche Filiale der regionalen Buchhandelsgroßkette tun.1

Dennoch war es einen feinen kleinen Familienausflug wert, der mit einer Beute von 15 Heften durchaus erfolgreich war. Bevor ich zu ihnen im Einzelnen komme noch die Anmerkung, dass wir uns diesmal kaum auf die angekündigten Comics vorbereitet haben. Unsere Auswahl vor Ort erfolgte daher recht spontan und hauptsächlich nach Titelbildern. Was es durchaus spannend machte.

Hier nun Teil eins meiner GCT2022-Kurzrezensionen beginnend mit:

Batman

DC Comics füllt sein diesjähriges GCT-Heft mit einer abgeschlossenen Batman-Geschichte, einer Leseprobe aus der aktuellen Batman-Handlung “Fear State” und einer weiteren Leseprobe aus dem Justice-League-Event “Infinite Frontier”.

Die abgeschlossene Geschichte schildert eine Auseinandersetzung mit dem Superschurken “Killer Moth” und bietet das seltene Beispiel einer Superheldenhandlung, in der die Protagonisten altern – oder zumindest einer davon. Es ist sogar das Kernthema dieser Story, wie besagter Schurke mit seinem Alter umgeht und nach einer Form des Ruhestandes sucht. Das gibt dem Ganzen fast Watchmen-Niveau und ist in jedem Fall sehr gelungen.

Der Ausschnitt aus der Fear-State-Handlung ließ mich etwas verwirrt zurück. Ich bin aber auch so gar nicht mehr auf dem Laufenden, wie es gerade um das DC-Universum – und speziell um die Bat-Family – steht. Offenbar ist Harley Quinn inzwischen komplett zu Batman übergelaufen, den anderen Typen, der an der Seite des Fledermausmannes kämpft, kann ich überhaupt nicht zuordnen. Könnte Azrael, Red Hood, Signal oder jemand ganz anderes sein. Der Oberbösewicht du jour ist diesmal – man ahnt es – Scarecrow, der wieder irgendeine Schurkerei mit angsteinflößenden Chemikalien plant. Klingt alles nicht so, als müsste ich dringend zu den aktuellen Batman-Heftchen greifen.

Bei der Justice League sieht das etwas anders aus. Die Infinite-Frontier-Leseprobe ist zumindest nicht uninteressant. Es beginnt damit, dass eine Raumkapsel in ländlicher Region auf der Erde abstürzt. Darin steckt jedoch kein Baby in roter Decke, sondern Batman. “Ein Batman”, wie die Entdecker der Absturzstelle fachmännisch betonen, um gleich darauf zu beschließen, ihn dem Präsidenten vorzuführen. Präsident Superman wohlgemerkt, wir befinden uns also auf Erde 23, wo ein schwarzer Kryptonier die freie Welt anführt – und eine Superheldenliga aus etlichen Parallelwelten um sich schart.. Das Multiversums-Thema mag gerade etwas ausgelutscht sein – ich mag es dennoch und könnte mir eine genauere Lektüre dieses DC-Comic-Events durchaus vorstellen.

Doctor Strange

Aus naheliegenden Gründen2 hebt man bei Marvel den Oberzauberer auf das Titelbild und füllt den GCT-Band mit zwei Doctor-Strange-Geschichten sowie einer Spider-Man-Venom-Story.

Es beginnt mit einer abgeschlossenen Geschichte über die MCU-Version von Doctor Strange. Sie spielt während seines ersten Films und schildert einen Teil seiner Ausbildung zum Magier. Abgesehen davon, dass die Handlung ziemlich dünn ist – es gelingt ihm nicht, seinen Astralkörper loszulösen und schafft es am Schluss dann halt doch – halte ich MCU-Comics für einigermaßen überflüssig. Schon dem Namen nach gehört das Marvel Cinematic Universe auf die Leinwand oder auf den Bildschirm, in Comicform möchte ich gern 616-Geschichten lesen.

In der zweiten Story bekomme ich das zumindest ausschnittweise geboten. Der “echte” Doctor Strange3 hat offenbar seit kurzem wieder voll funktionsfähige Hände und kann erneut als Chirurg praktizieren. Seinen Job als Oberster Zauberer hat er dabei aber nicht an den Nagel gehängt, er bewohnt immer noch das Sanctum Sanctorum – seit einiger Zeit mit einem witzigen Hundegeist4 an seiner Seite. In seiner aktuellen Serie will man ihm zudem wohl ans Leder, nicht umsonst heißt dieser Event “Der Tod von Doctor Strange”.5

Die dritte Story fasst zum ungezählten Male eine Origin-Geschichte zusammen, diesmal die von Venom. Der Stil ist etwas einfach gehalten – vermutlich soll damit ein jüngeres Publikum angesprochen werden. Aber warum nicht? Hat vielleicht nicht mehr jeder gegenwärtig, woher Spider-Man den Symbionten hatte und wie dieser später an Eddie Brook geraten ist.6

Star Wars: Die Hohe Republik

Seit Disney das Ruder in der weit entfernten Galaxis übernommen hat, ist der Star-Wars-Kanon bekanntlich reichlich umgekrempelt worden. Nicht zum Nachteil, wie ich finde, aber dieses Fass will ich an dieser Stelle gar nicht aufmachen. Die Ereignisse vor “The Phantom Menace” blieben davon lange unberührt, einschließlich dem, was unter “Old Republic” lief. Mit “The High Republic”7 soll das nun anders werden. Vor allem in Buch- aber auch in Comicform soll neukanonisch die Zeit vor der Skywalker-Saga erschlossen werden.

Das GCT-Heft präsentiert einen Ausschnitt der Handlung um eine Gruppe junger Jedi, die sich im Namen der Republik offenbar mit den so genannten Nihil 8 rumschlagen. Konkret überfallen diese gerade einen Planeten, was besagte Jedi zu vereiteln suchen. Wie reizvoll die dahinterliegende Metahandlung ist, war dem kurzen Schlaglicht nicht zu entnehmen. Nett ist immerhin, dass eine der Hauptfiguren der junge Meister Yoda ist.

Spirou und Fantasio Spezial: Super Page

Zu meiner aller größten Schande muss ich gestehen, diese Perle franko-belgischer Comickunst bislang gänzlich ignoriert zu haben. Unverzeihlich, wie mir dieses GCT-Heft vor Augen geführt hat. Ähnlich wie Asterix und Obelix werden diese beiden Comichelden inzwischen in leicht modernisierter Form von einem neuen Zeichner-Autoren-Paar gestaltet.9

In dem vorliegenden “Spezial” hat sich Spirou entschlossen, eine Karriere als Superheld zu starten. In seiner Geheimidentität nennt er sich “Super Page”10 und geht als dieser auf Verbrecherjagd. Großartig gleich zu Beginn sein Besuch in Amerika bei “Bat Guy”, dessen Lebenskonzept, statt mit seinem Reichtum Gutes zu tun, lieber nachts Verbrecher zu verkloppen, herrlich auseinandergenommen wird. Daheim in Belgien will Spirou es besser machen, lernt aber schnell, dass das alles nicht so einfach ist.

Mein Fazit: Großartig! Dieses Heft ist zu meiner eigenen Überraschung mein diesjähriges Gratis-Comic-Tag-Highlight.

Colony: Die Schiffbrüchigen des Alls

Eigentlich hatte ich den Titel jedoch von diesem Heft erwartet.11 Gute Science-Fiction-Comics sind rar gesät. Zumindest suche ich dergleichen immer gern und Colony ist ein heißer Kandidat.

Das Szenario ist recht klassische Weltraum-SF: Ein paar hundert Jahre in der Zukunft hat sich die Menschheit zwischen den Sternen ausgebreitet. Nachdem man es zunächst aus eigener Kraft versucht hatte, gab erst der Erste Kontakt mit einer außerirdischen Zivilisation den nötigen technologischen Schub. Die Schiffe aus der ersten interstellaren Kolonisationswelle sind fast alle verschollen und werden nun von einer eigens eingerichteten Spezialeinheit gesucht. Allerdings sind inzwischen auch Piraten auf der Suche nach diesen Schiffen, um sie auszuschlachten.

Das Ganze ist natürlich eine längere Comicserie, das GCT-Heft hat jedoch den kompletten Band 1 zum Inhalt, falls ich das richtig sehe. Im Zentrum der Handlung steht eine frische Truppe aus dieser Spezialeinheit, die ihren ersten echten Einsatz hat. Sie untersuchen ein gerade entdecktes Kolonistenschiff, werden dabei aber von Piraten überrascht. Dennoch gelingt es ihnen, einen der alten Kolonisten aus seinem Tiefschlaf zu wecken und zu retten.

Dieser Tiefschlaf hat es aber in sich: Denn die Schlafenden leben derweil ein virtuelles Leben in einer künstlichen Welt. Entsprechend braucht der Knabe eine Weile, um sich in der Realität zurechtzufinden. Auch wenn den Helden schließlich die Rettung gelingt, zeichnet sich ab, dass die virtuellen Welten das eigentliche Thema der Serie werden könnten.

Inhaltlich bin ich von diesem Heft ebenfalls sehr angetan – auch wenn mir als Fan der ligne claire der Zeichenstil etwas zu ungeschlacht ist.

Fortsetzung folgt

Bald geht’s weiter mit Enola Holmes und Caroline Baldwin, dem Lustigen Taschenbuch, der schrecklichen Adele, dem Vater-Sohn-Tag, dem Augensammler und ein paar Mangas.

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  1. für die dieser Tag eigentlich nicht gedacht ist – aber was soll’s[]
  2. die für Batsie genauso gelten[]
  3. also die Comic-Version aus dem 616-Universum[]
  4. oder Geisterhund?[]
  5. Was erfahrene Superheldencomiclesende natürlich kalt lässt.[]
  6. Dabei mochte ich den Flash-Thompson-Venom viel lieber.[]
  7. ähnlich wie bei “First Order” etwas unbeholfen in “Hohe Republic” übersetzt[]
  8. Ob die was mit Darth Nihil zu tun haben, der im alten Kanon ja eigentlich lange nach den Skywalkers sein Unwesen treibt?[]
  9. Ein oberflächlicher Blick in die Wikipedia belehrt mich, dass Autoren und Zeichner hier wohl schon oft gewechselt haben.[]
  10. wie der Hotelpage – ich neige immer dazu, irrtümlich “page” wie “Seite” zu lesen[]
  11. Ja, ein bisschen hatte ich mich im Vorfeld doch belesen.[]

Lesetagebuch: Perry Rhodan Alltagsbände

Neben der aktuellen Perry-Rhodan-Erstauflage lese ich zur Zeit nicht weniger als drei weitere Zyklen der weltgrößten Raketenheftchenserie. Während ich bei ersterer tapfer mein wöchentliches Heft verfrühstücke, konsumiere ich letztere in etwas gesetzterem Tempo.

Jubiläumsbände

Die drei so genannten Jubiläumsbände habe ich inzwischen durch und mit erwartbar großem Genuss gelesen. Bei den Auftaktheften neuer Handlungsabschnitte hat man sich bei Perry Rhodan schon immer besondere Mühe gegeben, aus diesen Reihen stammen oft die ewigen Klassiker der Serie. Ergänzend zu meinen Ausführungen vom letzten Mal hier ein paar Worte zu den drei Heften.

Band 50Der Einsame der Zeit“: Über diesen Klassiker braucht man unter PR-Fans kaum Worte zu verlieren. Die erste Begegnung zwischen Rhodan und Atlan hat zu Recht Kultstatus. Objektiv betrachtet ist es flott geschriebene 60er Jahre Pulp-SF im allerbesten Sinne, die allerdings stets bemüht ist, der “Science” in Science-Fiction bestmöglich gerecht zu werden. Denn das hat PR von Anfang an ausgemacht: Die Heftserie hat stets den Anspruch erhoben und verwirklicht, besserer Pulp zu sein – oder sogar ein wenig mehr als das. Das Motiv1 dass sich  die beiden Haupthelden bei ihrer ersten Begegnung erst einmal bekämpfen müssen, ehe sie dann beste Freunde werden, erinnert mich im Übrigen erneut an meine These, dass das Perryversum in vielen Aspekten doch sehr dem Superheldenuniversum aus dem Hause Marvel ähnelt.2

Band 1300Die Gänger des Netzes“: 25 Jahre später lesen sich die Romane deutlich anders. Heldinnen und Helden sind etwas mehrdimensionaler geworden – und überhaupt gibt es jetzt vermehrt auch Heldinnen. Rhodans Tochter Eirene wird wie ein echtes menschliches Wesen in die Serie eingeführt und nicht wie ein klischeehaftes Abziehbild. Dafür ist die dargestellte Technik deutlich abgehobener – um nicht zu sagen esoterischer – geworden. Und trotzdem ist sich die Serie nach all den Jahrzehnten treu geblieben, denn auch diese psionische Technik hat eine ausführlich ausgearbeitete pseudowissenschaftliche Grundlage. Und gar so plump waren viele Figuren auch in den 60er Jahren nicht. So oder so, ich mag diese Epoche, ich mag Eirene – auch wenn beides längst nicht so tiefe Spuren in der Serie hinterlassen hat, wie Atlan und seine Entstehungszeit.

Band 2700Der Techno-Mond“: Wie bereits angedeutet, habe ich den Band dieses Mal mit deutlich größerem Genuss gelesen, als an seinem Ersterscheinungsdatum. Das lag damals in meiner PR-Lesepause, in der ich nur hin und wieder zu einem Heft gegriffen habe, um mir zu bestätigen, dass ich mit Recht ausgestiegen war. Offenbar sind seit meinem Ausstieg3 also nicht nur die Hefte besser geworden – auch meine Erwartungshaltung an die Serie hat sich wieder gewandelt. Diesmal haben mir Rhodans erneuter Flug zum Mond und die dramatische galaktopolitische Lage sehr gefallen.

Zum Zyklusalltag

Nun sind Jubiläumsbände das eine – die regulären Hefte hingegen etwas ganz anderes. Allzu oft wird direkt nach einem Jubiband erst einmal kräftig auf die Bremse getreten. Die gerade offenbarten Großprobleme und neuen kosmischen Geheimnisse bleiben nahezu unangetastet, im schlimmsten Fall wird die Lesendenschaft etliche Hefte lang hingehalten, ehe es häppchenweise Aufklärung gibt. Manchmal wird auch radikal das Handlungsumfeld gewechselt und eine vermeintlich völlig andere Geschichte erzählt. In diesen Alltagsheften stecken aber oft Perlen mit abgeschlossenen Einzelgeschichten – oder aber die Metahandlung wird doch spannend weitererzählt. Hier im “Alltag” also trennen sich oft erst die guten von den weniger guten Zyklen.

Und hier wird sich auch entscheiden, in welcher Epoche ich am längsten durchhalte – eventuell gibt es bereits erste Hinweise. Es folgen meine ersten Eindrücke zu den jeweils ersten Alltagsheften, die ich ungefähr je zu einem Drittel durch habe.4

Band 51Jagd nach dem Leben“: Wenn ich in letzter Zeit – was hin und wieder vorkommt – zu einem der ganz alten Hefte greife, staune ich immer, wie spannend und gut erzählt die waren. Auch wenn das Menschen- und Gesellschaftsbild bei dem ein oder anderen Autoren5 in Richtung fragwürdig ging, schreiben konnten die. Das gilt auch für Kurt Brand, dessen Roman direkt an den Vorgänger anschließt – jedoch nur um sogleich einen Wechsel der Handlungsebene zu vollziehen. Es wurden nämlich Agenten ausgesandt, um im Großen Imperium zu spionieren. Nicht jedoch, um die geheime Position der Erde6 zu sichern, sondern aus recht persönlichen Gründen. Da ES den auf der Erde gestrandeten Arkoniden Thora und Crest nämlich die Unsterblichkeit verweigert hat, lässt Perry Rhodan – seines Zeichens Regierungschef der Erde und aller von Menschen besiedelten Welten – nach anderen lebensverlängernden Mitteln und Methoden für seine Frau und seinen Freund suchen. Ob das von der Verfassung und seinem Amtseid gedeckt ist? Egal. Spannend erzählt ist es wie gesagt. Da bleibe ich einstweilen dran.

Band 1301Eirenes Spur“: H. G. Francis setzt die Handlung des Jubiläumsbandes ziemlich nahtlos fort. Der Fokus liegt zwar auf Eirenes Schicksal und Rhodans Suche nach ihr, das einstweilige Hauptproblem des Zyklus, das Auftauchen des KLOTZes, kommt aber auch zu seinem Recht. Francis gelingt dieser Roman sehr gut, flott geschrieben und vor allem die Darstellung von Eirene und ihren Abenteuern gefällt mir besonders. Also auch hier nicht der leiseste Grund abzubrechen.

Band 2701Unter der Techno-Kruste“: Auch hier geht es direkt weiter. Rhodan hat mit seiner Crew den Mond erreicht und beginnt die Erkundung. Obwohl ich mir von diesem mir noch völlig unbekannten Zyklus am meisten erhofft hatte, will mich dieser Roman – immerhin von einem der heutigen Exposé-Chefs Christian Montillon – noch nicht so recht packen. Ich stecke aber auch noch recht am Anfang. Das wird sicher noch.

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  1. heutzutage würde man wohl “trope” sagen[]
  2. dazu vielleicht an anderer Stelle einmal mehr[]
  3. der bereits mit Heft 2200 erfolgt war[]
  4. Hinweis: Ich werde es mit Sicherheit nicht durchziehen, künftig zu jedem einzelnen Heft etwas zu schreiben. Es werden eher sporadische schlaglichtartige Eindrücke kommen.[]
  5. Ja, damals waren das alles Kerle.[]
  6. und sogar die schiere Tatsache ihrer Existenz, für die Galaxis gilt sie nämlich seit 60 Jahren als vernichtet[]

Lesetagebuch: Auf zu neuen Rhodan-Zyklen!

Seit Dezember letzten Jahres liegen drei eBook-Pakete1 aus unterschiedlichen Zeitaltern der Perry-Rhodan-Serie auf meinem Kindle – und die aktuelle Erstauflage ist natürlich auch dabei. Ich plane, in unregelmäßigen Abständen über meinen jeweiligen Lesestand zu berichten. Mal schauen, wie weit ich komme.2

Ab Band 50: Atlan und Arkon

Der zweite Handlungszyklus3 überhaupt startete im Jahr 1962 mit dem Heft Der Einsame der Zeit, worin erstmals der unsterbliche Arkonide Atlan auftrat – eine der wichtigsten und beliebtesten Figuren der Serie.

Warum dieser Zyklus: Das Heft und auch große Teile des Zyklus’ habe ich mindestens schon zwei Mal gelesen. Diese erneute Lektüre dient also der Auffrischung einer sehr geschätzten Leseerinnerung. Denn ich habe damals4 mit zehn Jahren meine Lesekarriere mit den allerersten Heften begonnen.

Warum dann nicht ab Band 1? Gute Frage. Ich denke, ich habe nach dem Eschbach-Roman, Galacto City und Co. Gefühl und Seele der allerersten Hefte ausreichend verinnerlicht, um gleich ins 21. Jahrhundert des Perryversums einzusteigen.

Wie weit: So ich denn überhaupt länger durchhalte, sieht mein grober Plan vor, bis Band 200 vorzudringen. Ich freue mich sehr auf die Abenteuer der Abteilung 3 und später der USO, auf die Begegnungen mit den Druuf, Akonen, Posbis und Blues. Mal schauen, ob sie so gut sind, wie ich sie in Erinnerung habe. Allein das wäre schon ein Projekt für drei Jahre, so ich es denn schaffe, im Schnitt ein Heft pro Woche zu lesen. Mir danach nochmals die Meister der Insel in voller Gänze zu geben, werde ich mir ganz genau überlegen müssen.

Aktueller Stand: Heft 50 habe ich so gut wie durch. Es ist erneut eine Freude, den bedauernswerten Atlan zu begleiten, wie er sich auf der für ihn völlig veränderten Erde zurechtzufinden versucht. Auch wenn man die Gesellschaft des Jahres 2040 heute etwas5 anders beschreiben würde, bleibt das Szenario interessant und einfallsreich. Sagt was ihr wollt, Scheer ist einfach ein guter und spannender Erzähler.

Ab Band 1300: Die Gänger des Netzes

Die Gänger des Netzes starteten 1986 mit dem gleichnamigen Roman. Trotz eines kleinen Zeitsprungs werden etliche Handlungsstränge der vorangegangenen Zyklen nahtlos fortgesetzt. Für Neueinsteiger in die Serie mag er daher nur bedingt geeignet sein. Mit Rhodans Tochter Eirene wird eine neue Figur eingeführt, die der Serie gut 200 Hefte lang erhalten bleibt.

Warum dieser Zyklus: Von meiner Aufholjagd zur Erstauflage in der ersten Hälfte der 90er Jahre ist mir diese Handlungszeit in besonderer Erinnerung geblieben. Ich mochte die Stimmung der von Kurt Mahr und Ernst Vlcek bestimmten Ära. Die beschriebene Technik war cool, das Setting um die verschollene Superintelligenz ESTARTU, die Ewigen Krieger, das Universum Tarkan, die Kartanin und schließlich die Galaxie Hangay war großartig. Da ich durch diese Zeit ziemlich durchgehetzt bin, habe ich ausgerechnet hier noch große Lücken.

Warum dann nicht ab Band 1250? Ja, der ganze ESTARTU-Komplex beginnt schon etwas früher. Aber durch besagten kleinen Zeitsprung und die Einführung der Netzgänger ist es dennoch ein guter Einstiegspunkt für mich.

Wie weit: Auf diesen Zyklus folgen mit den Cantaro und den Linguiden zwei Abschnitte, von denen ich außer Zusammenfassungen fast gar nichts gelesen habe. Mein grober Plan sieht vor, mindestens bis Heft 1600 vorzudringen. Sollte ich mich nicht losreißen können vielleicht sogar bis 1800, das Heft, mit dem ich damals die Erstauflage erreicht und erstmals parallel gelesen hatte. Denn die ganze Arresum– und Ayindi-Schose mochte ich auch sehr. Bei der oben beschriebenen Lesegeschwindigkeit sprechen wir hier allerdings von einem Plan für die nächsten sechs bis zehn Jahre. Aber jetzt freue ich mich erst einmal auf die Abenteuer von Eirene, Dao-Lin-H’ay, Ratber Tostan und wie sie in dieser Epoche alle heißen.

Aktueller Stand: Ich habe gerade Band 1300 ausgelesen. Rhodans Tochter Eirene wurde vorgestellt, sie wurde zur Gängerin des Netzes ernannt und geriet am Ende in ein gefährliches Abenteuer, aus dem sie in den Folgebänden herausfinden muss. Papa Perry ist jedenfalls schon unterwegs. Ich mag die junge Dame und das Umfeld, in dem sie beschrieben wird. Dass sich alles zig Millionen Lichtjahre von der heimischen Milchstraße entfernt abspielt – Rhodan und seine Gang sind aus der Heimat verbannt und müssen aus der Ferne wirken – und die Technik deutlich anders funktioniert, als es Stammlesende aus alten und neuen Tagen gewohnt sind, mag für die eine oder den anderen eher abschreckend wirken. Ich hingegen fühle mich – als Leser wohlgemerkt – in der Mächtigkeitsballung ESTARTU wohl und mochte Syntroniken und Metagravtriebwerke schon immer lieber.

Ab Band 2700: Das Atopische Tribunal

Niemand Geringeres als Andreas Eschbach durfte 2013 mit Der Techno-Mond ein neues Kapitel der Perry-Rhodan-Historie aufschlagen. Das Atopische Tribunal war ein Zyklus, der nach fast 900 Heften recht eng verflochtener Handlung einen Schnitt und Neuanfang präsentierte.

Warum dieser Zyklus: Mit Heft 2200 bin ich damals komplett aus der Serie ausgestiegen. Es hatte mir aus unterschiedlichen Gründen überhaupt nicht mehr gefallen. Von wenigen stichprobenartigen Lesemomenten6 abgesehen dauerte es bis Heft 3000 bis ich wieder vollkommen eingestiegen bin. Eine Lücke, die ich nun zu schließen gedenke.

Warum dann nicht ab Band 2200? Die Antwort fällt recht leicht. Die Metahandlung dieser Zeit hatte damals einen großen Anteil an meinem Ausstieg. Ich vermute, dass der Neuanfang mit Heft 2700 die Grundlagen dessen gelegt hat, was mir an der aktuellen Serie so gefällt.

Wie weit: Theoretisch bis Heft 3000, was ungefähr einem Projekt von sechs Jahren Dauer entspräche. Ich werde berichten, wie weit ich durchhalte.

Aktueller Stand: Ungefähr in der Mitte von Band 2700 stelle ich fest, dass mein Urteil heute deutlich milder ausfallen wird als ehedem.7 Ich mag das Zurück-zu-den-Wurzeln-Szenario sehr gern, bin äußerst gespannt auf die bereiteten Handlungsstränge mit den Tefrodern, dem Medusa-Planeten und der bereits angedeuteten Techno-Mahdi-Geschichte. Und dass Eschbach ein guter Autor ist, wissen wir ja eh.

Ab Band 3150: Die Chaotarchen (aktuelle Erstauflage)

Nach einer winzigen Lesepause von ungefähr zehn Heften bin ich seit Band 3150 wieder voll dabei.

Aktueller Stand: Stecke gerade im Anfang des aktuellen Hefts 3152. Mit dem Start der zweiten Zyklushälfte strebt – um nicht zu sagen “stürzt” – die Handlung wieder der heimatlichen Milchstraße zu, wo man alsbald den Showdown zwischen Chaotarchen und Kosmokraten erwarten darf. Und mittendrin unsere Heldinnen und Helden. Szenario und Metahandlung finde ich weiterhin okay, der Schwerpunkt meiner Begeisterung liegt unverändert auf den Charakteren und der Qualität der Autorinnen und Autoren, die sich meiner Meinung nach gerade auf einem Höhepunkt befindet. Was oft – leider nicht immer – gut gelingt ist die Darstellung der Chatoarchen nicht als wilde Bösewichte, sondern als durchaus auch ehrenhafte Figuren, die einfach eine andere Grundüberzeugung haben, als ihr Konterpart. Das gelingt mit dem neu eingeführten Quintarchen, der sich rotzfrech unter die Besatzung von Rhodans Raumschiff gemischt hat, zunächst ganz gut. Heft 3151 scheint das zunächst etwas zu verwässern, hat sich dann aber wieder gefangen, wie ich bei Twitter etwas ausgeführt habe. 3152 scheint die positive Tendenz fortzusetzen.

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  1. An dieser Stelle erneut der Pro-Tipp: ladet euch die kostenlosen Leseproben der Perry-Rhodan-Zykluspakete runter, dann könnt ihr erst einmal die jeweils ersten beiden Hefte so lesen, ehe ihr euch zum Kauf des Pakets entschließt.[]
  2. sowohl beim Lesen als auch beim Berichten[]
  3. Wobei man damals noch von “Epochen” sprach, die allerdings kleinere Einheiten als die späteren Zyklen darstellten.[]
  4. um und bei 1984[]
  5. um nicht zu sagen “deutlich”[]
  6. darunter auch Heft 2700, wie obiger Link zeigt[]
  7. siehe obigen Link[]

Lesetagebuch: Perry Rhodan Wega

Am 20. August ist der zwölfte und abschließende Roman der #PerryRhodan-Miniserie Wega erschienen. Erstmals seit Traversan habe ich eine solche wieder komplett und parallel zu den Erscheinungsdaten gelesen. Um es gleich vorweg zu nehmen: Hat mir gut gefallen.

Zum Inhalt im Folgenden ein paar wenige Worte1 – und auch mein Urteil will ich im klassischen Listicle-Stil reduzieren: und zwar auf die vier Punkte, die mir sehr gut gefallen haben – und jene vier, bei denen das nicht ganz der Fall war.2

Doch zunächst zum Inhalt und somit zur obligatorischen

WARNUNG VOR DEM SPOILER

Erstes Drittel: Back to the Roots

Die vier ersten Hefte führen in das Szenario ein. Auf einem Staatsbesuch ins Wegasystem3 rasselt Perry Rhodan in eine waschechte Krise. Aus heiterem Himmel wird das System von den bis dato unbekannten Maccani besetzt und abgeriegelt. Die Angreifer fordern die Auslieferung von Rhodan und seinem Freund Reginald Bull und übernehmen im Handstreich die Macht im System. Nicht minder überraschend erscheint per Zeitsprung Gillian Wetherby, eine Raumsoldatin aus der Anfangszeit des kosmischen Aufbruchs der Menschheit,4 und schließt sich Rhodan bei seiner Flucht an. Dabei verschlägt es die beiden auf die Spur eines weiteren kosmischen Rätsels der Superintelligenz ES5 – und es werden ein paar Rückblenden in die 70er Jahre eingeflochten. Ähnlich ergeht es Bull und seinem Begleiter Gucky, die sich jedoch auf dem Heimatplaneten des Mausbibers wiederfinden, der eigentlich seit langem zerstört ist. Die Hefte im einzelnen:

Zweites Drittel: Quest

Die vier mittleren Hefte schildern vor allem Rhodans und Wetherbys Flucht durch bizarre Welten und Dimensionen, dicht gefolgt vom Oberschurken Krakatau. Dabei finden sie schließlich einen MacGuffin,6 mit dem sie ins Wegasystem zurückkehren können. Bull und Gucky erkennen derweil, in die ferne Vergangenheit geraten zu sein, um offenbar eine wichtige Rolle im Schicksal des Planeten Tramp zu spielen. Die Hefte im einzelnen:

Drittes Drittel: Showdown im Wega-Sektor

Die vier letzten Hefte lösen erwartungsgemäß alles auf: Natur und Herkunft der Maccani und ihres schurkischen Anführers Krakatau, wie die zwischenzeitlich drei Handlungsebenen zusammenhängen, wie sich all dies in den übergeordneten Perry-Rhodan-Kosmos einfügt und wer tatsächlich hinter all dem steckt. Parallel dazu gelingt es den Helden natürlich, Blockade und Besatzung des Wegasystems zu beenden, die Schurken ihrer gerechten Strafe zuzuführen und ihren verblendeten Gefolgsleuten gnädig den Weg in eine selbstbestimmte Zukunft zu weisen. Die Hefte im einzelnen:

Top4: Eine rundum gelungene Miniserie

Mein Gesamturteil ist schnell formuliert: Die zwölf Hefte haben mir sehr gut gefallen. Die Geschichte ist spannend und einfallsreich, es sind viele schöne Verknüpfungen und Eastereggs für die Kenner der Serie enthalten und es ist durchweg handwerklich gut bis sehr gut geschrieben. Vier Dinge7 möchte ich besonders lobend hervorheben. Hier also meine #TopVier der Wega-Miniserie:

1. Die 70er-Jahre-Handlung

Der neu eingeführten Figur Gillian Wetherby wurde bewusst ein Hintergrund aus den Anfangstagen der Perry-Rhodan-Serie verpasst. Sie stammt aus den 70er-Jahren des Perryversums, als die Menschheit gerade ihre ersten Schritte in den Kosmos gewagt hat.

Im Jubiläumsjahr der Serie ist eine solche Rückbesinnung durchaus naheliegend, sie ist hier aber auch besonders gut gelungen. Die Rückblenden in Heft zwei und drei erzählen Gillians Vorgeschichte, ehe sie von der Superintelligenz ES 3000 Jahre in die Zukunft versetzt wird. Und diese Vorgeschichte ist pures Gold.

In offensichtlicher und hochwillkommener Anknüpfung an Eschbachs Rhodan-Roman von 2019 werden die Perry-70er in zeitgemäßem Gewand geschildert. Sowohl Hary als auch Brill gelingt es hervorragend, Eschbachs Tonalität fortzusetzen. Sogar inhaltlich könnten Wetherbys Abenteuer direkt an Eschbachs Buch angehängt werden, da dieses mit dem Aufbruch zur Wega endet.

2. Die Autor:innen

Ich bin mir noch immer nicht zu 100 Prozent sicher, ob es sich dabei um beginnende Altersmilde handelt, aber seit meinem Wiedereinstieg in die regelmäßige Perry-Rhodan-Lektüre habe ich den Eindruck, dass sich die Qualität der Texte und somit der Autor:innen seit damals8 deutlich verbessert hat.

In den Miniserien und anderen “Nebenprodukten” der Serie werden traditionell jüngere und/oder neuere Autor:innen eingesetzt, die später oft in die Erstauflage “aufsteigen”. Sollte dies auch hier der Fall sein, sehe ich der Zukunft der Serie mit ungebrochener Zuversicht entgegen.

Alle Autor:innen der Wega-Miniserie – neue wie etablierte – haben ausnahmslos spannende, einfallsreiche und handwerklich gute bis sehr gute Romane abgeliefert.

3. Einbettung in den Perry-Kosmos

So eine Miniserie hat naturgemäß das Problem, dass sie nicht allzu relevant für die Haupt- und Metahandlung des gesamten Serien-Kosmos sein darf. Schließlich muss man die Erstauflage lesen, verstehen und genießen können, ohne die Nebenprodukte eines Blickes zu würdigen.9

Die Wega-Miniserie ist in der Handlungslücke zwischen den Erstauflage-Heften 3099 und 3100 angesiedelt und löst all ihre zu Beginn aufgeworfenen Probleme nach Ablauf der zwölf Hefte restlos wieder auf. Das ist vollkommen legitim und in Ordnung.

Dennoch bettet sie sich hervorragend in den übergeordneten Handlungs-Kosmos ein und greift unzählige lose Fäden der Serie auf. Die Möglichkeit intensiver Verknüpfungen mit der Historie des Handlungsorts wird ausgiebig genutzt. Die gelungene Anbindung an die Anfangszeit der Serie hatte ich bereits erwähnt.

Doch damit nicht genug: Die Zeitreise in die ferne Vergangenheit von Tramp fügt dem letzten lebenden Mausbiber und seinem einstigen Volk ordentlich Hintergrund hinzu. Und schließlich hat mit den Nakken ein bedeutendes Alienvolk aus den 1300er Heften10 ein Gastspiel.

Derart gut überlegte und eingewebte Anspielungen, Querverweise und Eastereggs mag ich unheimlich gern.

4. Robby

Die allerbeste dieser Anspielungen war dem Abschlussband vorbehalten, weswegen auch ich sie hier gesondert aufführe. Hinter all den Ränken steckte nämlich … (Hatte ich schon vor dem SPOILER gewarnt? Ich denke schon.) … Robby!

Das schöne an diesem aufgenommenen roten Faden ist, dass er zwar aus den Anfangstagen der Hauptserie stammt – aber in der Zwischenzeit in einer Nebenserie weitergesponnen worden war, um nun erneut Verwendung zu finden. Denn Robby ist nicht nur der alte arkonidische Roboter aus den allerersten Heften, seine Geschichte war bereits im Jahr 2009 von niemand geringerem als Michael Marcus Thurner im Wega-Zyklus der Perry-Rhodan-Action-Serie weitererzählt worden.

Zumindest die ersten beiden Hefte hatte ich in Vorbereitung zu dieser Serie nachgelesen. Die Figur des “erwachten” geschichtenerzählenden Roboters hatte mir sehr gut gefallen. Aber ich mag KIs ohnehin. Schon da hatte ich gehofft, dass seine Geschichte dereinst weitererzählt werde, wurde aber schändlich hingehalten und getäuscht.11

Nicht ganz so Top4: Jammern auf hohem Niveau

Was wäre ich für ein Perry-Rhodan-Fan wenn ich nichts zu meckern hätte? Das macht doch den halben Spaß aus, am Objekt seiner fannischen Verehrung herumzukritteln. Diese vier Dinge geben mir Anlass dazu.

1. Wetherbys verschenktes Potential

Gillian Wetherby ist eine großartige neue Figur. Sie glänzt vor allem in den von mir bereits hoch gelobten Rückblenden und verspricht in den vier ersten Heften enormes Potential. Während ihrer gemeinsamen Quest mit Rhodan im Mittelteil gibt sie noch einen kompetenten und interessanten Sidekick ab – im letzten Drittel scheinen die Autor:innen aber nichts mehr so recht mit ihr anfangen zu können. Mal ist sie die schießwütige Raumsoldatin aus grauer Vorzeit, mal ist sie die unbeholfene aus der Zeit gefallene Außenseiterin.

Mindestens zwei vielversprechende Aspekte von ihr sind im Laufe der zwölf Hefte irgendwie verloren gegangen. Zum einen war mir am Ende gar nicht mehr klar, warum sie jetzt eigentlich von ES aus der Vergangenheit geholt werden musste, um Rhodan zu helfen. Klar, sie hat geholfen und das nicht zu knapp – aber dass sie den entscheidenden Beitrag geleistet hätte, den niemand anderes hätte leisten können, ohne den alles verloren gewesen wäre, ist mir irgendwie entgangen. Oder ich habe es vergessen.

Und zum anderen hatte ich seit Heft eins auf mehr Infos zu ihrer gemeinsamen Vergangenheit mit Reginald Bull gewartet. Hatten die Autor:innen das nach Heft drei vergessen? Dazu kam so gar nichts mehr.

Aber auch ihre Geschichte muss noch nicht auserzählt sein. Seit den Ereignissen der Miniserie sind erst elf Jahre vergangen. Sie müsste in der aktuellen Handlungszeit noch am Leben sein. Oder ist sie gar schon in der Erstauflage aufgetaucht?12

2. Leichter Durchhänger in der Mitte

So nett die gemeinsame Quest von Perry und Gillian ist, sie hat im Mittelteil der Serie die Handlung etwas arg in die Länge gezogen. Dadurch hatte ich zwischenzeitlich die Sorge, dass zu wenig Handlung auf zwölf Hefte ausgedehnt worden ist. Im Gegensatz dazu sind mir einige Entwicklungen im letzten Drittel zu hastig geraten.

Zugegeben, das ist der Kritikpunkt, den ich am wenigsten konkret festmachen kann. Geschweige denn, dass ich eine Idee parat hätte, wie es besser hätte aussehen können. Aber irgendwie war mir der Fortlauf der Handlung zu uneinheitlich.

3. Böse Roboter

Ein bisschen enttäuscht war ich auch von der Auflösung, dass wir es letztlich mit bösen oder wahlweise durchgedrehten Robotern zu tun haben. Nun bin ich als großer KI-Freund in der Sache etwas befangen – aber dennoch will ich behaupten, dass die #ScienceFiction dem Motiv des bösen seelenlosen Roboters doch langsam entwachsen sein sollte.

Ich will nicht ungerecht sein, schließlich ist die Perry-Rhodan-Serie voll von positiven Beispielen künstlicher Intelligenz, angefangen bei Rico, Meech Hannigan und den Posbis. Da dürfen hin und wieder gern auch mal durchgeknallte Roboter auftauchen. Aber ach … ich hätte dem alten Geschichtenerzähler Robby ein würdigeres Andenken gewünscht.

4. Zu wenig 70er-Jahre-Handlung

Da ich die 70er-Jahre-Rückblenden mit Abstand am liebsten mochte und sie nur in zwei Heften in wenigen Absätzen auftauchen, ist es naheliegend, dass mir das zu wenig war. Ein bisschen zählt das auch zu Wetherbys verschenktem Potential. Es hätte einfach mehr sein müssen.

Ein Glück, dass mit der Kurzgeschichten-Reihe Galacto City bald Neues aus der Ecke kommt.

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  1. Naja, ein paar mehr sind es doch.[]
  2. Was es ehrlich gesagt auch nicht kürzer macht.[]
  3. Altleser:innen der Serie wohlbekannt als erster Handlungsort außerhalb des Sonnensystems[]
  4. genaugenommen aus den 70er Jahren, die aus Sicht der ersten Hefte noch in der Zukunft lagen[]
  5. Auch das eine Anspielung auf die Ereignisse der ersten Hefte.[]
  6. Eine Truhe der Superintelligenz ES. Hätte wahlweise auch ein Ring,  ein Infinity-Stein oder ein Sport-Almanach sein können.[]
  7. Die eine oder der andere erinnert sich womöglich an meine TopVier-Rubrik.[]
  8. Meine intensivste Fandom- und Lesezeit lag zwischen den Heften 1800 und 2200, also um das Jahr 2000.[]
  9. Da gehen Marvel und Co. deutlich drastischer zu Werke, indem sie ihre Crossoverhandlungen stets über mehrere parallele Serien laufen lassen.[]
  10. eine meiner Lieblings-Epochen der Serie[]
  11. Spaß! Hat MMT vollkommen richtig gemacht.[]
  12. Ich hänge aktuell ein paar Hefte hinterher.[]

Lesetagebuch: Pelipontalus und die Königin der Maschinen von Robert Schulz

Bereits seit Jahren schwirrte meinem guten Freund und Podcast-Kollegen1 Robert die Idee für ein Kinderbuch im Kopf herum. Doch es wollte nicht nur aufgeschrieben sein, sondern auch einen angemessenen Rahmen verpasst bekommen. Ein richtiges Buch sollte es werden, vor allem – wenn nicht gar ausschließlich – zur eigenen Erbauung.

Ein neuer Stern am Verlagshimmel

Also hat Robert kurzerhand einen eigenen Verlag gegründet und sich selbst an die Veröffentlichung gemacht. So hat 2020 der Literarische Lloyd das Licht der Welt erblickt und wird als Verlag für Besonderes womöglich noch öfter von sich Reden machen.

Bildgewaltige Unterstützung

Zudem ist es Robert gelungen mit Sina Loriani einen ganz wunderbaren Künstler für sein Projekt zu gewinnen, der neben dem Titelbild auch zahlreiche Innenillustrationen beigesteuert hat. Sein zeichnerisches Schaffen kann – und sollte! – man auf seinem Instagram-Kanal (@sciconaut) verfolgen.

Das Pelipontalus ist da!

Nach all diesen organisatorischen und künstlerischen Bemühungen ist es endlich soweit: Seit dem 5. Juli 2021 kann das Buch überall käuflich erworben werden – sei es im kleinen Buchladen um die Ecke2 oder online direkt beim Verlag:3

Pelipontalus und die Königin der Maschinen

Ein Weltraumtier berichtet

Wer oder was ist eigentlich das Pelipontalus und was tut es? An dieser Stelle nur soviel: Es ist ein recht kleines, flauschiges, neugieriges und hin und wieder etwas verfressenes Weltraumtier, das der jungen Heldin der Geschichte hilfreich zur Seite steht.

Dankenswerterweise stellt es sich dem Erzähler – und somit der Leser:innenschaft – gleich zu Beginn des Buches in einer amüsanten kurzen Rahmenhandlung vor.

Familienleben im Weltall

Gleich darauf lernen wir die kleine Joni kennen, die mit ihren Eltern und besagtem Haus- und Kuscheltier auf einem Frachtraumschiff lebt, das Jahr um Jahr zwischen den Sternen unterwegs ist.

Wir befinden uns also in einer fernen Zukunft und in einem waschechten Science-Fiction-Szenario. Davon abgesehen wirkt Jonis Leben zunächst sehr vertraut. Wie jedes Kind erkundet sie ihre Umgebung – in diesem Fall das Raumschiff Millimallikas –, stellt viele Fragen und langweilt sich hin und wieder ein wenig.

Vom Roboterkrieg und der Maschinenkönigin

Selbstverständlich ist es mit der Langeweile sehr schnell aus, als sie jäh in ein Abenteuer geworfen wird, das sie ganz allein bestreiten muss. Nun ja, nicht ganz. Das Pelipontalus ist natürlich treu an ihrer Seite.

Es folgt eine rasante Reise über fremdartige Planeten, durch noch fremdartigere Dimensionen sowie in die verborgende Vergangenheit von Jonis eigener Familie. Natürlich erfahren wir dabei, wer die Maschinenkönigin wirklich ist und wie das alles mit dem großen Roboterkrieg4 zusammenhängt.

Am Ende liegt der Leser:innnenschaft eine runde abgeschlossene Geschichte vor, die dennoch genug rote Fäden für eine eventuelle Fortsetzung offen lässt.

Wunderbare Geschichte, fantastische Zeichnungen

Das Buch liest sich ganz wunderbar und kommt in einem hübschen kleinen gebundenen Format daher. Und ohne die Leistung des Autors schmälern zu wollen – Lorianis Zeichnungen, zehn ganzseitige farbige Illustrationen, wären allein schon den Erwerb des Bändchens wert.

Der Zeichenstil ist comichaft im besten Sinne. Einige der Illustrationen wirken in ihrer Detailverliebtheit fast wie Wimmelbilder. In der Tradition der ligne claire setzen sie Roberts Visionen ganz wunderbar in Szene.

Einfallsreiche Science-Fiction für Jung und Alt

Doch auch für sich allein genommen entfaltet der Text seine fantasieanregende Wirkung. Es ist ein Kinderbuch, wie es sein soll, das sowohl einer jungen Zielgruppe – ich würde sie angesichts des Alters der Haupt- und Identifikationsfigur auf ungefähr acht Jahre einpendeln –, als auch einer erwachsenen Leser:innenschaft viel Freude bereiten kann.

Ganz alltägliche Sorgen und Nöte einer Familie mischen sich mit einem einfallsreichen Science-Fiction-Szenario, in das man sehr gern bald wieder zurückkehren würde. Denn eines ist klar: Die Geschichte von Joni und dem Pelipontalus ist noch lange nicht auserzählt.

Ich freue mich schon auf Band zwei.

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  1. Lauschet der Eskapedia![]
  2. Das Buch ist ganz offiziell gelistet mit ISBN und allem Schickimuck. Kann also jede Buchhandlung besorgen.[]
  3. Ja, natürlich gibt’s das auch beim ollen Bezos. Aber dann müsst ihr dort auch eine wohlmeinende Rezi hinterlassen![]
  4. Etwa der “Butlers Djihad”?[]

Lesetagebuch: Der Schachtürke von Alexander Kaiser

Mein alter Freund Alexander “Ace” Kaiser zählt zu den produktivsten Autoren, die ich kenne. Zum überwiegenden Teil veröffentlicht er seine Werke – meist Fanfiction, #Anime-Fiction1, #ScienceFiction und #Fantasy – in Foren und auf Hobby-Autor:innen-Plattformen.2

Hin und wieder betätigt er sich als Self-Publisher, hat nun aber erstmals ein “richtiges” Buch mit einem Verlag herausgebracht.3 Bereits Ende 2020 ist bei Emmerich Books folgendes Werk erschienen:

Alexander  Kaiser: Der Schachtürke – St. Petersburger Eröffnung

Ehrensache

Selbstredend habe ich das Buch sogleich käuflich erworben und gelesen – und dem guten Alex mein ehrliches Feedback zukommen lassen.

Nun bat er mich kürzlich, eine – selbstredend ebenfalls ehrliche – Amazon-Rezi zu verfassen. Dem kam ich natürlich gerne nach und dachte mir, dass eine Zweitverwertung hier im Blog nicht schaden kann. Zuvor aber ganz kurz noch ein kleiner Abriss über den Inhalt des Buches.

St. Petersburger Eröffnung

Wir befinden uns an der Schwelle zum neunzehnten Jahrhundert – allerdings nicht auf der uns bekannten Erde. In einer steampunkigen Parallelwelt ziehen Helene Muller und Lexter mit einem sensationellen Schachautomaten – dem titelgebenden Schachtürken – durch Europa. Ob sie dabei in Wahrheit für einen Geheimdienst tätig sind und sich einer großen Verschwörung annehmen müssen, möge die geneigte Leser:innenschaft selbst ergründen.

Doch hier nun meine Amazon-Rezi:

Hervorragender Weltenbau – leichte Schwächen in der Handlung

Alexander Kaiser ist ein routinierter Autor, sein Stil ist flüssig, stets angenehm zu lesen und äußerst kurzweilig. Seine St. Petersburger Eröffnung – ganz offensichtlich (und hoffentlich) nur Auftakt mindestens einer Trilogie – lässt einen schnell in die von ihm konstruierte Welt eintauchen und diese vor dem geistigen Auge Gestalt annehmen.

Und so ist es vor allem der Weltenbau dieser steampunkigen Alternativhistorie, der mir besonders gut gefallen hat. Das Szenario ist detailreich, lebendig und sehr interessant. Man erkennt vieles wieder – Länder, Namen, historische Gegebenheiten – und ist doch sehr gespannt, wo überall die feinen kleinen (oft aber auch sehr drastischen) Unterschiede zu unserer Welt zu finden sind. Dampfdroschken, Spinnenkoffer, Prothesen, ein europaweites Suffragetten-Netzwerk, dampfbetriebener Bierausschank, der Lenin-Bruder – das ist alles ganz wunderbar.

Das Kaiserreich kommt mir in dieser Welt zwar etwas zu positiv weg – aber warum nicht? Wäre doch schön, wenn ausgerechnet Deutschland in jenem Zeitalter Hort und Treiber gesellschaftlichen Fortschritts gewesen wäre. In sich stimmig ist das allemal.

Hier könnte man bereits ein wenig mäkeln, dass all dieser Detailreichtum zu wenig direkt zur Handlung beiträgt. Aber das wäre dann doch ungerecht. Denn wenn ein gut beschriebenes Szenario zu einer angenehmen Atmosphäre beiträgt, darf man mehr nicht verlangen.

Sehr viel Herz und Hirnschmalz hat Kaiser zudem in die Charaktere gesteckt. Jede und jeder einzelne von ihnen hat eine reiche Hintergrundgeschichte, ihr Beziehungsgeflecht untereinander ist gut und stimmig ausgearbeitet. Leider nur trägt fast nichts davon zur konkreten Handlung bei.

In der Entwicklung der Figuren gibt es ganz offensichtlich zahlreiche interessante Wendepunkte, die aber nicht in diesem Buch beschrieben werden. Wie haben Helene und Lexter sich kennengelernt? Wie hat Lexter seinen Arm verloren? Wie ist Helene zum Geheimdienst gekommen? Wie hat sie den Schachtürken erworben? All diese immens relevanten Momente in der Geschichte der Charaktere, die sie geradezu definieren, werden nicht einmal in Rückblenden erzählt. Genauso werden viele ihrer Hintergründe und besonderen Eigenschaften zwar beschrieben – kommen aber nicht zum Tragen. Allem voran: Die Hauptfigur wird sehr ausführlich als Jägerin dargestellt. Warum jagt sie dann nicht? Keiner der (Haupt-) Charaktere wird schließlich ernst- und dauerhaft an seine Grenzen geführt und aus seiner Komfortzone geholt.

Im Falle der behandelten Themen wird dem Leser einiges angeboten: technischer und sozialer Fortschritt, Gleichberechtigung und allem voran Schach.

Das erste Thema finde ich am Besten ausgearbeitet. Natürlich mag ich die These, dass der technische mit dem sozialen Fortschritt einhergeht, sehr gern. Das wird hervorragend hergeleitet und beschrieben, das Thema ist für die Handlung sogar von hoher Relevanz.

Bei der Gleichberechtigung ist das schon dünner. Wenn es ein europaweites Suffragetten-Netzwerk gibt, sollte die Stellung der Frau auch im Kaiserreich alles andere als gleich sein. Eine weibliche Hauptfigur wäre ideal, um das darzustellen, das bleibt in den Szenen im Kaiserreich aber weitgehend aus.

Beim Schach-Thema schließlich bin ich am ratlosesten. Es ist zwar naturgemäß allgegenwärtig in dem Buch – seine Funktion für die Geschichte erschließt sich mir aber überhaupt nicht. Möglich, dass meine Kenntnisse des Spiels zu gering sind – aber die Handlung des Romans folgt nicht unbedingt einer Schachpartie. Klar, es geht am Schluss darum, den „König“ (beziehungsweise Zaren) zu bedrohen und Matt zu setzen – aber damit hat es sich auch schon.

So oder so, man taucht in eine sehr einfallsreiche und vielschichtige Welt ein und fühlt sich dank des angenehmen Schreibstils gut unterhalten. Das soll mir drei Sterne wert sein.

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  1. nennt man das so?[]
  2. Schaut euch gern mal auf seiner Homepage um. Ist dort alles verlinkt.[]
  3. Es sein “Erstlingswerk” zu nennen, wird der Sache aus den genannten Gründen trotzdem nicht ganz gerecht.[]

Lesetagebuch: Perry Rhodan 3000-3099

Mein Vorhaben, den Zykluswechsel parallel zum Erscheinungstermin zu lesen, habe ich knapp um ein paar Tage verpasst. Dennoch dürfte ich mit einer kleinen kritischen Rückschau auf die letzten 100 Hefte ganz gut in der Zeit liegen.

Band 3099: Die Kinder der Milchstraße

Den Abschlussband des Zyklus’ selbst fand ich eher durchschnittlich. Seine Funktion, die losen Fäden der Metahandlung zusammenzuführen und zu einem Ende zu bringen, hat er ganz ordentlich erfüllt. Eigenständige Glanzpunkte waren jedoch rar gesät.

Grundsätzlich mag ich es nicht so gern, wenn der Titelheld auf einen Strahlenpistole-schwingenden Buck-Rogers-Verschnitt reduziert wird.1 Die bedrohliche Stimmung im Golem kam allerdings gut rüber. Perrys Einsatzteam wirkte wie eine Infektion, die der Organismus des borg-artig zusammenwachsenden Riesen-Raumschiffs mit seiner künstlichen Besatzung zu bekämpfen versuchte. Das wurde sehr gelungen beschrieben.

Gefallen hat mir auch, dass die Mythos-Handlung und die Cairanische Epoche in diesem Heft zu einem finalen Abschluss gekommen sind.

Durchschnittlicher Zyklus

Denn auch den Zyklus als ganzen fand ich eher durchschnittlich. Dennoch gebührt ihm die Ehre, der erste seit 800 Heften zu sein, den ich wieder – fast – durchgehend gelesen habe. Das lag aber mehr an den herausragenden Einzelheften und weniger an der Metahandlung.

Letztere brauchte mehr als zehn Hefte, ehe sie überhaupt einigermaßen in die Gänge kam. Ich hatte mein Leid darüber in meinen Einzelheftkritiken (siehe unten) ausgiebig geklagt.

Dabei fand ich den Grundgedanken gar nicht mal schlecht: Der Titelheld kehrt durch einen unfreiwilligen Zeitsprung 500 Jahre zu spät in die heimatliche Milchstraße zurück und findet diese unheimlich verändert vor. Niemand mag sich mehr so recht an die einst tonangebende Erde erinnern und die bis dato unbekannten Cairaner haben das Ruder in der Galaxis übernommen.2

Das war ein durchaus gut gemeinter Aufgriff der aktuellen Fake-News-Thematik – insgesamt habe ich die Meta-Handlung dann aber als recht geradlinig empfunden. Dennoch konnte mich der Zyklus begeistern – nämlich durch viele sehr gute Einzelromane.

Begeisternde Einzelhefte

Trotz der oben genannten Einschränkungen habe ich die Perry Rhodan Serie in den letzten beiden Jahren mit wiedererwachter und stetig wachsender Begeisterung gelesen. So ganz kann ich mir das nicht erklären. Hat mich auf meine alten Tage eine heftige Nostalgie-Welle erfasst – oder sind die Autorinnen und Autoren und ihre Romane einfach besser geworden?

Ohne das erste ausschließen zu wollen bin ich der Meinung, dass die Hefte, die ich gelesen habe, schlicht und einfach ziemlich gut sind. Um nur einige zu nennen:3 da gab es einen fantastischen Gastroman von Andreas Brandhorst,4 Michelle Stern hat sich in einem der ersten Hefte hervorragend einiger Posbi-Charaktere angenommen,5 Oliver Fröhlich hat mit der Entstehungsgeschichte des TARA-Psi großartige Science-Fiction abgeliefert,6 der Zerozone-Vierteiler von Christian Montillon war ein absoluter Höhepunkt des Zyklus,7 Wim Vandemaans Andromeda-Roman war der Hammer,8 ebenso der Drangwäsche-Doppelband von Michael Marcus Thurner,9 Guckys vermeintliches Ableben nebst Wiederauferstehung10 und schließlich Atlans Frieden mit den Kosmischen Mächten und seiner Ritteraura, den Leo Lukas in Szene gesetzt hat.

Dünne Datengrundlage

Hier nun mein Geständnis: Es waren insgesamt nur 30 Hefte, die ich aus diesem Zyklus gelesen habe, diese allerdings recht gleichmäßig verteilt. Um die Transparenz auf die Spitze zu treiben hier die von mir gelesenen Hefte im einzelnen. Die Links führen auf meine Einzelkritiken hier im Blog – so vorhanden.

3000 | 3001 | 3002 | 3003 | 3004 | 3005 | 3006-3009, 3013, 3015, 3016 | 3021 | 3025 | 3030 | 3039 | 3050-3053 | 3058 | 3066, 3067 | 3072 | 3083 | 3087 | 3088 | 3098 | 3099

Ausblick 3100

Im Perry-Rhodan-Jubeljahr11 ist es natürlich Ehrensache, die Lektüre fortzusetzen. Aktuell stecke ich im neuen Jubiband und habe große Lust auf den just begonnenen Chaotarchen-Zyklus. Vermutlich werde ich die Praxis beibehalten, hier und da ein paar Hefte zu überspringen. Aber ich bleibe dran und werde berichten.

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  1. Ohne Buck Rogers damit zu nahe treten zu wollen. Immerhin ist er eines der zahlreichen ehrwürdigen Vorbilder Perry Rhodans.[]
  2. Kenner der Serie erinnert das natürlich an vergangene Zyklen wie beispielsweise die Cantaro ab Band 1400 – aber das ist kein legitimer Kritikpunkt, da man das Rad nach 3000 Heften schwerlich immer neu erfinden kann.[]
  3. und ohne dabei die nicht ausdrücklich genannten gering schätzen zu wollen[]
  4. Ich mochte das Fake-Terrania-City, das meiner Meinung nach aus dem Anti-Universum stammte.[]
  5. Die Darstellung von KI-Zivilisationen hat sich ohnehin zu einer Stärke der Serie gemausert.[]
  6. Aktuell einer meiner Lieblings-PR-Autoren. Auch hier wurde das KI-Thema billant in Szene gesetzt.[]
  7. Endlich mal wurde die terranische Öffentlichkeit nachvollziehbar dargestellt. NATHANs Entwicklung war unglaublich gut – schon wieder KIs – und Amalia Serran war eine der besten Nebenfiguren seit langem.[]
  8. Wie wir jetzt wissen bereits foreshadowing zum neuen Zyklus. Der rote Faden von den MdI zu den heutigen Tefrodern, der hier mal eben so gesponnen wurde, war grandios.[]
  9. Die Haluter sind nach den Posbis das faszinierendste Alien-Volk bei PR. Ich bin stets begeistert, wenn diese gut in Szene gesetzt werden. Und auch hier stand wieder eine künstliche Zivilisation im Fokus.[]
  10. Dem wir fürderhin den offiziellen Gucky-Tag verdanken.[]
  11. Stolze 60 Jahre hat sie Serie bald auf dem Buckel.[]

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