Kategorie: Leseprobe

Leseprobe: Die Takhal Gud Looter

Wie berichtet habe ich im letzten Jahr meinen ersten Heftroman für die -Fanfiction-Serie Dorgon fertiggestellt – und zwar Band 130 der Reihe. In diesen Tagen ist dieser nun erschienen, soll heißen: er kann ab sofort kostenlos heruntergeladen werden.1 Obwohl ich von dieser Perry-Parallelwelt fast gar keine Ahnung habe, hat mir das Schreiben sehr viel Freude gemacht. In der Rahmenhandlung habe ich mich mit einer Hauptfigur aus der Originalserie austoben können: niemand geringerem, als Mausbiber Gucky höchstpersönlich. Auch in der anderen Handlungsebene hatte ich ziemlich freie Hand, da ich eine neue Figur vorstellen durfte. In dieser präsentiere ich die ersten Absätze des -Romans, in denen ich besagten Mausbiber zunächst etwas leiden lassen muss – wohlgemerkt vor seinen erfreulichen Abenteuern der aktuellen Erstauflage.

Aber lest selbst!

Kapitel 1: Allein

5633 A.D., Raumschiff CASSIOPEIA, irgendwo zwischen den Sternen der Milchstraße

Die Panikattacke traf ihn aus heiterem Himmel. Gucky hatte gerade seine Kabine in der CASSIOPEIA betreten, klassisch zu Fuß, denn er hatte den Weg dorthin gebraucht, um nachzudenken. Es fühlte sich an, als würde die Pranke eines Haluters seine Brust packen und zusammenquetschen, ein dumpfer Schmerz, heiß und kalt zugleich. Ebenso schlagartig wurde sein ganzes Wesen nur noch von einem Gedanken beherrscht: »Ich bin allein!«

Der Mausbiber ging in die Knie, beugte sich vornüber und stützte sich auf den Oberschenkeln ab.

Einatmen. Ausatmen. Einatmen. Ausatmen.

Er zwang sich zur Ruhe. Nach fast viertausend Jahren Lebenszeit hatte man alles schon erlebt, auch die ein oder andere Panikattacke. Wäre doch gelacht, wenn er sie nicht durch ein paar Dagorübungen seines guten alten Freundes Atlan …

Gucky fiel vornüber und fing sich mit seinen Pfotenhänden ab. Die Ohren angelegt, auf allen Vieren kriechend, versuchte er, seinen Atem wieder in den Griff zu bekommen. Es wollte ihm nicht gelingen. Mit offenem Mund hechelte er wie ein überhitzter terranischer Hund. Atlan war tot oder hatte nie gelebt. Was auch immer hier gerade vorging, er war nicht mehr da. Ebenso die anderen Freunde und Gefährten, die ihm in solchen Momenten zur Seite gestanden hätten, indem sie über seine Witzchen lachten oder ihm die Ohren kraulten. Niemand war mehr da – erst recht keine anderen Ilts …

Ihm war bewusst, dass ihn diese Gedanken immer tiefer in den Panikstrudel rissen. Er durfte dem Sog nicht nachgeben, musste sich dagegenstemmen und buchstäblich auf andere Gedanken kommen.

Vielleicht half es, wenn er sich erst einmal hinlegte, am besten gleich an Ort und Stelle. Er rollte sich auf dem Fußboden zusammen, wie ein Neugeborenes. Tatsächlich beruhigte sich sein Atem. Er schlang seine Arme um die angezogenen Knie und versuchte einstweilen, an gar nichts zu denken. Dieser Moment der Ruhe währte jedoch nicht allzu lange. Mit der nächsten schmerzhaften Erinnerungswelle an seine Freunde stellte sich sein Nacken- und Rückenfell auf. Er presste seine Augen zusammen, seine Muskeln verkrampften, bis er nur noch ein wimmernder, zitternder Ball war. Sein Geist schrie seinen Schmerz in den Hyperraum hinaus. Mit einem Teil seines Verstandes nahm er die anderen Besatzungsmitglieder in unmittelbarer Nähe wahr, in den Korridoren und angrenzenden Kabinen. Trotz des alles beherrschenden Schmerzes wollte er sie nicht gefährden. Instinktiv teleportierte er an den unbelebtesten Ort im Schiff, einen Frachtraum im Unterdeck.

Gucky hatte seine Körperhaltung kaum verändert, als er im selben Augenblick mitten in der Halle zwischen den Containern erschien. Allerdings schwebte er nun – von seinen telekinetischen Kräften gehalten, einem Embryo gleich – gut anderthalb Meter über dem Hallenboden. Mit eben diesen Kräften ertastete er seine Umgebung, griff nach dem nächstbesten Container und schleuderte ihn mit aller Kraft davon.

Das tat gut, stellte er fest. Ein weiterer Container wurde von ihm gepackt, emporgehoben und wie eine Dose aus dünnem Blech zerquetscht. Er machte sich viel zu selten bewusst, wie groß seine Macht in Wahrheit war.

Falsch.

Er wusste sehr wohl um seine Macht und welchen Schaden er damit anrichten konnte. Genau deshalb hielt er sie die meiste Zeit, so gut es ging, im Zaum, um jene, die er liebte, nicht zu gefährden. Doch nun war er, Gucky …

Nein, diesen Namen hatten ihm einst seine Freunde gegeben, er erinnerte ihn zu sehr an all jene, die nun nicht mehr da waren. Davor hatte er anders geheißen, das war besser.

Nun war er, Plofre, allein. Auf wen musste er nun noch Rücksicht nehmen?

Der Gedanke ließ ihn innehalten. Er war mit einem unheimlichen Gefühl von Freiheit einhergegangen. Unheimlich deshalb, weil es die Freiheit von Verantwortung, von Rücksicht und von Gnade war – und er dieses Gefühl einen winzigen Moment lang begrüßt hatte.

Doch dieser Moment war vorübergegangen. Die Angst vor dem Weg, den er damit eingeschlagen hätte, war zu groß und überlagerte alle anderen Ängste und Sorgen. Er war trotz allem noch immer Gucky, der Retter des Universums, und würde es immer bleiben.

Der Mausbiber öffnete die Augen, stellte seine Ohren wieder auf und streckte seinen Körper. Langsam sank er auf den Hallenboden zu und betrachtete dabei den Schaden, den er angerichtet hatte. In dieser verqueren Zeitlinie gab es leider keine Bank, auf der er ein Konto mit dem einen oder anderen Notgroschen hatte, mit dem er das alles hätte bezahlen können. Der Gedanke, seine Schuld mit jahrelangem Tellerwaschen und Möhrenschälen begleichen zu müssen, ließ ihn schmunzeln und den Nagezahn kurz hervorblitzen.

Am Boden wollten ihn seine Beine fast nicht tragen. Sie waren butterweich und zitterten, als er stand. Auch das gehörte zur Wahrheit über seine Fähigkeiten: Ihre exzessive Nutzung war auf Dauer furchtbar anstrengend. Dank der Stütze seines Biberschwanzes stand er dennoch stabil und konnte sich einen Moment lang erholen. Der Zellaktivatorchip unter seinem Schlüsselbein erzeugte dieses merkwürdige Gefühl, das irgendwo zwischen Brennen, Pochen und taubem Kribbeln lag und immer dann auftrat, wenn das Gerät gegen Verletzungen oder große Erschöpfung anarbeiten musste. Er atmete tief durch, klatschte schließlich in die Hände, wie um sich selbst aufzumuntern, und nutze die leidlich aufgefüllten Kraftreserven für einen Teleportersprung in seine Kabine.

Gucky materialisierte direkt über der Matratze seiner Koje und ließ sich einfach fallen. Viel Ruhe war ihm jedoch nicht vergönnt. Zwar hatte er sein Armbandkom schon vor seinem kleinen Ausflug in den Frachtraum stumm geschaltet, die Kabinenpositronik entschied nun jedoch, ihn auf die zahlreichen aufgelaufenen Nachrichten und Kontaktversuche aufmerksam zu machen. Zumal ihre Absenderin in diesem Moment auf dem Weg zu ihm war und in ein paar Augenblicken vor seiner Kabinentür stehen würde.

Der Ilt seufzte und rappelte sich wieder auf. Er watschelte in die Nasszelle und machte sich im Spiegel einen Eindruck von seinem Erscheinungsbild. Er sah furchtbar aus. Sein Fell war stumpf und struppig, seine Ohren hingen kraftlos herunter, und seine Augen hatten jeden Glanz verloren. Zum Glück war er für alle anderen Wesen an Bord ein exotisches Alien, dessen Aussehen niemand einschätzen und deuten konnte. Niemand hatte eine Vorstellung davon, wann ein Ilt fit und gesund aussah und wann er erschöpft und ausgelaugt war. Außerdem wurde man nicht dreitausendachthundert Jahre alt, ohne sich glaubhaft verstellen zu können. Ein paar Spritzer Wasser ins Gesicht, den Nagezahn blitzen lassen – und schon zwinkerte ihm im Spiegelbild wieder der gute alte, zu Späßen aufgelegte Mausbiber von nebenan entgegen. So ging er zur Kabinentür und öffnete sie nur wenige Sekunden, ehe seine Besucherin den Klingelsensor betätigen konnte.

»Constance, alte Hexe«, sagte er beschwingt und blickte schelmisch zu ihr empor. »Was verschafft mir die Ehre?«

Bei aller betonten Flapsigkeit meinte er den Titel nicht abfällig. Das Interkosmo-Wort für »Hexe« wurde zwar auch für die altterranische Märchenfigur verwendet, stand ursprünglich aber für die weisen Feuerfrauen der arkonidischen Zhy-Religion. Es war also ein Ehrentitel – und so hatte es Constance auch verstanden.

Sie ging in die Hocke, um mit ihm, dem deutlich kleineren Ilt, auf Augenhöhe zu sein. Gucky blickte in ein offenes freundlich lächelndes Gesicht, die Augen darin drückten ehrliches Mitgefühl aus.

Als Entropin sah Constance exakt wie eine Menschenfrau aus, ihre Gestik und Mimik war ebenfalls vergleichbar. Und damit kannte Gucky sich aus. Er hatte den überwiegenden Teil seines Lebens unter Menschen verbracht, Terranern, Arkoniden und wie sie alle hießen. Der Stammbaum dieses Volks war absurd kompliziert und weit verzweigt – erst recht, wenn man die Cappins oder gar die V’Aupertir einbezog. Das Ergebnis war, dass man praktisch überall im Universum auf Angehörige und mehr oder weniger entfernte Verwandte treffen konnte. Ein Mensch würde niemals allein sein.

Gucky verscheuchte den letzten Gedanken sofort wieder. Er durfte nicht erneut in Schwermut verfallen, als Empathin würde Constance das sofort bemerken. Deswegen war sie mit Sicherheit hier.

»Ich habe mir Sorgen gemacht«, sagte sie dann auch.

Gucky beschloss spontan, dass es genug der Schauspielerei war. Hier stand eine Person vor seiner Tür, die ihm aufrichtig helfen wollte. Ein weiser alter Ilt wie er nahm so ein Angebot natürlich an.

Daher trat er einen Schritt zur Seite und fragte: »Möchtest du nicht reinkommen?«


Interessiert, wie es weitergeht? Dann flugs herunterladen und lesen: Dorgon Band 130: „Die Takhal Gud Looter“2

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  1. siehe ganz unten[]
  2. Nicht über die Illustrationen wundern, sind eher symbolischer Natur.[]

Leseprobe: Der Jungfernflug der GOOD LUCK

Im Rahmen der -FanEdition erschien 2024 mein -Heftroman „Der Jungfernflug der GOOD LUCK“. Das Abenteuer spielt in der Frühzeit der Serie und beginnt mit einer Szene aus Sicht der damaligen Schurken, der wespenartigen Vecorat. In dieser präsentiere ich die ersten Absätze meiner Geschichte – womöglich nicht nur für Rhodan-Fans von Interesse.

Aber lest selbst!

Wurzeln: zwischen den Sternen, August 1972

Das Gedankenkonzert der Vecoratflotte erzeugte ein leises Summen. Hier zwischen den Sternen war man zwar ungestört vor den disharmonischen Gedanken anderer Wesen, dennoch war die Grundstimmung deprimiert, beschämt und hoffnungslos. Die Invasion der vermeintlich primitiven Erde war gescheitert. Sie waren besiegt und vertrieben worden. In einem höhnischen Akt der Gnade hatten Perry Rhodan und seine Terraner die Besiegten unversehrt abziehen lassen. Man nahm sie nicht als Bedrohung wahr, nur als Störenfried, der sich nie wieder blicken lassen durfte.

Die Flotte hatte sich mitten im Leerraum gesammelt, Lichtjahre von der Erde entfernt. Die Milchstraße war in den letzten Jahrhunderten und Jahrtausenden ein immer unfreundlicherer Ort für die Vecorat geworden. Nicht einmal hier in ihrem Randgebiet konnten sie noch Fuß fassen. Von anderen Flotten war längst nichts mehr zu spüren. Falls noch andere Vecorat existierten, mussten sie Hunderte Lichtjahre entfernt sein, viel zu weit, um ihre Gedanken zu erspüren.

Nach einiger Zeit setzte sich im Gedankenkonzert die Frage nach einem neuen Ziel durch. Die Flotte hatte bis hierhin überlebt, sich zwischen den Sternen treiben zu lassen, war keine Option. Trotz ersetzte die Hoffnungslosigkeit.

Ein Schiff hielt sich bei der Entscheidungsfindung zurück. Von hier kam nur ein vages Gedankenrauschen. Das war Absicht, denn man wollte der Flotte gegenüber, die technischen Probleme verbergen, mit denen man zu kämpfen hatte.

Im Zuge der Kampfhandlungen und aus Gründen des Verschleißes hatte die Energieversorgung starken Schaden genommen. Mit Bordmitteln waren diese Schäden nur notdürftig zu beheben. Genauer gesagt, gelang es ihnen nur, die Katastrophe immer wieder ein Stück hinauszuschieben.

Hier draußen zwischen den Sternen war selbstlose Solidarität für eine heimatlose Flotte keine Überlebensstrategie. Unter den Vecorat galt es als ungeschriebenes Gesetz, das Überleben der Mehrheit nicht durch die Rettung einer Minderheit zu gefährden, wenn die Ressourcen derart begrenzt waren und kein Rückzugsort zur Verfügung stand. Aus diesem Grund hatte man auf dem fraglichen Raumschiff beschlossen, sich zurückzuhalten und das Beste zu hoffen.

Als man sich auf einen vielversprechenden Zielstern in einigen Hundert Lichtjahren Entfernung geeinigt hatte, beschleunigte auch dieses Schiff auf Sprunggeschwindigkeit. Falls man es schaffte, das Ziel zu erreichen, und dort einen sicheren Hafen fand, konnte man mit der Hilfe der Flotte rechnen. Falls nicht, hatte man es wenigstens versucht.

*

Die Ortungsoffizierin erkannte auf den ersten Blick, dass sie es nicht geschafft hatten. Ihre Bildschirme zeigten eine blaue Riesensonne in einem guten Lichtjahr Entfernung. Es war definitiv nicht der Zielstern, den die Flotte angesteuert hatte. Die Sternbilder hatten sich kaum verändert, daher war die Sache klar. Der Reaktor hatte dem Transitionstriebwerk nur einen Bruchteil der angeforderten Energie liefern können. Sie waren maximal zehn, zwanzig Lichtjahre gesprungen und in den Normalraum zurückgefallen.

Sie blendete das panische Geschrei des Gedankenkonzerts aus. Der missglückte Sprung hatte die Energieversorgung endgültig überfordert. Detonationen erschütterten das Schiff, kurz darauf fiel ein System nach dem anderen aus. Es wurde schlagartig dunkel, die künstliche Schwerkraft setzte aus. Wenn das Schiff nicht vorher vollständig explodierte, konnte sie nur darauf wetten, ob die Kälte oder die kosmische Strahlung sie als Erstes umbrachte. Sie und die befruchteten Eier in ihrem Körper.

Vielleicht war es Überlebenstrotz, mütterlicher Instinkt oder schlicht die Neugierde, ob sie es schaffen würde. In aller Ruhe stieß sie sich von ihrer Ortungsstation ab und schwebte zum Ausgang der Zentrale. Die übrigen Offiziere hatten sich aus Todesangst instinktiv in Starre versetzt oder waren hinausgestürmt, als die Schwerkraft noch funktioniert hatte.

Der Korridor, der direkt zu den Rettungskapseln führte, war völlig zerfetzt und zusammengeschmolzen. Eine explodierte Energieleitung hatte ihn unpassierbar gemacht – und vermutlich zahlreiche Vecorat in den Tod gerissen.

Sie wählte einen anderen Gang und erreichte schließlich eine noch intakte Fluchtkapsel. Auf ihrem Weg war sie keinem lebenden Vecorat begegnet, wobei einige der reglos in den Gängen schwebenden Körper auch in Starre gewesen sein konnten.

In ihren Gedanken war nur noch das kaum wahrnehmbare Summen erstarrter Artgenossen zu vernehmen. Es schien, als läge die Zukunft ihres Schwarms jetzt allein in ihren Händen, sofern sie das Glück hatten, dass dieser Stern von einem lebensfreundlichen Planeten umkreist wurde.

Die Anzeigen der Fluchtkapsel gaben ihr Hoffnung. Mindestens drei Planeten lagen in der habitablen Zone und sandten ein elektromagnetisches Spektrum aus, das auf eine präkosmische Kultur schließen ließ. Das Hyperspektrum war bis auf natürliche Emissionen still. Das war prinzipiell ein gutes Zeichen – auch wenn das Beispiel der Erde zeigte, dass man sich davon nicht in Sicherheit wiegen lassen durfte.

Sie hatte keine Wahl und startete die Kapsel keinen Moment zu früh. Das Schiff, in dem sie ihr ganzes bisheriges Leben verbracht hatte, verging hinter ihr in einem sonnenhellen Glutball, der in einem Jahr den Astronomen auf jenen Welten einige Rätsel aufgeben dürfte, falls es dort welche gab.

Sie setzte einen Kurs auf den achten Planeten, der ihr als vielversprechendstes Ziel erschien. Um unentdeckt zu bleiben, wählte sie eine Bahn, die kaum Kurskorrekturen ihrer Kapsel erforderte und somit bei zufälliger Entdeckung als die eines natürlichen Objekts durchgehen konnte. Da sie ohnehin über wenig Energieressourcen verfügte, war anderes kaum möglich. Durch diesen Kurs würde sie zwischen zwanzig und dreißig Jahren unterwegs sein, eine Zeit, die sie und ihre Brut problemlos unbeschadet in Starre überdauern konnten.


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Leseprobe: Mette vom Mond

Neues Jahr, neue -Rubrik. Wobei, so neu ist sie nicht, denn schon im letzten Jahr habe ich meinem Newsletter stets eine kleine hinzugefügt. Dies sei nun zu euer aller Erbauung ins Blog übertragen.

Naheliegenderweise beginne ich mit einem Auszug aus meinem „echten“ „Mette vom Mond“, das ich 2023 unter dem Pseudonym Finn Mühlenkamp beim Literarischen Lloyd veröffentlicht habe. Da man auf der Verlagsseite bereits eine Leseprobe mit den ersten beiden Kapiteln findet, präsentiere ich hier die erste Hälfte von Kapitel drei.

Aber lest selbst!

Kapitel 3: Fleißige Helferlein

»Na, wie war deine AG heute, Mette?«, fragte die Königin eines Tages nach der Schule. Mama Marie war jedes Mal neugierig, was Mette für neue Ideen mitbrachte. Mette lächelte, griff in ihre Tasche und zog ein metallisches Etwas hervor, das bei genauerem Blick wie eine Raupe aussah.

»Das ist Raupi«, sagte Mette. »Die haben wir letzte Woche angefangen zu bauen. Sie ist aus Metall, hat vorne eine Kamera eingebaut, kann sich selbstständig bewegen und hört auf einfache Befehle. Schau!«

Sie legte die Raupe auf den Boden und sagte: »Okay, Raupi! Zwei Meter voraus, eine Vierteldrehung rechts, einen Meter voraus, eine Vierteldrehung rechts, zwei Meter voraus. Los!«

Und tatsächlich: Mit einem kurzen Piepser quittierte das Metallinsekt den Befehl, krabbelte los und folgte exakt dem vorgegebenen Pfad.

Die Königin war sehr beeindruckt – doch das war noch nicht alles. Erneut setzte Mette Raupi am Ausgangspunkt auf den Boden und gab ihr denselben Befehl. Diesmal hatte sie aber einen Bauklotz in den Weg gelegt. Wieder lief das Metalltier den Weg ab, blieb vor dem Bauklotz aber einen Moment stehen und umrundete ihn dann kurzerhand.

»Faszinierend!«, sagte die Königin. »Deine Raupe befolgt Befehle, kann aber trotzdem selbstständig agieren. Das musst du mir mal etwas genauer erklären.«

»Gern«, sagte Mette und fing an, von Spracherkennung, Programmierung, Algorithmen und Codes zu berichten.

»Das ist ja alles total spannend«, musste Mama Marie zugeben. »Aber heißt das, dass du die Lust am Raketenbau erst einmal verloren hast?«

Mette setzte eine erstaunte Miene auf. »Wie kommst du denn auf die Idee?«

Ein paar Wochen später rief Mette ihre Eltern wieder zusammen, als sie von der Schule kam.

»Ich muss euch etwas zeigen«, sagte sie. Behutsam holte sie eine etwa einen Meter große Metallfigur aus ihrer Tasche und stellte sie auf die Werkbank. »Darf ich euch SARI vorstellen?«

»SARI?«, fragte ihre Mutter.

»Genau«, sagte Mette, »das ist die Abkürzung für ›selbstständig arbeitende Roboter-Ingenieurin‹.«

Dann nahm sie die Baupläne eines ihrer aktuellen Raketenmodelle und breitete sie vor SARI aus.

»Okay, SARI!«, sagte sie. »Bau die Rakete nach! Los!«

Nach den ersten beiden Wörtern leuchteten die Augen des Roboters auf und ein kurzes glockenhelles Geräusch ertönte. Dann bewegte SARI ihren Kopf, schaute sich einige Augenblicke lang die Baupläne an, blickte sich um und fing an, auf der Werkbank hin und her zu laufen. Sie trug Baumaterial und Werkzeug zusammen und begann schließlich mit dem Zusammenbau. Einmal krabbelte sie sogar von der Werkbank herunter, um sich Teile zu suchen, die sie dort nicht finden konnte. Unter den immer größer werdenden Augen von Königin und König hatte sie binnen weniger Minuten die Rakete zusammengebaut und vor sich abgestellt. Erwartungsvoll schaute Mette ihre Eltern an, doch diese brachten zunächst kein Wort heraus.

»Das war …«, sagte der König schließlich.

»… beeindruckend«, beendete die Königin den Satz.

»Aber …«, sagte der König – und wünschte sich einen Moment später, er hätte es nicht gesagt. Denn wie konnte er es nach einer so beeindruckenden Vorstellung wagen, seiner Tochter mit einem »Aber« zu kommen?

Doch Mette sah ihn erwartungsvoll lächelnd an. »Was denn, Papa?«, fragte sie.

»Nun ja …«, sagte er. Jetzt konnte er seinen Einwand nicht mehr zurücknehmen. »Auch dieser eine Roboter, so wunderbar er ist, wird uns keine große Rakete bauen können, mit der wir zum Mond fliegen können. Wir bräuchten hunderte davon, wenn nicht mehr.«

Mettes Lächeln wurde noch ein ganz klein wenig breiter. »Okay, SARI!«, sagte sie. »Bau dich selbst nach! Los!«

»Stopp!«, riefen der König und die Königin wie aus einem Mund.

»Okay, SARI! Halt!«, sagte Mette und blickte ihre Eltern fragend an. Der kleine Roboter hielt in der gerade begonnenen Bewegung inne und rührte sich nicht mehr. »Was denn?«, fragte sie.

»Nun«, setzte die Königin an. »Maschinen, die sich selbst nachbauen können, können ganz schön gefährlich werden.«

»Wieso das denn?«, fragte Mette.

»Exponentielles Wachstum«, sagte der König. »Hast Du noch nie vom Zauberlehrling gehört? Oder von der Schachbrettaufgabe? Oder von grauem …«

»Papa!«, unterbrach ihn Mette. »In Kindersprache bitte!«

Königin Marie übernahm wieder. »Was dein Vater meint«, sagte sie, »ist Folgendes: Nachdem deine SARI sich nachgebaut hat, haben wir zwei SARIs, wenn diese beiden sich jeweils nachbauen, haben wir vier SARIs. Im nächsten Schritt sind es schon acht SARIs, dann sechzehn, dann zweiunddreißig und so weiter. Mit jedem Schritt verdoppeln sie sich. Nach zehn Schritten sind es schon über tausend, nach nochmal zehn …« Sie zählte einen Moment lang leise an ihren Fingern nach. »… über eine Million.«

»In kurzer Zeit«, sagte der König, »ist die ganze Welt mit SARIs überfüllt. Jedes verfügbare Material wird in SARIs umgebaut bis die Erde selbst nicht mehr da ist – nur noch Milliarden von SARIs, die alles, was es gibt, in noch mehr SARIs umbauen …«

Er hörte auf zu reden, als er merkte, dass Prinzessin Mette und Königin Marie ihn mit großen Augen anstarrten.

»Im Ernst jetzt?«, fragte Mette. »Glaubst du, an sowas hat unsere Lehrerin nicht gedacht? Egal was eine SARI gerade macht, man kann sie jederzeit mit dem Befehl ›Stopp‹ oder ›Halt‹ aufhören lassen. Sie hört auch auf ›Anhalten!‹, ›Aufhören!‹ und ›Lass das!‹ Beruhigt?«

Der König wollte etwas erwidern, doch Mette unterbrach ihn.

»Außerdem«, sagte sie, »hat SARI einen Schalter auf dem Rücken, mit dem man sie jederzeit ausmachen kann.«

König Manuel hob den Finger und öffnete den Mund.

»Und«, sagte Mette, »wir haben noch diese Fernbedienung gebaut, mit der man alle SARIs im Umkreis von hundert Metern ausschalten kann.« Sie holte ein kleines gelbes Metallkästchen mit einem großen roten Knopf darauf hervor.

Der König ließ den Finger sinken und machte seinen Mund zu.

Die Königin klatschte in die Hände und rief: »Prima! Ich sehe, du hast an alles gedacht, Mette. Dann machen wir uns mal an die Baupläne.«


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