Langsam komme ich dahinter, warum Isaac Asimov als Großmeister der gilt.1 Nach Geliebter Roboter ist der dritte Band seiner Roboter- und Foundation-Reihe2 erneut eine Sammlung kurzer bis längerer Erzählungen mit dem titelgebenden Bicentennial Man3 als Kernstück.

Dieser Band hat mich mehr noch als die beiden Vorgänger begeistert – auch weil er an vielen Stellen die Weiterentwicklung Asimovs und seines Schaffens aufzeigt. Wieder drehen sich die meisten – jedoch nicht alle – Geschichten um Roboter, künstliche Intelligenz und die Auslotung ihrer Grenzen und Möglichkeiten.

Mehr Frauen

An den beiden vorangegangenen Büchern musste ich das allzu zeitgemäße Frauenbild kritisieren, das Asimov in einigen seiner Geschichten transportiert. Hier zeigt sich nun, dass der Knabe offenbar lernfähig war. Im Vorwort schreibt er sogar selbst, dass er durch Gespräche mit einer Bekannten auf die Idee kam, in einer Geschichte einen dezidiert weiblichen Roboter auftreten zu lassen. Doch auch in den anderen Erzählungen tauchen mit einem Mal deutlich mehr weibliche Protagonistinnen mit wesentlich dominanteren Rollen auf. Gefällt mir sehr gut.

Mehr Spannung und mehr Menschlichkeit

Ganz allgemein hatte ich den Eindruck, dass die Geschichten noch mal einen ganzen Zacken spannender und einfallsreicher geworden sind. Noch viel mehr als in den vorangegangenen Bänden bricht Asimov mit den Regeln seiner Welt und überrascht den Lesenden mit radikalen Wendungen und kolossalem Scheitern. So lässt er den wohlmeinend diktatorischen Großrechner Multivac sterben und verwischt mit der titelgebenden Geschichte endgültig die Grenze zwischen Mensch und Maschine.

Woran Data Jahrzehnte später letztendlich gescheitert ist, gelingt Andrew Martin in dieser genreprägenden Geschichte: als Roboter gebaut und in die Welt gesetzt darf er 200 Jahre später als von der Gesellschaft voll anerkannter Mensch in Frieden sterben.4

Mäßige Verfilmung

Wie es der Zufall so will, ist vor einigen Wochen die olle Verfilmung des 200-Jahre-Manns von 1999 bei Netflix aufgetaucht. Die Gelegenheit habe ich genutzt und mir das gute Stück noch einmal reingedreht. Naja.

Ein paar Szenen aus der Vorlage gibt der Film durchaus gut wieder – aber dass Andrews Wunsch ein Mensch zu sein darauf reduziert wird, dass er legal heiraten möchte, finde ich arg dämlich. Zumal es ganz schön creepy ist, dass der zu dem Zeitpunkt schon über 60-jährige Roboter-Mensch mit der nicht einmal halb so alten Enkelin von Little Miss5 anbandelt.

Meine Empfehlung daher: Lest unbedingt die Original-Story – aber den Film könnt ihr auslassen.

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  1. Ja, das wusste ich natürlich auch vorher schon. Aber es jetzt noch mal richtig bei der Originallektüre zu erleben, ist schon was anderes.[]
  2. die erst nachträglich so zusammengestellt wurde – ursprünglich sind das meiste nur lose zusammenhängende Einzelgeschichten[]
  3. In meiner Version wird der Titel mit „Der Zweihundertjährige“ übersetzt – manchmal steht aber auch „Der Zweihundert-Jahre-Mann“ auf dem Cover. Ich hätte ja die Formulierung „Der Zweihundert-Jahre-Mensch“ am besten gefunden, da es ja – ACHTUNG SPOILER – darum geht, dass der Roboter am Schluss als Mensch stirbt.[]
  4. Habe ich auch jetzt erst richtig erkannt, dass die unsägliche Sterbeszene von Data in der ersten Picard-Staffel ihr Vorbild bei Asimov hat. Leider nur sehr mäßig kopiert.[]
  5. Die für Andrew im Film selbst schon als Love-Interest dargestellt wird, was noch creepier ist, da er sie als kleines Kind kennengelernt hat. Im Buch hat er auch eine enge Bindung zu ihr – aber nicht so.[]