Langsam aber stetig komme ich mit meinem Vorhaben voran, die Roboter- und Foundation-Reihe von #ScienceFiction-Großmeister Isaac Asimov durchzuarbeiten, bislang weitestgehend eine schmerzliche Lücke in meinem persönlichen Kanon. Nach I, Robot habe ich nun den zweiten Band „Geliebter Roboter“ ausgelesen.
Dieser ist erneut eine Sammlung kurzer bis mittellanger SF-Stories, die Asimov in den 50er Jahren geschrieben hat. Im Gegensatz zum ersten Band hängen diese Geschichten nicht einmal lose miteinander zusammen und nur wenige handeln von Robotern oder anderen denkenden Maschinen. Bei diesen geht die Vorstellung, dass sie Teil des Foundation-Epos‘ sind, noch einigermaßen auf. Bei anderen eher nicht.1
KI und Roboter
Die titelgebende Geschichte hätte wunderbar in den Band davor gepasst. Sie ist die einzige, in der es dezidiert um die klassischen Asimov’schen Roboter mit ihren drei Grundgesetzen geht. Hier hat sogar die Robot-Psychologin Dr. Susan Calvin einen kurzen Auftritt. Leider ist es auch die Geschichte, in der Asimovs allzu zeitgenössisches Frauenbild seinen Ausdruck findet. Die einzige Motivation der weiblichen Hauptfigur ist, ihrem Mann und der Gesellschaft zu gefallen, indem sie die perfekte Hausfrau verkörpert, was der ihr zur Seite gestellte Roboter durch wieder einmal sehr kreative Auslegung der drei Robotergesetze ermöglicht.
In den anderen KI-Geschichten spielt oft der Großrechner Multivac eine Rolle. In der aus heutiger Sicht etwas archaischen Vorstellung ist die künstliche Intelligenz hier zentral auf einen gigantischen Computer konzentriert, der nach und nach elementare Funktionen der menschlichen Gesellschaft übernimmt.
So bestimmt er in einer Geschichte fast eigenständig, wer nächster Präsident der USA werden soll. Lediglich ein einziger nach kompliziertem Verfahren ausgewählter Wähler nimmt als letztes demokratisches Element auf diese Entscheidung Einfluss. Diese Story ist aus mehreren Gründen amüsant. So spielt sie im Jahr der Obama-Wahl2 und erinnert – auch wenn kein Zusammenhang besteht – an den Film „Swing Vote“3, der zeigt, dass das amerikanische Wahlsystem rein theoretisch schon jetzt einen Einzelnen zum Bestimmer des Präsidenten machen könnte. Schließlich vermittelt Asimov nie den Eindruck, dass dieser Grad der Automatisierung zum Nachteil wäre. Ein bisschen Fortschritts-Optimismus finde ich inzwischen ganz angenehm.
Andere Science-Fiction-Tropes
In den anderen Geschichten werden in recht klassischer Form4 die anderen bekannten SF-Themen behandelt: Zeitreise, Erstkontakt mit Außerirdischen bis hin zu Gedankenübertragung mittels Traummaschinen. Allesamt sehr einfallsreich und oft auch durchaus witzig.
Ein wenig Fantasy
Ein wenig überrascht haben mich die beiden Geschichten, die am ehesten den Genres Fantasy oder Mystery zuzuordnen sind und mit biblischer Mythologie spielen. In der einen entkommt der Held dem Pakt mit einem Dämonen durch geschickte Nutzung der vierten Dimension, in der anderen schildert Asimov eine recht eindringliche biblische Weltuntergangsvision, die der zuständige Erzengel aber zum Glück dann doch noch abwenden kann. Auch sowas hatte der alte Meister also drauf.
Weiter geht’s mit Robin Williams
Als nächstes ist dann „Der 200 Jahre Mann“ an der Reihe. Die Verfilmung mit Robin Williams habe ich noch blass in Erinnerung, womöglich drehe ich mir die parallel zur Lektüre auch noch einmal rein. Ich werde berichten.
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20. Februar 2026 — 15:34
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@roland
Weltsicht und Frauenbild hin oder her, Asimov war schon wirklich gut.
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20. Februar 2026 — 16:02
Asimovs Weltsicht will ich gar nicht beanstanden. Zumindest lese ich aus den Texten viel Fortschritts-Optimismus und die grundsätzliche Überzeugung heraus, dass sich trotz aller menschlicher Schusseligkeit letztendlich alles zum Guten wenden kann. Beim Frauenbild wächst er halt leider nicht über den Mainstream seiner Zeit hinaus. Aber das muss ich ja leider auch meinem Liebling Stanislav Lem anlasten.