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Lesetagebuch: Die drei Sonnen von Liu Cixin

Damit habe ich die erste von drei Leseaufgaben der aktuellen Lesezwinger-Runde erfüllt. Die drei Sonnen hat mir außerordentlich gut gefallen – aber hat das Buch auch meine Anforderung erfüllt? Lest selbst!

Lesezwinger 2.1

Wir erinnern uns: Im Rahmen der zweiten Lesezwinger-Runde stellte ich der Gemeinde eine erneute Herausforderung.

Da fast jede Science-Fiction-Geschichte recht eurozentristisch angelegt ist und in einer Zukunft spielt, die im Grunde nur die Weiterführung unserer „westlichen“ Kultur darstellt, wünsche ich mir schon lange mal was zu lesen, in dem es in der Beziehung etwas realistischer zugeht.

Ich bekam gleich drei Vorschläge unterbreitet – unter anderem legte mir der gute @Weltenkreuzer Die drei Sonnen ans Herz. Und so landete dieses Werk des chinesischen Autors Liu Cixin flugs auf meinem Kindle. Es folgen zunächst eine Inhaltsangabe und eine schonungslose Bewertung, um dann der Frage nachzugehen, inwiefern meine Anforderung erfüllt wurde. Und ab hier gilt:

WARNUNG VOR DEM SPOILER!

Die drei Sonnen

Die Geschichte spielt zunächst in zwei Zeitebenen. Der Leser wird gleich zu Beginn in die chinesische Kulturrevolution der 60er Jahre versetzt. Die Astrophysikerin (und eine der beiden Hauptfiguren) Ye Wenjie muss mit ansehen, wie ihr Vater – ebenfalls Wissenschaftler – in Folge der chaotischen Ereignisse umgebracht wird. Ihre Mutter verliert sie eher auf übertragene Weise an die Kulturrevolution und selbst gerät sie als Tochter eines „unbelehrbaren Konterrevolutionärs“ ebenfalls in die Fänge der revolutionären Garden. Im weiteren Verlauf landet sie im Arbeitslager und wird schließlich auf eine strenggeheime Basis geschafft, deren eigentlicher Zweck sich ihr (und dem Leser) zunächst nicht erschließt, die aber über eine riesige Radioantenne verfügt.

Die eigentliche Haupthandlung spielt quasi in unserer Gegenwart (oder nur wenige Jahre in der Zukunft). Die Hauptfigur hier ist der Ingenieur und Experte für Nanomaterialien Wang Miao, der eher zufällig in die Ereignisse gezogen wird. Anscheinend haben es gerade dunkle Mächte auf Wissenschaftler abgesehen, die reihenweise Selbstmord begehen oder ihre Forschung aufgeben. Auch er scheint in den Fokus dieser Mächte zu geraten, wird aber gleichzeitig von den staatlichen Organen kontaktiert und gebeten, bei dem Kampf gegen diese dunklen Mächte zu helfen. Wer diese Mächte sind und worum es überhaupt geht, wird weder ihm noch dem Leser zu Beginn offenbart. Es scheint sich allerdings um ein weltweites Phänomen zu handeln, da auch NATO- und US-Offiziere an den Aktionen beteiligt sind.

Wang Miaos Aufgabe beschränkt sich zunächst darauf, sich bei den Mitgliedern einer internationalen Wissenschaftler-Vereinigung sowie den Spielern des in Intelektuellen-Kreisen gerade beliebten VR-Spiels Three Body einzuschleusen. Darin spielt (oder erlebt) man die Geschichte einer Welt namens Trisolaris, die – logisch – um drei Sonnen kreist und daher einer sehr instabilen Bahn folgt, die für dramatische Klimaschwankungen verantwortlich ist. Die Zivilisation auf Trisolaris bricht daher regelmäßig zusammen und muss immer wieder bei null anfangen. Die (unmögliche) Lösung des physikalischen Drei-Körper-Problems (so ja auch der Originaltitel des Buchs) wäre für Trisolaris daher elementar und stellt anscheinend ein Spielziel dar.

Nach einigen Wechseln zwischen der Gegenwartshandlung, Rückblenden in die 60er Jahre und Schilderungen von Spielszenen offenbart sich dem Leser (und auch Wang Miao) schließlich das Szenario eines heraufziehenden interstellaren Krieges zwischen der Erde und dem realen Trisolaris, dessen erste geheime Schlachten schon voll im Gange sind. Und natürlich hat dies alles seinen Ursprung in der Vergangenheit und bei Ye Wenjie.

Die geheime Basis entpuppt sich nämlich als Teil eines chinesischen SETI/METI-Projekts. Es gelingt der Basis, eine Botschaft abzusetzen, die von Trisolaris empfangen wird – das sich nirgendwo anders als in der instabilen Umlaufbahn um die Alpha-Centauri-Sterne befindet. Und tatsächlich empfängt die Basis vier Jahre später eine Antwort, die – wie es der Zufall will – nur Ye Wenjie bemerkt. Die Antwort enthält eine Warnung, nie wieder eine Botschaft abzusetzen. Der Absender behauptet ein trisolarischer Pazifist und Dissident zu sein, der nicht möchte, dass die bereits in Marsch gesetzte Invasionsflotte die Erde entdeckt.

Da die gute Ye Wenjie aufgrund ihrer negativen Erlebnisse im Zuge der Kulturrevolution eine sehr schlechte Meinung von der Menschheit hat, entscheidet sie, ihren eigenen Planeten zu verraten und sendet eine zweite Botschaft ab, um den Invasoren den Weg zur Erde zu erleichtern. In den Folgejahren tut sie sich mit anderen Kulturpessimisten zusammen – unter anderem mit einem amerikanischen Naturrechtler – und begründet mit ihnen eine weltweite Geheimorganisation, die quasi als fünfte Kolonne die Invasion der Trisolarier unterstützen soll.

Gegen Ende kommt dann noch eine Handlungsebene auf Trisolaris hinzu, welche die Geschehnisse aus dieser Warte beschreibt. Das Buch endet damit, dass es den Menschen in der Gegenwart gelingt, diese fünfte Kolonne zu zerschlagen und die in der Zwischenzeit zwischen ihnen und Trisolaris stattgefundene Kommunikation zu sichern. Dadurch offenbart sich auch, mit welchen hochstehenden Waffen es den Trisolariern möglich war, die Forscher auf der Erde und ihre Arbeit zu beeinflussen. Das ist nämlich das Hauptziel in dieser frühen Phase der Invasion: Den wissenschaftlichen Fortschritt auf der Erde zum Erliegen zu bringen. Die Invasionsflotte ist nämlich noch 400 Jahre unterwegs. Und damit die Menschen bis dahin nicht technologisch aufgeholt – oder gar überholt – haben …

Somit endet „Die drei Sonnen“ mit einem ersten Erfolg für die Menschen – wie es weitergeht erfährt man dann in den beiden Folgebänden.

Geradlinig, einfallsreich, spannend

Das Buch hat mir außerordentlich gut gefallen. Auch wenn die Handlung mit dem Konflikt zweier Welten und dem Invasionsthema durchaus nach recht klassischer Science-Fiction klingt, ist sie durch die Erzählweise sowie das Szenario und die Themen, in die sie eingebettet ist, sehr spannend. Was ich ja immer mag sind einfallsreiche SF-Ideen und da wurde ich mit dem aus einer Armee bestehenden Computer sowie den Sophonen sehr gut bedient.

Die Beschreibung eines solchen Computers hätte auch von Stephenson oder Gibson stammen können (eventuell gibt’s sowas ja sogar bei denen?) In einer Spielszene, die im Grunde die Historie von Trisolaris darstellt, wird in einem vortechnischen Zeitalter aus einer riesigen Armee ein Computer zur Berechnung des Drei-Körper-Problems entwickelt. Dabei stehen die Soldaten in „Schaltkreisen“ beisammen und übermitteln sich mittels Fähnchen digitale Informationen. Das alles ist sehr anschaulich und stimmig beschrieben, dass es eine wahre Freude ist.

Ähnlich die Sophonen, welche die Hauptwaffe der Trisolarier darstellen. Es handet sich um programmierte Protonen, die zur Erde geschossen wurden und durch quantenverschränkte Pendants auf Trisolaris ferngesteuert werden können. Zwei davon genügen, um alle Teilchenbeschleuniger auf der Erde unbrauchbar zu machen und außerdem Wang Miao und andere durch Spukerscheinungen in Angst und Schrecken zu versetzen. Tatsächlich ist jedes Sophon ein autonomer Computer. Besonders beeindruckend war die „Herstellung“ dieser Dinger. Die Trisolarier sind in der Lage, das elfdimensionale Innenleben auf- und wieder zuzufalten, um darin Schaltkreise einzubrennen. Ein aufgefaltetes Proton umspannt dann mal locker den ganzen Planeten. Auch dieser Vorgang ist sehr spannend beschrieben.

Die Charaktere: Stimmig mit einer Prise Klischee

Die weitere Rezi teile ich mal wieder nach meinem Bewertungsschema auf und verliere zunächst ein paar Worte über die Charaktere. Einige der Nebenfiguren mögen etwas klischeehaft daherkommen – zumindest im Ansatz gilt das sogar für den schnoddrigen Polizisten, der Wang Miao zur Seite steht. Die Hauptfiguren – allen voran Ye Wenjie – finde ich aber sehr gelungen und nachvollziehbar. Gerade ihr Weg von der entrechteten jungen Frau in der Kulturrevolution zur Verräterin an der Menschheit ist hervorragend beschrieben. Sie wirkt dabei nicht als Schurkin (auch wenn sie mindestens zwei direkte Morde zu verantworten hat). Man nimmt der Figur all ihre Taten und Entwicklungen ab. Ähnlich glaubhaft und durchdacht erscheinen die meisten Charaktere aus der 60er-Jahre-Handlungsebene. Doch auch wenn Wang Miao in der Gegenwarts-Ebene mehr eine passive Beobachterfunktion hat, wirkt auch er sehr stimmig.

Die Konflikte: Mensch gegen Gesellschaft

Die Hauptkonflikte, mit denen die handelnden Figuren zu tun haben, drehen sich in dem Buch eigentlich immer darum, dass der Einzelne sich mit der Gesellschaft, ihren Zwängen auseinandersetzen muss. Das wird natürlich vor allem in der 60er-Jahre Handlungsebene deutlich, in der die Hauptfigur ohnmächtig in die Mühlen der revolutionären Garden gerät, aber auch der amerikanische Naturrechtler sieht sich im Konflikt mit „dem System“. Später wird ein Trisolarier beschrieben, der ebenfalls im Widerspruch zu den dortigen Lebensverhältnissen steht und selbst Wang Miao muss sich vor allem mit den staatlichen Stellen auseinandersetzen, die ihn beauftragen – und später mit den Strukturen der Geheimgesellschaft, die er infiltriert hat. Interessanterweise werden diese Konflikte bei keinem so richtig aufgelöst. Alle fügen sich früher oder später in ihr Schicksal. Die einzige, die – wenn auch unerkannt – rebelliert, nämlich Ye Wenjie, reißt damit gleich die ganze Menschheit in den Untergang.

Die Dramaturgie: Geradliniger Krimi

Im Grunde ist das ganze ein Krimi. Tatsächlich beginnt die Gegenwartshandlung sogar mit einem Todesfall, den es zu Untersuchen gilt, nämlich dem mysteriösen Selbstmord einer Wissenschaftlerin. Wang Miao hat ein bisschen die Rolle eines Ermittlers inne – wobei er aber eher ein Watson ohne Holmes ist. Und so folgt man dem „Helden“ bei seinen „Ermittlungen“ sowie durch Rückblenden auf dem Weg zur Erkenntnis, was denn eigentlich hinter allem steckt. Leider wird Spannung dabei oft durch das schlichte Vorenthalten von Informationen erzeugt. Der Leser wie die Hauptfiguren kriegen einfach lange nicht gesagt, was den hinter dem Three-Body-Spiel und der Geheimorganisation steckt – obwohl die Behörden das schon recht früh zu wissen scheinen. An diesem Punkt ist das Buch tatsächlich am schwächsten.

Die Themen: Wissenschaft, Freiheit, Kulturpessimismus

Durch die Themenwahl und ihre Behandlung wird dieses Manko aber gleich wieder ausgeglichen. Ich hab mich ja ein wenig in die Irre führen lassen und am Anfang gedacht, die Geschichte entwickele sich in eine esoterische Richtung. Weit gefehlt. Das ganze ist in meinen Augen sogar eine subtile und gelungene Kritik am Kulturpessimismus. Subtil und gelungen vor allem deshalb, weil er seine Wurzeln durchaus nachvollziehbar begründet. Denn natürlich kann der Mensch dem Menschen schreckliches antun und natürlich führt Raubbau an der Natur nicht unbedingt zur Verbesserung der Umweltbedingungen. Aber konsequent zu Ende gedacht führt ein radikaler Kulturpessimismus zu menschenfeindlichem Handeln. Sehr schön hier auch die Szenen, in denen der hochgebildete Milliardärssohn aus Amerika auf die nordchinesischen Bauern trifft. Der eine leistet sich den Luxus, seltene Baumarten anzupflanzen, um sie vor dem Aussterben zu bewahren. Die anderen holzen sie natürlich wieder ab, um sich ihr hartes Leben etwas zu erleichtern.

Vor allem in der 60er-Jahre-Handlung ist zudem das Thema individuelle Freiheit präsent. Es wird sehr gut aufgezeigt, was es mit einem Menschen macht, wenn diese allzu drastisch eingeschränkt wird – und wie sehr dies die Entwicklung von Wissen und Wissenschaft behindert.

Und Wissenschaft ist natürlich das dominierende Thema. Das (im Original) titelgebende Drei-Körper-Problem dominiert fast den gesamten Roman. Ansonsten wird ausführlich Radioastronomie, SETI, Nanotechnologie, Stringtheorie, Grundlagenforschung im Bereich der Elementarteilchen und noch einiges mehr behandelt. Mit Fug und Recht kann das ganze auch Science Fiction genannt werden, da mit den Sophonen und vermutlich auch mit der Verstärkerfunktion der Sonne (da bin ich mir aber nicht so sicher) die science an etlichen Stellen fiktional weitergedacht wird.

Die Szenarien: Trisolaris, Kulturrevolution und das moderne China

Sowohl die reale als auch die rein fiktionale Welt, in die der Leser eingetaucht wird, haben mir sehr gut gefallen. Trisolaris ist eine wunderbar fremdartige Welt, deren Gesellschaft vielleicht etwas zu oberflächlich beschrieben wird – aber da kommt in den Folgebänden sicher noch was. Sehr faszinierend fand ich aber vor allem die Schilderung des Chinas der 60er Jahre. Das gelang sehr eindringlich und packend. Ebenso interessant – aus meiner westlichen Sicht – wie groß dann doch der Unterschied zum heutigen China ist, wie man es in der Gegenwarts-Ebene beschrieben bekam.

Herausforderung erfüllt?

Das Buch erhält von mir Höchstwertung und ich kann es nur wärmstens empfehlen. Aber hat es auch die gestellte Aufgabe erfüllt? Nicht ganz. Ich fand es schon sehr erfrischend, ein klassisches SF-Szenario aus (fast) rein chinesischer Sicht beschrieben zu sehen. Die Bedinung, dass „der Westen“ nur noch eine historische Randnotiz sein soll, erfüllt sich aber nicht. Tatsächlich ist er sogar sehr präsent – auch wenn der NATO-Offiziers-Statist ein wunderbares Pendant zu ähnlichen nicht-westlichen Alibi-Figuren in vergleichbaren US-Filmen ist. Trotzdem ging vieles in die Richtung dessen, was ich lesen wollte. Ich danke der Lesezwinger-Gemeinde ganz herzlich für diese Empfehlung. Den Rest der Trilogie werde ich alsbald nachholen. Doch erst einmal:

Nennt mich Buchbezwinger!

Die eskapistischen Links der Woche – Ausgabe 36/2017

Comics & Graphic Novels

Marvel Legacy könnte erneut ein ganz gutes Comic-Event werden. Der Trailer ist doch schon mal ganz vielversprechend.

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Fandom & Nerdtum

Nette Idee. Wenn in Westeros irgendwann mal moderne Zeiten einkehren – könnte es aber immer noch gewisse Bedrohungsszenarien geben.

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Gadgets & Tools

Schahatz, wir brauchen einen neuen Grill.

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Gesang & Geräusch

Diesmal auf einer zwölfsaitigen Gitarre: Die GoT-Titelmusik.

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  • Die Schauspieler dieser formidablen Serie können laut io9 übrigens auch selbst Musik machen – sogar ohne Banjo.

Kino & Film

Und noch ein Thor-Trailer

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  • Schick! Die kleine Hexe von Otfried Preußler wird jetzt auch verfilmt, berichtet Robots & Dragons und zeigt uns den Trailer.

Lauschen und Labern

Lego & Minifiguren

GTA-Adaptionen gibt’s ja zu Hauf. Fehlte noch eine mit Lego?

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LOL & ROFL

Wie heißt es so schön? Wenn man sich an die Werbung erinnert, war die Werbung schlecht. Wenn man sich an das Produkt erinnert, war die Werbung gut. Ich find den Film hier trotzdem Hammer.

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TV & Serien

Wissenschaft & Visionen

  • Das steht auch noch auf meiner Liste. Der gute Florian von Astrodicticum Simplex und den Sternengeschichten hat sich mal im Historisch-Technischen Museeum Peenemünde umgeschaut und angemessen darüber berichtet.

Lesetagebuch: drei Sonnen, zwei Hawkeyes und eine Ente

Leider komme ich mit dem Abarbeiten nicht so recht hinterher. Wie das immer so ist. Aber lest selbst.

Gerade ausgelesen

nix

Aktueller Lesestoff

X-Men – Sauron: Bei diesem Marvel-Klassiker aus der Hachette-Sammelreihe bin ich unlängst ein paar Seiten vorangekommen. So beeindruckend der bombastische Zeichenstil von Neal Adams ist, tu ich mich mit den älteren etwas kolportagehafteren Geschichten ja immer etwas schwer. Interessant aber die Erkenntnis, dass der titelgebende Schurke bei seiner Namenswahl tatsächlich ganz ausdrücklich Bezug auf Tolkien nimmt.

Beren und Luthien: Wo wir gleich beim Thema sind. Da Sohnemann Christopher bei diesem Werk ja eine Komplettsammlung aller Varianten dieser Geschichte aus dem Ersten Zeitalter Mittelerdes vorlegt (und keine neu zusammengestellte Prosafassung, wie ich erhofft hatte), sind auch etliche Verse des Leithian-Liedes enthalten. Obwohl großer Tolkien-Fan muss ich ja gestehen, dass ich die Lieder und Gedichte immer gern querlese. Werd ich hier wohl auch müssen, um weiterzukommen.

Die drei Sonnen: Auch wenn er ein paar sehr klassische SF-Elemente enthält (zum Beispiel den Wissenschaftler, der von staatlicher Stelle zu Hilfe gerufen wird, um bei einer fantastische Bedrohung zu helfen), liest sich dieser chinesische Roman sehr erfrischend und spannend. Der Computer aus Millionen fahnenschwenkenden Soldaten ist nur ein Beispiel etlicher großartiger Einfälle. Ich bin schon relativ am Ende (gerade war die sehr schöne Szene am Panamakanal mit den „Fliegenden Klingen“). Natürlich folgt im Anschluss an die Lektüre eine ausführliche Rezension – schließlich war’s eine Lesezwinger-Aufgabe.

Was als nächstes?

Entenhausen Edition: Entenhausen – vor allem in der Version des Großmeisters Carl Barks in der Übersetzung von Erika Fuchs – ist immer einen Besuch wert. Daher bleibe ich dieser Reihe selbstverständlich treu und freue mich auf den aktuellen Band 45.

Hawkeye Megaband 3: Die mit „Mein Leben als Waffe“ beginnende Hawkeye-Reihe gehört bekanntlich zum Besten, was in letzter Zeit in Sachen Superhelden-Comics auf den Markt gekommen ist. Sowohl der innovative Zeichenstil als auch die Story um das „normale“ Leben der beiden Superhelden ohne Superkräfte (sowohl Clint Barton als auch Kate Bishop) wissen zu begeistern – beides eine gelungene Mischung aus Realismus und Comedy. Gefällt mir sehr gut. Panini bringt die Reihe unter anderem in seinem Megaband-Format raus. Da ist für mich endlich mal Band drei fällig.

Lesetagebuch: Was machen eigentlich Clever & Smart

Ein bisschen was hab ich tatsächlich geschafft – und mir einen Comic gekauft, den ich nicht lesen kann. Aber lest selbst.

Gerade ausgelesen

Clever & Smart: Ich verstehe kein Wort Spanisch – dennoch konnte ich an dem Stapel mit Mortadelo y Filemon Comics nicht vorbeigehen und musste den ersten Band aus der Coleccion Olé (offenbar die drölfzigste Auflage alter Klassiker) sogar mitnehmen.
Als Kind und Jugendlicher habe ich Clever und Smart natürlich geliebt – auch wenn ich nur eine Handvoll Alben mein Eigen nannte. Ehrlicherweise wiederholt sich das Handlungsschema immer wieder: Die beiden schusseligen Agenten und Hauptfiguren müssen irgendwelche absurden Aufträge ihres Chefs Mr. L (bzw. Senor Super) ausführen (meist gilt es, die bekloppten Erfindungen von Dr. Bakterius zu testen), was stets in comichaft grotesk brutalen Unfällen und Verletzungen etlicher Beteiligter endet.
Der Schwerpunkt liegt also ohnehin mehr auf den detailverliebten Zeichnungen als auf dem, was in den Sprechblasen steht. So konnte ich dieses Comicalbum dennoch genießen und mich herrlich beömmeln.

Das Lange Utopia: Mit Freuden habe ich am Ende dieses Romans festgestellt, dass er doch nicht der letzte aus der Lange-Erde-Reihe ist, die Terry Pratchett und Stephen Baxter kongenial miteinander erdacht und erschaffen haben. Dazu weiter unten mehr.
Auch dieser Band hat mir wieder gut gefallen – wie immer vor allem wegen der einfallsreich dargestellten Welt. Bekanntlich besteht die Lange Erde aus unendlich vielen menschenleeren Parallel-Erden, deren Unterschiede zu unserer Originalwelt stets auf mehr oder weniger ausgeprägt anderen erdgeschichtlichen Entwicklungen basieren.
In diesem Band sind mir tatsächlich auch mal ein paar Plot-Elemente in angenehmer Erinnerung geblieben. Die beiden Haupthandlungsstränge drehen sich einmal um die Historie der „natürlichen Wechsler“ (die meisten Menschen benötigen nämlich ein Gerät, um zwischen den Welten zu springen) – hier war wohl vorwiegend Pratchett zu Gange.
Im anderen Handlungsstrang durfte Baxter sich mit fiesen Von-Neumann-Maschinen-Borg-Insekten austoben, die es abzuwehren galt.
Das ganze endet mit einem durchaus spannenden Cliffhanger, was meine Freude über über die zu erwartende Fortsetzung noch einmal steigert.

Monsters Unleashed: Das hat Spaß gemacht. Keine komplizierten innerfraktionellen Zwistigkeiten zwischen den Helden. Keine überraschenden Seitenwechseleien. Keine Tode und Wiederauferstehungen.
Einfach ein Haufen riesiger Monster, der auf der Erde erscheint und von unseren Marvel-Superhelden umgeboxt werden muss. Ja, das ist sehr geradlinig. Ja, das ist stark von Pacific Rim inspiriert. Egal! Monsters Unleashed hat richtig Bock gebracht.

Siege: Ich hab da noch immer gut 400 ungelesene Marvel-Comic-Hefte auf meinem Comixology-Account rumliegen. Vor ein paar Jahren bekam man ja jede Nummer 1 aller Serien geschenkt. Ich lade mir davon immer mal wieder ein paar aufs Endgerät. Zuletzt ein paar Sachen aus der Siege-Storyline, als sich Asgard mitten in Amerika befand, Norman Osborn Chef der Avengers war und als solcher Asgard belagerte. Echt ne coole Nummer, die ich mir eigentlich noch mal in Gänze – am Besten ab seiner Machtübernahme – reindrehen sollte.

Secret Empire: Auch für lau gibt’s gerade das aktuelle Free Comic Book Day Heft zum Marvel-Event Secret Empire, in dem sich Captain America himself auf einmal als fieser Hydra-Agent outet. So dämlich das im ersten Moment klingt – die Nummer scheint gar nicht so schlecht zu sein. Dieser kurze Einblick hat mir auf jeden Fall gut gefallen.

Aktueller Lesestoff

Beren und Luthien: Der folgende Satz fällt mir ein wenig schwer – aber ich bin ein bisschen enttäuscht von diesem Buch. Denn es ist wider meine Erwartung dann doch „nur“ eine erneut kommentierte Sammlung der aus Silmarillion, Vergessene Geschichten und Co. bekannten Texte zur Legende von Beren und Luthien.
Ich hatte ja mehr auf einen extrapolierten „neuen“ Prosatext gehofft, so wie Christopher Tolkien es schon bei den Kindern Hurins gemacht hat.
Trotzdem liest sich das Originalmaterial des Großmeisters natürlich ganz herrlich und die Aufbereitung mit Sohnemanns Kommentaren und den neuen Illustrationen ist wunderbar.

Die Drei Sonnen: Dank Lesezwinger darf/muss ich mich mit diesem wunderbaren chinesischen Science-Fiction-Roman befassen. Ob und und inwieweit er meine gestellte Aufgabe erfüllt, werde ich nach Ende der Lektüre in einem gesonderten Artikel ausführen.
Er gefällt mir auf jeden Fall von der ersten Seite an sehr gut. Das erste Kapitel schildert Ereignisse der Kulturrevolution, wonach die Handlung in die nahe Zukunft springt, in der sich die Hauptfiguren mit bislang noch unsichtbaren Gegnern auseinandersetzen müssen, die offenbar die Gesetze der Physik außer Kraft setzen können. Das alles ist sehr spannend und fesselnd geschrieben. Bislang großartig.

X-Men – Sauron: Einstweilen kein Lesefortschritt bei dem Marvel-Hachette-Klassiker.

Was als nächstes?

Mehr Marvel: Wie oben bereits erwähnt, liegen noch etliche ungelesene Nummer-Eins-Hefte aus dem Hause Marvel ungelesen in meinem Comixology-Account rum. Wie ebenfalls oben erwähnt, werde ich mir da als nächstes mal alles zu Dark Reign, The List und was es sonst noch so aus der „Regierungszeit“ von Norman Osborn gibt zu Gemüte führen.

Der Lange Kosmos: Voraussichtlich im November erscheint der tatsächlich letzte Band des von mir sehr geschätzten Lange-Erde-Epos. Nach recht oberflächlicher Recherche meinerseits scheint es wohl so zu sein, dass Terry Pratchett bis auf ein paar Ideen gar nichts mehr zum Langen Kosmos beitragen konnte und Stephen Baxter den Abschluss der Reihe allein verfassen musste.

Lesezwinger 2.0

Die beliebte Lesechallenge geht nach einigen Jahren Pause in ihre zweite Runde. Rechtzeitig zum Urlaub hab ich mir Lesestoff zu einem bestimmten Thema gewünscht – und gleich drei Antworten erhalten.

Wieder da: Der Lesezwinger

Aber der Reihe nach: Mit leicht veränderten Regeln hat der gute @myrkvid unlängst seine Twitter-Lesechallenge aus dem Jahr 2014 reanimiert und seine Follower im Speziellen und die Welt im Allgemeinen herausgefordert, ihm ein Buch zu einem bestimmten Thema oder mit sonstigen Eigenschaften zu finden – das er im Gegenzug dann gezwungen ist zu lesen und zu rezensieren. Er befand gleich zwei Antworten für würdig und verpflichtete sich somit die genannten Bücher auch zu konsumieren.

Die beiden Gewinner haben ihrerseits wieder Herausforderungen ausgesprochen und so ist die zweite Runde des Lesezwingers munter in vollem Gange.

Im Westen nichts neues mehr

Da ich in der ersten Runde vor drei Jahren mit Kinder der Drohne sehr interessanten Lesestoff vorgesetzt bekam, wollte ich diesmal natürlich wieder mit dabei sein.

Da fast jede SF in einer Zukunft spielt, die die Weiterführung unserer „westlichen“ Kultur darstellt (selbst bei Star Trek sind im Grunde alles Amerikaner), wünsche ich mir schon lange mal was zu lesen, in dem es in der Beziehung etwas realistischer zugeht. Schließlich ist zum Beispiel das einst weltbeherrschende Mongolische Reich heute nur noch eine historische Randnotiz – so wird es in ein paar hundert Jahren doch vermutlich auch „dem Westen“ ergehen. Ich hab mich sogar unter drei Antworten nicht entscheiden können – zum Glück hab ich bald Urlaub.

Somit sehe ich mich nun gezwungen zu lesen: Die drei Sonnen von Liu Cixin, Futu.re von Dmitri Glukhovsky und Biokrieg von Paolo Bacigalupi. Ich werde berichten.

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Mitmachen? Nichts leichter als das! Einfach dem @lesezwinger den Lesewunsch mitteilen, aus den eingehenden Vorschlägen binnen 24 Stunden einen (oder mehrere) Sieger auswählen, lesen und rezensieren.

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